Klima – der Wandel in der Hand des Menschen

Klima – der Wandel in der Hand des Menschen

In welche Richtung sich das Klima entwickelt, belegen Messungen inzwischen eindeutig: Um etwa 1 Grad Celsius ist die globale Durchschnittstemperatur vom vorindustriellen Zeitalter bis zum Jahr 2017 gestiegen. Wie weit sie bis zum Ende des 21. Jahrhunderts noch zunehmen wird, hängt vor allem davon ab, ob sich die Menschheit künftig konsequent dem Klimaschutz verschreiben wird. Wissenschaftler verschiedener Max-Planck-Institute arbeiten daran, die Klimaprognosen noch genauer zu machen. Und sie untersuchen, welche Maßnahmen nötig sind, um den Klimawandel auf ein verträgliches Maß zu begrenzen.

Der Weltklimarat (IPCC), dem auch Max-Planck-Wissenschaftler angehören, ist in seinen Aussagen klar: Nach äußerst großer Wahrscheinlichkeit, wie es in seinem 5. Sachstandbericht heißt, verursachen Treibhausgas-Emissionen durch den Menschen, vor allem der Ausstoß von CO2 bei der Verfeuerung von Kohle, Öl und Erdgas, einen Klimawandel, der heute schon mess- und spürbar ist. Doch auch wenn sich die bisherige Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur mit den Vorhersagen deckt, ist noch nicht klar, wie stark die Erderwärmung bis zum Jahr 2100 noch ausfallen wird. Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor ist dabei der Mensch. Wird er den Ausstoß von Treibhausgasen in kommenden Jahrzehnten massiv zurückfahren? Oder wird der CO2-Gehalt der Atmosphäre weiter ansteigen? Aber auch die physikalischen Formeln, mit denen Klimaforscher ihre Prognosen berechnen, enthalten noch Unsicherheiten. So geben Vorhersagen des IPCC für die Erderwärmung bei einer Verdopplung des CO2-Gehalts im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter – damals enthielt die Atmosphäre 285 Teile CO2 pro Millionen – eine Spannbreite von 1,5 bis 4,5 Grad Celsius an. Das relativ große Intervall ergibt sich aus zahlreichen Unwägbarkeiten im Klimasystem. Denn die Erderwärmung kann zu vielen Rückkopplungen führen, die den Klimawandel weiter verstärken, aber auch abschwächen können. Die Unsicherheiten in den Berechnungen möchten die Klimaforscher der Max-Planck-Gesellschaft verringern. Und sie arbeiten an belastbaren Klimaprognosen für die nächsten ein oder zwei Jahrzehnten. Zudem gehen sie Fragen nach, wie sich durch Klimaschutz die schlimmsten Folgen der Erderwärmung abwenden lassen: Wie schnell müssen wir den CO2-Ausstoß senken, um die Erderwärmung, wie 2015 auf der Pariser Weltklimakonferenz beschlossen, auf 2 oder gar 1,5 Grad zu begrenzen. Ist Geoengineering, also etwa die gezielte Freisetzung von Staub, der das Sonnenlicht blockt, sinnvoll, um dieses Ziel zu erreichen?

Durch den Klimawandel erwärmt sich die Arktis. Was bedeutet das für Treibhausgase in der Atmosphäre? Friedemann Reum und Mathias Göckede vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie wollen das herauszufinden. Dafür messen sie Treibhausgaskonzentrationen in der Luft vor Ort - im abgelegenen Ambarchik, an der sibirischen Küste des Nordpolarmeers. Mit den dort gewonnenen Daten berechnen sie, wie viel Kohlendioxid und Methan aus den Permafrostböden in die Atmosphäre entweicht. mehr
Wie wird sich das Klima in der Zukunft entwickeln? Und welchen Anteil hat der Mensch daran? Die Antwort findet sich in keinem Experiment - hier kann nur ein Klimamodell helfen. Der Film erklärt, wie ein solches Modell entsteht. mehr
Die Sahara ist das größte Trockengebiet der Welt. Dabei zeigen prähistorische Felszeichnungen, dass sich hier noch vor 6000 Jahren Nashörner, Krokodile und Flusspferde in einer üppigen Savannenlandschaft tummelten. Wie kam es, dass die Sahara austrocknete? Könnte sich die Entwicklung vielleicht sogar wieder umkehren? Diese Fragen stellen sich Forscher am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. An riesigen Rechenmaschinen simulieren sie die Klimaentwicklung der letzten Jahrtausende und versuchen vorherzusagen, wie die Sahara in Zukunft aussehen wird. mehr
Paul Crutzen wurde am 3. Dezember 1933 in Amsterdam geboren. Da seine Eltern ein Studium nicht finanzieren konnten, besuchte Crutzen eine technische Schule, an der er 1954 seinen Abschluss in "civil engineering" machte, um dann zunächst vier Jahre in einem Brückenkonstruktionsbüro zu arbeiten. 1958 ging er mit seiner Familie nach Schweden. Ein Jahr später bewarb er sich erfolgreich auf eine Stelle als Computerprogrammierer – obwohl er keinerlei Fachkenntnisse besaß – an der Universität Stockhom im Fachbereich Meteorologie. Parallel zu seiner Tätigkeit erwarb er dort 1963 seinen Master und begann unter Bert Bolin zu promovieren. 1968 erhielt er seinen Doktortitel mit Auszeichnung. 1970 veröffentlichte Crutzen eine grundlegende Arbeit zur Fähigkeit von Stickoxiden Ozon abzubauen und beschrieb die dabei ablaufenden Reaktionen. Für diese Arbeit erhielt er – mittlerweile an das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz berufen – zusammen mit Mario J. Molina und Frank Sherwood Rowland als einer der Pioniere der Erforschung des Ozonlochs 1995 den Nobelpreis für Chemie. mehr

Angesichts des noch immer steigenden CO2-Ausstoßes wird es immer schwieriger, die Erwärmung bis zum Ende des 21. Jahrhunderts auf 2 oder gar auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Doch es ist noch möglich, wie Forscher des Max-Planck-Instituts für Meteorologie berechnet haben – wenn die Menschen künftig konsequenten Klimaschutz betreiben und jetzt anfangen, deutlich weniger Treibhausgase freizusetzen. Allerdings stiege die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 selbst dann um etwa 1,1 Grad, wenn alle Emissionen im Jahr 2017 komplett eingestellt worden wären. Die Rechnungen ergeben aber auch, dass es bei der derzeitigen Emissionsrate nur noch etwa 15 bis 30 Jahre dauert, bis das Risiko, eine Erderwärmung von 1,5 Grad zu überschreiten, fünfzig Prozent erreicht.

Auch bei einem sofortigen Stopp aller klimarelevanten Emissionen würde sich die Erde weiter erwärmen mehr

Ob das 1,5-Grad-Ziel noch eingehalten wird, hängt nicht nur von politischen Entscheidungen ab. Auch jeder einzelne kann dazu beitragen. Dass der Beitrag Einzelner tatsächlich relevant ist, unterstreicht eine Studie von Forschern des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, die untersuchen, wie sich der Klimawandel auf das arktische Meereis auswirkt. Die Wissenschaftler haben einen einfachen Zusammenhang dafür gefunden, wieviel Quadratmeter vom arktischen Meereis durch einen bestimmten CO2-Ausstoß verschwindet. Ein Beispiel: Jeder Passagier in einem Flugzeug von Frankfurt/Main nach San Francisco hinterlässt einen CO2-Fußabdruck, der fünf Quadratmeter Meereis schmelzen lässt.

Messungen decken den Zusammenhang zwischen individuellem CO2-Ausstoß und dem Rückgang des arktischen Sommereises auf mehr
Tauwetter im Klimarechner
Nirgendwo macht sich der Klimawandel so deutlich bemerkbar wie in der Arktis. Die Menge des Meereises hat hier in den vergangenen Jahrzehnten drastisch abgenommen. Diesen Schwund haben Klimamodelle lange nicht in seinem ganzen Ausmaß erfasst. Das ändert sich nun – nicht zuletzt, weil Dirk Notz und seine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg immer besser verstehen, welche Prozesse die Bildung und das Schmelzen des Meereises beeinflussen. mehr

Vielleicht helfen solche konkreten Aussagen zum Klimaeffekt unseres eigenen Verhaltens, die Menschen zum Klimaschutz zu bewegen. Die relativ abstrakten Szenarien, was am Ende des Jahrhunderts droht, wenn wir den Klimawandel nicht bremsen können, tun es offenbar nicht. Das belegt eine Studie von Wissenschaftlern der Max-Planck-Institute für Meteorologie und für Evolutionsbiologie. Demnach setzen Menschen eher auf kurzfristige Belohnungen als auf die Aussicht, mit ihrem Verhalten einen möglicherweise katastrophalen Klimawandel in fernerer Zukunft zu verhindern.

Ein Klimaspiel und ein spieltheoretisches Modell zeigen, dass Probanden Repräsentanten mit erpresserischer Verhandlungsstrategie bevorzugen mehr
Die Aussicht auf mittelfristige Schäden durch den Klimawandel könnten arme und reiche Länder dazu bringen, die Emissionen an Kohlendioxid wirksam zu reduzieren mehr

Nicht zuletzt dieses Verhalten der Menschen, das sich auch immer noch in politischen Entscheidungen widerspiegelt, hat Hamburger Klimaforscher motiviert, die Bedrohung der Erderwärmung für die Menschen schon heute greifbarer zu machen. Sie arbeiten an Modellen, die für die nächsten Jahrzehnte belastbare Vorhersagen liefern. Solche mittelfristigen Prognosen werden dadurch erschwert, dass das Klima generell relativ großen statistischen Schwankungen unterliegt. Eindeutige Trends in der näheren Zukunft lassen sich deshalb nur schwer zuverlässig erkennen.

... und jetzt zum Klima von morgen
Wie wird das Klima in zehn oder 15 Jahren aussehen? Auf diese Frage haben Forscher bisher keine befriedigende Antwort – vor allem, weil zufällige Veränderungen in diesen mittelfristigen Zeiträumen eine große Rolle spielen. Eine natürliche Schwankung ist wahrscheinlich auch die Ursache dafür, dass die Temperaturen seit 15 Jahren kaum ansteigen. Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und Kollegen in ganz Deutschland arbeiten intensiv an einem System, das zuverlässige Prognosen für die kommenden Jahre liefert. mehr

Auch Prognosen, wie sich der Klimawandel regional auswirken wird, können uns die Dringlichkeit vor Augen führen, deutlich weniger Treibhausgase auszustoßen. So haben Wissenschaftler berechnet, wie sich bei einer fortschreitenden Erwärmung der Wasserhaushalt in Deutschland verändern wird. Demnach wird es im Winter mehr regnen, im Sommer dagegen werden Dürren zunehmen.

Ein neuer Bericht fasst zusammen, wie sich der Klimawandel auf den Wasserkreislauf in Deutschland auswirkt mehr

Um auch in einer Zukunft mit trockeneren Sommern die Gefahr von Missernten zu reduzieren, versuchen Biologen Pflanzen resistenter gegen Trockenheit zu machen.

Wenn der Klimawandel viele Regionen der Erde trockener werden lässt, werden auch die Getreideerträge in der Landwirtschaft zurückgehen. Neue Getreidesorten sollen deshalb widerstandsfähiger gegen Trockenheit sein. mehr

Züchtungen, die mit Wassermangel besser klarkommen, dürften etwa in Südeuropa, aber auch in Teilen Deutschlands gefragt sein, weil dort im Zuge des Klimawandels zumindest im Sommer weniger Niederschläge zu erwarten sind. Neben solchen Anpassungen an den Klimawandel im Kleinen diskutieren Forscher auch deutlich weitreichendere und umfassendere Maßnahmen, um auf die Erderwärmung zu reagieren: das Geoengineering. Dabei handelt es sich um Eingriffe, mit denen die Erde trotz eines steigenden CO2-Gehalts in der Luft gekühlt oder CO2 aktiv aus der Atmosphäre entfernt werden soll. Solche Maßnahmen sind vor allem deshalb umstritten, weil sie zwar die Erderwärmung bremsen könnten, möglicherweise aber unerwünschte Nebenwirkungen haben könnten.

Durch menschliche Eingriffe lässt sich der ursprüngliche klimatische Zustand nicht wiederherstellen mehr
Versuche, die Erde künstlich zu kühlen, würden den globalen Wasserhaushalt stark beeinträchtigen mehr

Geoengineering wirft dabei nicht nur klimawissenschaftliche, sondern auch völkerrechtliche Fragen auf. Sollte ein Staat etwa im Alleingang Sulfat-Partikel in der Atmosphäre ausbringen, um das Sonnenlicht abzuschirmen, hätte das globale Auswirkungen und könnte zu Konflikten mit anderen Staaten führen, in denen die Maßnahme schädliche Folgen nach sich zieht.

„Es könnte zu Konflikten und Kriegen kommen“
Dr. Ulrike Niemeier, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg
In vielen Regionen der Welt versuchen sich die Menschen vor den Folgen des Klimawandels zu schützen – oft mit kontraproduktivem Effekt. Auch Geoengineering kann als solche Fehlanpassung gelten mehr
Wenn der Mensch das Klima lenkt
Die Aussichten stehen auf Erwärmung, das globale Klima ändert sich. Wissenschaftler arbeiten daran, den Kohlenstoff-Kreislauf positiv zu beeinflussen. Doch lassen sich solche Verfahren – so sie überhaupt funktionieren – mit internationalen Normen vereinbaren? Das untersuchen Forscher wie David Reichwein vom Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. mehr

Als ein mögliches Mittel gegen die Erderwärmung durch das Treibhausgas CO2 wird Aufforstung diskutiert und teilweise auch schon praktiziert. Sie soll CO2 aktiv aus der Atmosphäre entfernen, indem damit in Wäldern dauerhaft Biomasse aufgebaut wird. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Meteorologie haben untersucht, wie stark sich dadurch die Erderwärmung begrenzen ließe und ob andere Vorschläge zum Geoengineering möglicherweise effektiver. Bei der Aufforstung handelt es sich um eine Änderung der Landnutzung, die den Klimawandel möglicherweise bremsen könnte. Oft beschleunigen solche Veränderungen die Erderwärmung jedoch, etwa wenn tropische Regenwälder Weiden weichen müssen. Allerdings sind die Zusammenhänge nicht überall auf der Erde so klar, weil Wald zwar CO2 bindet aber eine geringere Albedo besitzt, Sonnenlicht also weniger gut von der Erdoberfläche reflektiert als etwa eine Graslandschaft.

Kahlschlag am Klima
In öffentlichen Debatten um die Erderwärmung steht eine Ursache im Mittelpunkt: die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe. Doch der Mensch verändert das Klima auch, indem er Wälder rodet und Ackerbau, Forstwirtschaft sowie Viehzucht betreibt. Julia Pongratz untersucht mit ihrer Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg die Folgen dieser Aktivitäten für das Klima – und wie sich die Eingriffe nutzen ließen, um dem globalen Wandel entgegenzuwirken. mehr

Fest steht, dass gerade der Amazonas-Regenwald eine herausragende Bedeutung auch für das Klimasystem hat, weil er gigantische Mengen an Kohlenstoff speichert, die bei seiner Rodung als CO2 freigesetzt werden und die Erderwärmung weiter befeuern.

Die Waschküche der Welt
Der Amazonas treibt den globalen Luftkreislauf an, reinigt die Atmosphäre und speichert in großem Stil Wasser. Das sind nur drei Gründe, warum die Max-Planck-Gesellschaft in Manaus, mitten im Amazonasgebiet, eine Außenstelle betreibt. Für Meinrat O. Andreae sind das aber auch Gründe, warum alle Staaten der Erde in den Schutz des globalen Dienstleisters Amazonas investieren sollten. Die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region müsste das nicht einmal hemmen. mehr

Die Bedeutung tropischer Regenwälder im Erdsystem und die vielfältigen Effekte der Landnutzung verdeutlichen beispielhaft, wie komplex die Zusammenhänge im Erdsystem sind. Dafür steht auch die Wechselwirkung zwischen Artenvielfalt und Klima.

In Ökosystemen mit einer großen pflanzlichen Biodiversität wird mehr Kohlenstoff gespeichert, weil die Bodenmikroben darin aktiver sind mehr

Diese Komplexität im Erd- und Klimasystems erschweren Klimaforschern ihre Prognosen. So löst die Erderwärmung Entwicklungen aus, die sie in Form von Rückkopplungen noch verstärken dürften. Manche Folgen schwächen sie möglicherweise aber auch ab. Besonders unsicher ist vor diesem Hintergrund, wie sich die Wolkenbedeckung der Erde und die Niederschläge entwickeln werden, wenn es auf der Erde immer wärmer wird. Und wie sich diese Veränderung wiederum auf das Klima auswirken. Max-Planck-Forscher arbeiten daran, diese Zusammenhänge aufzuklären.

Wasser mit nebulöser Wirkung
An einem kranken bislang alle Klimamodelle: Sie erfassen nur schlecht, wie sich die Erderwärmung auf die Wolken auswirkt und wie ein Mehr oder Weniger verschiedener Wolkentypen wiederum den Klimawandel beeinflusst. Bjorn Stevens, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie, klärt diese Zusammenhänge auf. mehr

Staub, an dem Wolken wachsen

22. Februar 2010
Aerosole bilden die Würze in der Wetterküche. Allmählich verstehen Klimaforscher besser, auf welch vielfältige Weise die Schwebteilchen die Bildung von Wolken und Niederschlag beeinflussen. mehr
Tröpfchen in der Achterbahn
Ob Gase verbrennen, Planeten entstehen, Wolken sich auflösen oder ob es regnet – immer bestimmen turbulente Strömungen, wie das abläuft. So wichtig die Turbulenz ist, so wenig wissen Physiker bislang über sie. Eberhard Bodenschatz und seine Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation wollen das ändern. mehr

Eine weitere Unbekannte in den Prognosen für das künftige Klima stellt die Rückkopplung zwischen der Erderwärmung und einem möglichen Auftauen der Permafrostböden in Sibirien dar. Diese Böden speichern große Mengen an Kohlenstoff. Wenn die tieferen Bodenschichten im Sommer künftig nicht mehr gefroren bleiben, könnte dieser Kohlenstoff in Form von Treibhausgasen entweichen und den Klimawandel verstärken.

Der Klimawandel verändert viele Ökosysteme. So könnten etwa die arktischen Permafrostböden teilweise auftauen. Solche Umwälzungen wirken sich wiederum darauf aus, welche Mengen an Treibhausgasen in diesen Gebieten freigesetzt beziehungsweise gebunden werden. Wir fragten Mathias Göckede, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, welche Folgen die Erderwärmung für die Permafrostböden hat. mehr

Solche Rückkopplungen spielen bei klimatischen Veränderungen, die es in der Erdgeschichte immer wieder gab, seit jeher eine große Rolle. Die Klimaveränderungen der Vergangenheit vollzogen sich nach allem, was Forscher derzeit wissen, zwar noch nie so schnell wie die Erderwärmung, die wir derzeit erleben. Zudem wurden sie bislang auch nie durch einen Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre – schon gar nicht eine durch den Menschen bewirkte Zunahme – ausgelöst. Doch aus dem Studium vergangener Entwicklungen lernen Klimaforscher viel über die Rückkopplungen, die wir heute zu erwarten haben.

Klimaforscher rekonstruieren den Zusammenhang von atmosphärischer Kohlendioxid-Konzentration und mittlerer Erdtemperatur in der Vergangenheit, um Klima-Prognosen zu verbessern.
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Zu einer Rückkopplung, die den derzeit zu beobachtenden Klimawandel verstärkt, könnten auch extreme Wettereignisse führen – vor allem Dürren. Denn bei großer Trockenheit nehmen Pflanzen weniger CO2 auf, um damit Biomasse aufzubauen. Generell wirken sich Klimaveränderungen auf den Kreislauf von Kohlenstoff zwischen der Atmosphäre, der Vegetation – Geoforscher sprechen von der Biosphäre – aus. Wie dies den CO2-Gehalt der Atmosphäre beeinflusst, untersuchen Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Biogeochemie.

Die Erderwärmung könnte sich durch meteorologische Extremereignisse selbst verstärken mehr
Das Klima hängt auf vielfältige Weise mit den Mengen an Kohlendioxid und anderen Spurengasen zusammen, die die Vegetation und der Boden mit der Atmosphäre austauschen. Dieses komplexe Gefüge analysieren Markus Reichstein und seine Kollegen am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. mehr

Ob Wetterextreme dabei in den vergangenen Jahrzehnten schon häufiger und heftiger geworden sind, ist noch nicht geklärt. Für Überschwemmungen haben Forscher am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme diese Frage anhand von Zeitreihen analysiert. Dabei haben sie etwa für die Elbe nach heutiger Datenlage noch keinen Trend hin zu mehr und stärkeren Hochwassern beobachtet, auch wenn der Fluss in den Jahren 2002 und 2013 außergewöhnlich hohe Pegelstände erreichte.

Stürme, Dürren, aber auch extreme Niederschläge könnten durch die Erderwärmung zunehmen. Ob diese Entwicklung schon zu beobachten ist, untersuchen Holger Kantz und seine Mitarbeiter am Dresdner Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme. mehr

Auch nicht eindeutig erwiesen ist, dass die sehr trockenen Sommer der vergangenen Jahre in Südeuropa, aber auch in Westeuropa wie etwa in manchen Gegenden Deutschlands schon auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Klimaprognosen zufolge ist aber mit vermehrten und langanhaltenderen Dürren etwa in Teilen Europas zu rechnen. Zu einer anderen Art von Extrem wird der Klimawandel vermutlich in Nordafrika sowie im Nahen und mittleren Osten führen. Das dürfte gerade in den betroffenen Regionen zu unerträglichen Lebensverhältnissen führen, die Menschen vermehrt zur Migration zwingen, wie Berechnungen von Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz ergeben haben. Ein Beispiel, welche politischen Folgen von Klimaveränderungen auf nationaler und internationaler Ebene nach sich ziehen können, liefert der Bürgerkrieg in Syrien, zu dessen Ausbruch eine mehrjährige Dürre beitrug und dem Hunderttausende Menschen nur durch Flucht entkamen.

Dem Orient droht ein Klima-Exodus
Die Zahl der Klimaflüchtlinge könnte künftig dramatisch steigen. Wie Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie und vom Cyprus Institute in Nicosia berechnet haben, dürfte es im Nahen Osten und in Nordafrika so heiß werden, dass Menschen dort in vielen Gegenden nicht mehr leben können. mehr
<p>„Wir brauchen legale Migrationsmöglichkeiten“</p>
Der Menschenrechtler Walter Kälin plädiert für Anpassungen an den Klimawandel – auch durch Auswanderung mehr

Nicht überall und in jeder Hinsicht könnte der Klimawandel zu lebensfeindlicheren Bedingungen führen. So könnte es etwa in der Sahara mehr Regen geben, sodass sich in einigen Teilen der Wüste wahrscheinlich die Vegetation ausbreitet.

Der menschengemachte Klimawandel trägt dazu bei, dass feuchte mediterrane Luft den westafrikanischen Monsun anfacht mehr
Die Wüste grünt
Der Süden Europas wird mit dem Klimawandel sehr wahrscheinlich deutlich trockener. Doch ausgerechnet in der Sahara könnten sich bei einer mäßigen Erderwärmung Pflanzen ausbreiten – so wie es auch in der Vergangenheit ab und an geschah. Martin Claußen, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie, simuliert das Wechselspiel von Klima und Vegetation. mehr

Zeiten, in denen die heutige Wüstengebiete feuchter und damit grüner und weniger lebensfeindlich war, gab es im Laufe der Erdgeschichte bereits. Solche Phasen könnten in der Geschichte der Menschheit sogar eine wichtige Rolle gespielt haben.

Laut einer neuen Studie könnte es ein feuchteres Klima ermöglicht haben, dass Homo sapiens vor 50.000 bis 30.000 Jahren Trockengebiete in Zentralasien durchquerte mehr

Solche Beispiele zeigen einmal mehr, wie sehr die Menschheit im Guten wie im Schlechten von der Entwicklung des Klimas abhängig ist.

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