Afrika

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Neue Perspektiven für die Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern

Die Max-Planck-Gesellschaft hat eine Afrika-Initiative gestartet. Sie soll der Abwanderung der besten Köpfe Afrikas ins Ausland entgegenwirken und Forschungseinrichtungen vor Ort stärken. Gleichzeitig möchte Max-Planck durch eine Kooperation auf Augenhöhe dazu beitragen, wissenschaftliche Potenziale auf beiden Seiten besser auszuschöpfen und dem wissenschaftlichen Nachwuchs Afrikas neue Perspektiven zu eröffnen. In einem sehr dynamischen Prozess werden hierfür derzeit Programme entwickelt, die Schritt für Schritt umgesetzt werden sollen. Dazu gehören ein Mentoringprogramm für die Studierenden und Promovierenden Afrikas, virtuelle Vorlesungsreihen, Mobility Grants, aber natürlich auch die Intensivierung von Forschungskooperationen seitens der Max-Planck-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler.

Thematisch gesehen bildet die Astronomie einen der Schwerpunkte in der Zusammenarbeit Max-Plancks mit afrikanischen Partnereinrichtungen. Optimale geografische Bedingungen auf der Südhalbkugel erlauben den Betrieb von Hochleistungsteleskopen. Ein weiterer Anknüpfungspunkt ist durch die einzigartige biologische Diversität der Länder Afrikas gegeben. Das besondere Interesse von Forschenden der Max-Planck-Gesellschaft gilt in diesem Zusammenhang der Insektenkunde. Es geht aber auch darum, Tierbewegungen zu verfolgen, zum Beispiel mit solarbetriebenen GPS-Sendern im Krüger Nationalpark. In der Biomedizin schließlich kooperieren von der Max-Planck-Gesellschaft finanzierte Gruppen auf dem Gebiet der HIV/TBC-Forschung mit dem Africa Health Research Institute in Durban. 

Hochenergetische Forschung in Namibia

Blick ins All: Die fünf H.E.S.S. Teleskope sind riesig und befinden sich im Khomas Hochland in Namibia.

Das Max-Planck-Institut für Kernphysik (Heidelberg) beteiligt sich federführend an dem Projekt H.E.S.S. Die Abkürzung steht für „High Energy Stereoscopic System“. Gleichzeitig wird mit dem Akronym der österreichische Entdecker der Gamma-Strahlen, Victor Franz Hess (1883–1964), geehrt. H.E.S.S. ist ein Teleskopsystem, mit dem in Namibia hochenergetische kosmische Gammastrahlung analysiert wird. 2003 in Betrieb genommen, konnte das System bereits die Milchstraße durchmustern und die Zahl bekannter Strahlungsquellen im TeV Energiebereich verzehnfachen. Rund 260 Forscherinnen und Forscher von vierzig wissenschaftlichen Instituten aus 13 Ländern, darunter auch Namibia, sind an dem H.E.S.S.-Projekt auf Farm Göllschau beteiligt.

Eines der ambitioniertesten wissenschaftlichen Projekte in Südafrika

Darstellung der zukünftigen SKA-Parabolspiegel in Verbindung mit den bereits existierenden Antennen des Vorläuferteleskops MeerKAT in Südafrika.

Einen besonderen Forschungsschwerpunkt stellt das Square Kilometre Array (SKA) dar. Es gilt als eines der ambitioniertesten wissenschaftlichen Projekte des 21. Jahrhunderts. Rund 20 Länder sind an der Konzeption dieses Radioteleskops mit einer Sammelfläche von einem Quadratkilometer für Frequenzen von 70 MHz bis mindestens 10 GHz beteiligt. Innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft besteht ein nachhaltiges wissenschaftliches Interesse an einem Engagement im Projekt SKA, vor allem bei den Max-Planck-Instituten für Radioastronomie (Bonn), für Astrophysik (Garching) und für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut, Golm und Hannover). Das SKA-Teleskop wird an Standorten in Australien (SKA-LOW) und in Südafrika (SKA-MID) errichtet. Der Standort in Südafrika wird sich aus insgesamt 197 einzelnen Parabolspiegeln von jeweils 15 Metern Durchmesser in der Karoo-Halbwüste in der Nähe von Kapstadt zusammensetzen. Bereits 64 dieser Antennen werden derzeit vom South African Radio Astronomy Observatory (SARAO) unter dem Namen MeerKAT betrieben. Die Max-Planck-Gesellschaft ist mit den Partnern SARAO (Südafrika) und INAF (Italien) am Erweiterungsprojekt MeerKAT+ beteiligt, das später in das SKA integriert werden soll.

Chancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs 

Ein Mentoringprogramm soll Studierenden und Promovierenden aus afrikanischen Ländern für zunächst zwei Jahre junge Ansprechpartner aus der Max-Planck-Gesellschaft als Mentoren zur Seite stellen. Die Aufgabe der PhD Students oder Postdocs aus einem der Max-Planck-Institute wird es sein, ihre Forschungskolleginnen und -kollegen in allen wissenschaftlichen Belangen zu beraten. Damit möchte Max-Planck der Abwanderung wissenschaftlicher Nachwuchskräfte aus Afrika entgegenwirken und sich als langfristiger Kooperationspartner erweisen.

Darüber hinaus entwickelt die Max-Planck-Gesellschaft virtuelle Vorlesungsreihen aus den Reihen ihrer Nachwuchskräfte, aber auch von Direktorinnen und Direktoren für afrikanische Studierende. Diese sollen dazu beitragen, junge Forschende in Afrika zumindest etwas zu entlasten von ihren vielfältigen Aufgaben in der Lehre.

Ein weiteres Instrument, das es wissenschaftlichen Nachwuchskräften aus Afrika erleichtern soll, international zu kooperieren und Erfahrungen zu sammeln, sind die Max Planck Mobility Grants. Es ist geplant, dass sie jungen afrikanischen Forschenden die Möglichkeit geben, sich für mindestens einen Monat pro Jahr an einem gastgebenden Max-Planck-Institut aufzuhalten und solchermaßen „einzutauchen“ in ein gemeinsames Forschungsfeld.

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