Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft

Die Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft beginnt am 11. Januar 1911.

1909 richtete der Berliner Theologieprofessor Adolf Harnack einen Appell an Kaiser Wilhelm II. Als enger kaiserlicher Berater, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Direktor der renommierten Königlichen Bibliothek war Harnack einer der innovativsten und einflussreichen Wissenschaftsmanager seiner Zeit. Seine Denkschrift skizziert eine umfassende Reform des Wissenschaftssystems. Kern war Harnacks Vorschlag, ergänzend zu den Universitäten unabhängige Forschungsinstitute einzurichten. Sie sollten spezialisierte Grundlagenforschung betreiben, vor allem in den Naturwissenschaften. Die seit Mitte des 19. Jahrhunderts rasante Industrialisierung hatte gezeigt, dass viele neue technische Probleme nur mit größerem Wissen über chemische oder physikalische Grundlagen zu lösen waren. Auch Biologie und Medizin machten Fortschritte. Harnacks Schrift bahnte den Weg zu Strukturen, die noch heute die deutsche Forschung auszeichnen und moderne Spezialforschung und Großforschung ermöglichten. Um sie umzusetzen, schlug Harnack die Gründung einer neuartigen Forschungsgesellschaft zur Förderung der Wissenschaft vor: Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. mehr
Am 11. Januar 1911 fand in der Berliner Akademie der Künste die konstituierende Sitzung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft e.V. statt. Anwesend waren 83 stimmberechtigte Mitglieder des neuen Vereins, dessen Gründerliste sich wie ein Auszug aus dem „Who is Who“ der deutschen Industrie und Forschung liest. Schon einige Monate zuvor hatte der Kaiser anlässlich des 100. Geburtstags der Berliner Universität die Gründung angekündigt. Die neue Gesellschaft sollte die Arbeit der Universitäten und Akademien durch naturwissenschaftliche Forschung ergänzen und so Deutschland international konkurrenzfähig halten. Mit Adolf Harnack wurde ein einflussreicher Wissenschaftsmanager und Forscher als Präsident berufen. Der Kaiser selbst fungierte als Schirmherr, was der neuen Einrichtung ein hohes Prestige verlieh und zahlreiche potente Spender anzog, darunter viele aus dem jüdischen Bürgertum. Als Emblem wählte man die Minerva: Die römische Göttin der Wissenschaft verkörpert Weisheit, Tapferkeit und Ausdauer. mehr
Im Oktober 1912 konnten die ersten Institute der KWG eigene Gebäude beziehen. In Berlin eröffnete das Institut für Chemie unter Leitung Ernst Beckmanns, sowie das für physikalische Chemie und Elektrochemie unter Fritz Haber. Sie bildeten den Kern des neuen Forschungscampus Dahlem, der rasch weiter wuchs: Bereits 1913 wurde das Kaiser-Wilhelm-Institut für experimentelle Therapie eröffnet, 1915 das für Biologie. Doch die KWG war auch außerhalb der Hauptstadt aktiv: 1912 hinterließ die jüdische Kunstsammlerin Henriette Hertz der KWG den Palazzo Zuccari in Rom samt einer bedeutenden Bibliothek zur Kunstgeschichte sowie eines beachtlichen Stiftungskapitals. Unter dem Namen „Bibliotheca Hertziana“ richtete die KWG hier ein kunsthistorisches Forschungsinstitut ein. Damit hatten auch die Geisteswissenschaften von Anfang an ihren Platz innerhalb der KWG. Obwohl das nicht zentral als Gründungsauftrag formuliert war, folgten viele weitere geisteswissenschaftliche Institute. mehr
Anfang August 1914 erklärte Deutschland Russland und Frankreich den Krieg. Die Öffentlichkeit wurde von einem Taumel nationaler Begeisterung ergriffen, an dem auch viele Wissenschaftler der KWG teilhatten. Die intellektuelle Elite versuchte darüber hinaus, selbst die öffentliche Meinung zu beeinflussen, indem sie im Oktober 1914 den Aufruf „An die Kulturwelt“ veröffentlichte, um Gräueltaten der deutschen Armee im besetzten Belgien zurückzuweisen. Unter den 93 Intellektuellen und Künstlern, die den Aufruf unterzeichnete, waren mit Max Planck, Adolf von Harnack, Fritz Haber, August von Wassermann und Richard Willstätter auch Forscher, die mit der KWG verbunden waren. mehr
1915 erhielt Richard Willstätter den Nobelpreis für Chemie. Mit ihm ging der begehrten Preis zum ersten Mal an einen Forscher der KWG. Willstätter forschte am KWI für Chemie über Chlorophyll, entwickelte aber auf Wunsch seines Freundes Fritz Haber 1915 auch einen Atemfilter für Gasmasken. Aufgrund des Kriegs fand die Laureatenrede erst 1920 in Stockholm statt. In der Zwischenzeit war Willstätter an die Ludwig-Maximilans-Universität nach München gewechselt, wo er in den 1920er Jahren zum Ziel antisemitischer Aktionen wurde. Der Chemiker gab daraufhin 1924 seine Professur auf und wechselte in die Industrie. 1939 emigrierte er in die Schweiz, wo er die letzten Lebensjahre verbrachte. Willstätter war der erste von insgesamt 15 Nobelpreisträgern der KWG, darunter Albert Einstein, James Franck, Otto Hahn und Werner Heisenberg. mehr
Fritz Haber richtete sein Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem schon im ersten Kriegsjahr voll auf die militärische Kampfgasforschung aus. Seit 1916 unterstand es direkt der Obersten Heeresleitung. Haber selbst gilt als Vater des Giftgaskriegs, was sich nachhaltig auf die Kaiser-Wilhelm-Institute in Berlin auswirkte. Bis zu 1500 Mitarbeiter waren dort tätig. Auch das KWI für Chemie war eingebunden, und am KWI für experimentelle Therapie arbeiteten Wissenschaftler an der Weiterentwicklung von Impfseren, die deutsche Soldaten vor Typhus und Cholera schützen sollten. Insgesamt waren die meisten KWI aber bestrebt, ihre Vorkriegsarbeiten weiterzuführen, vor allem den Auslandsinstituten gelang das aber kaum. mehr
Am 11. November 1918 beendete der Waffenstillstand den Ersten Weltkrieg für Deutschland. Schon wenige Tage später wurden die beiden italienischen Institute der KWG beschlagnahmt. Erst 1920 konnte die Bibliotheca Hertziana in Rom ihre Forschung wieder aufnehmen. Die Meeresbiologische Forschungsstation in Rovigno wurde unter italienischer Leitung weitergeführt und kam erst 1931 als Deutsch-Italienisches Institut für Meeresbiologie wieder zur KWG. mehr
Kaiser Wilhelm II. dankte 1918 ab und Deutschland erhielt zum ersten Mal in seiner Geschichte eine demokratische Verfassung. Dennoch beschloss der Senat der KWG 1919, die nach ihm benannte Gesellschaft nicht umzubenennen. Während der Weimarer Republik versuchten vor allem Reichstagsabgeordnete der linken Fraktionen immer wieder eine Namensänderung durchzusetzen. Den Präsidenten Harnack und Planck gelang es aber bis in die späten dreißiger Jahre hinein, eine Umbenennung zu verhindern. Die überwiegende Zahl der Wissenschaftler akzeptierte als „Vernunftrepublikaner“ die neue Demokratie, blieben aber „Herzensmonarchisten“. Vor allem die Förderer und preußischen Verwaltungsbeamten trauerten dem vergangenen Glanz der Kaiserzeit nach. Erst 1921 wurde der Kaiser als Protektor aus der Satzung gestrichen. mehr
1922 bezog die wachsende Generalverwaltung neue und repräsentative Räume im Berliner Schloss, das nach dem Ende der Monarchie umgenutzt wurde. In den Geschäfts- und Sitzungsräumen fanden von da ab die Senatssitzungen statt. Auch die jährlichen Hauptversammlungen wurden in den kommenden Jahren im Berliner Schloss organisiert und bald beherbergte das Schloss auch die Kaiser-Wilhelm-Institute für Geschichte, sowie für Privatrecht und Völkerrecht. mehr
1924 stiftete die KWG die Harnack-Medaille, um Personen, die sich besonders für die KWG einsetzten, zu ehren. Die Tradition wird bis heute weitergeführt und die Medaille 32 Mal vergeben. Ihre Einführung war Ausdruck einer steigenden Professionalisierung der Geschäftsführung der KWG durch Generalsekretär Friedrich Glum, der seit 1924 gezielt neue Mitglieder anwarb und die Mitgliedszahlen bis 1930 verdreifachte. Die KWG erschloss sich damit nicht nur neue Geldquellen, sondern auch neue Netzwerke. Als Folge wuchs der Senat, außerdem veröffentlichte die KWG ab 1924 jährliche Tätigkeitsberichte. mehr
1927 lud die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zu ihrer Jahresversammlung erstmals nach Dresden ein. Bis dahin hatte die alljährliche Hauptversammlung in Berlin stattgefunden. Da aber die Zahl Wissenschaftlicher Mitglieder außerhalb Preußens wuchs, wollte die KWG auch dort Präsenz zeigen. 1928 war die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in München, 1930 in Heidelberg zu Gast. An der Hauptversammlung in Frankfurt/M. nahmen bereits 1.400 Personen teil. Oft bestimmte sich der Ort nach einer Institutseinweihung. Zum Rahmenprogramm gehörten Dampferfahrten, Konzerte und Empfänge der einladenden Stadt. mehr
Im Mai 1929 nahm das Harnack-Haus in Berlin-Dahlem seinen Betrieb auf. Es diente als Clubhaus für die Mitarbeiter der Kaiser-Wilhelm-Institute des Campus und als Gästehaus für ausländische Wissenschaftler, die Forschungsaufenthalten in den Dahlemer Instituten verbrachten. Tennisplätze, eine Bibliothek und ein preisgünstiger Mittagstisch machten das Haus bald zu einem zentralen Ort der Kommunikation. Daneben kam auch die breite Öffentlichkeit zu Vorträgen und Konzerten, und der Präsident der KWG lud ausgewählte Gäste aus Politik, Wirtschaft und den Medien zusammen mit ausgewiesenen Forschern zu Dinnerabenden ein. mehr
1930 wurde Max Planck zum Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft berufen. Sie besaß zu dieser Zeit hohes Renommee und gehörte mit sieben Nobelpreisträgern zu den wichtigsten Forschungseinrichtungen. Dennoch trat der 72-jährige Physiker das Amt in einer schwierigen Situation an. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise gingen die Mitgliederbeiträge zurück. Das Reich und Preußen kürzten ihre Zuschüsse. Planck hatte im Jahr 1900 die Quantentheorie formuliert und war dadurch international berühmt geworden. Später wirkte er an entscheidenden Stellen an der Ausgestaltung des deutschen Wissenschaftssystems mit. Als Sekretar der Akademie der Wissenschaften sorgte er für die Förderung der physikalischen Forschung in Berlin. 1914 war es ihm gelungen, Albert Einstein nach Berlin zu holen, der dort das neue Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik leiten sollte. mehr
1931 besaß die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft 32 Institute. In rascher Folge waren nach dem Ersten Weltkrieg eine Reihe industrie- und landwirtschaftsnaher Forschungsanstalten für Eisenforschung, Faserstoffchemie, Metall-, Leder-, Silikat- und Züchtungsforschung entstanden. Mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg war 1930 eine der innovativsten Forschungsstätten in Betrieb gegangen. Auch im Ausland investierte die KWG, z.B. in die Forschungsstelle für Mikrobiologie in São Paulo. Allerorten entstanden so moderne Gebäude mit erstklassiger Labortechnik und Bibliotheken, die Wissenschaft auf Weltniveau erlaubten. mehr
Im Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Innerhalb weniger Wochen verwandelte die NSDAP mit breiter Unterstützung der Bevölkerung Deutschland in einen antisemitischen „Führerstaat“, der seine Gegner radikal verfolgte. Im April 1933 wurde das „Gesetz zur Wiedereinführung des Berufsbeamtentums“ erlassen als Grundlage, Mitarbeiter mit jüdischem Familienhintergrund aus staatlichen Stellen zu vertreiben. Auch in der KWG begann eine Entlassungswelle nachdem Plancks Audienz bei Hitler gescheitert war. Insgesamt entließ die KWG 126 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 104 Wissenschaftler. Einige von ihnen konnten ihre Karrieren im Ausland fortsetzen, andere verloren durch die Emigration ihre Existenzgrundlage und scheiterten bei dem Versuch im Ausland Fuß zu fassen. Vier der Vertriebenen wurden in Konzentrationslagern ermordet. mehr
Der Chemiker und Nobelpreisträger Fritz Haber war für seine Zeitgenossen einer der wichtigsten Protagonisten der deutschen Forschung. 1933 legte er angesichts der antisemitischen Agitation nach 20jähriger Direktorentätigkeit unter Protest sein Amt als Institutsdirektor nieder und starb als gebrochener Mann 1934 in Basel. Ein Jahr später veranstaltete die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gemeinsam mit der Deutschen Chemischen und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft im Harnack-Haus eine Gedenkveranstaltung zu Ehren Habers. Die Nationalsozialisten bestellten Präsident Planck ins Ministerium. Minister Rust traute sich jedoch nicht, die Veranstaltung zu verbieten, untersagte aber allen Professoren und Beamten die Teilnahme. An ihrer Stelle erschienen deren Ehefrauen, ausländische Diplomaten, Journalisten und Fördernde Mitglieder der Gesellschaft. mehr
1937 wählte der Senat Carl Bosch zum neuen Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Bosch war Nobelpreisträger für Chemie und Vorstandsvorsitzender der IG Farben, die die NSDAP seit 1932 finanziert hatte, und folgte Max Planck, der auch aus Altersgründen nicht mehr zur Wiederwahl antrat. Ausgetauscht wurde auch der Generalsekretär Friedrich Glum. Er wurde mit 46 Jahren in den Ruhestand versetzt, um Ernst Telschow Platz zu machen, der das Vertrauen der NSDAP genoss. Parallel beschloss der Senat nach einer vom Ministerium vorbereiteten Satzung, auch in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft das „Führerprinzip“ einzuführen. Außerdem räumte die neue Satzung dem zuständigen Reichsminister umfassende Eingriffsrechte ein. Die Vorgaben des NS-Staates waren nun auch in der KWG umgesetzt. Bosch sollte das Amt jedoch nur kurz ausfüllen. Er kritisierte Hitlers Judenpolitik, litt zunehmend an Depressionen und zog sich nach Kriegsausbruch mehr und mehr aus dem Präsidentenamt zurück und starb 1940. mehr
Ohne gültigen Reisepass, nur mit leichtem Handgepäck gelang Lise Meitner am 13. Juli 1938 die Flucht aus Deutschland. Die Wienerin stammte aus einer jüdischen Familie und war als Ausländerin in den ersten Jahren des „Dritten Reichs“ zunächst nicht von den antisemitischen Gesetzen betroffen. Das änderte sich im März 1938 mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich. Meitners Flucht beendete eine fast dreißigjährige, fruchtbare wissenschaftliche Zusammenarbeit. Zusammen mit dem Radiochemiker Otto Hahn hatte Meitner Pionierarbeit auf dem Gebiet der Strahlungsmessung geleistet und seit 1913 mit Hahn gemeinsam die Abteilung für Radioaktivitätsforschung im KWI für Chemie geleitet. 1918 hatte sie dort eine eigene radiophysikalische Abteilung aufgebaut. Wenige Monate nach Meitners Flucht entdeckten Hahn und Fritz Straßmann die Kernspaltung und berichteten Meitner darüber. Gemeinsam mit ihrem Neffen entwickelte die Physikerin daraufhin die theoretische Begründung. Der Nobelpreis für diese Entdeckung ging später jedoch nur an Otto Hahn. mehr
Mit dem Überfall auf Polen durch die deutsche Wehrmacht begann im September 1939 der Zweite Weltkrieg. Doch schon zuvor hatte jene Forschung von finanziellen Förderungen profitiert, die im Sinne der militärstrategischen und ideologischen Interessen des NS-Staats stand. Rüstungsforscher, Biologen und Mediziner hatten vom ideologischen Programm der Diktatur profitiert: In Göttingen war die Aerodynamische Versuchsanstalt zu einem frühen Großforschungsbetrieb gewachsen. Wissenschaftler experimentierten hier mit Wasser- und Windkanälen, um das Flug- und Strömungsverhalten für den Flugzeugbau und für die Konstruktion von Torpedos zu erforschen. Das Heereswaffenamt übernahm 1940 große Teile des KWI für Physik. Von den Eroberungen der Wehrmacht in Osteuropa profitierte vor allem die agrarwissenschaftliche Forschung, die Hitlers Pläne für neuen „Lebensraum im Osten“ praktisch zuarbeiten sollte. Seit 1943 bezog Otmar von Verschuer über Josef Mengele Präparate aus dem Vernichtungslager Auschwitz für das KWI für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik. Das KWI für Hirnforschung in Berlin untersuchte von 1940 bis 1945 rund 700 Hirne, die von Opfern des gleichzeitig stattfindenden Euthanasiemordes an psychisch Kranken und geistig Behinderten stammten. mehr
Reichsminister Rust ernannte 1941 nach diversen Ränkespielen den Stahlindustriellen Albert Vögler zum Präsidenten. Als Vorstandsvorsitzender der Vereinigen Stahlwerke, lenkte Vögler einen der weltweit führenden Konzerne der Montanindustrie. Die NSDAP hatte er in dieser Eigenschaft bereits 1932 finanziell großzügig unterstützt. Der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft war er als Senator, Schatzmeister und Mitglied des Verwaltungsausschusses seit langem eng verbunden. Vögler setzte seine exzellenten politischen Kontakte zur Führungsriege des NS-Staats zugunsten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ein. mehr
Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in die Sowjetunion 1941 und dem Kriegsverlauf im Sommer 1942 trat der Krieg in eine neue Phase. Rüstungsminister Speer suchte deshalb nach neuen Waffen und trat in Kontakt mit den Atomphysikern des KWI für Physik. Bei der entscheidenden Arbeitssitzung im Juni 1942 äußerte sich der Leiter des deutschen Atomprojekts Werner Heisenberg jedoch skeptisch gegenüber den Militärs. Die Idee einer deutschen Atombombe wurde daraufhin aufgegeben. mehr
Ab 1943 gerieten die deutschen Truppen zunehmend in Bedrängnis, und Fliegerangriffe auf die Städte nahmen zu. Die sich verschärfende Kriegslage wurde auch in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft spürbar. 1943 wurden fast alle Institute wegen der Bombengefahr aus Berlin verlagert. Sie fanden im Westen und Südwesten Deutschlands provisorische Unterkünfte. Das KWI für Physik zog nach Hechingen und Haigerloch; das KWI für Biochemie nach Tübingen. Nach einem schweren Bombenangriff auf das Berliner Schloss verlagerte auch die Generalverwaltung ihr Quartier nach Göttingen. Bombenschäden und Verlust von Mitarbeitern schränkten die Forschung weiter ein. mehr
Im April 1945 beging KWG-Präsident Vögler angesichts der nahenden amerikanischen Truppen und des Zusammenbruchs des „Dritten Reichs“ Suizid. Die Krise der Leitung spiegelte den allgemeinen Zerfall der KWG bei Kriegsende: Durch den Kriegsverlauf waren viele Kaiser-Wilhelm-Institute in Osteuropa verloren gegangen. Die heranrückenden Armeen der Alliierten besetzten einzelne Institute, die noch an ihren ursprünglichen Standorten verblieben waren. Andere waren zerstört, teilzerstört, provisorisch verlagert und personell dezimiert. Trotz der chaotischen Zustände versuchten die wenigen verbliebenen Mitarbeiter die Arbeit aufrecht zu erhalten. Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 begannen die Siegermächte, das deutsche Forschungssystem neu zu ordnen. mehr
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