Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft

Max-Planck-Gesellschaft und Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft

Die Max-Planck-Gesellschaft wurde 1948 in Göttingen gegründet mit dem Auftrag Grundlagenforschung in eigenen Instituten zu fördern. Die Neugründung unter dem Namen des international bekannten Physik-Nobelpreisträgers Max Planck stand im Zeichen des demokratischen Neuanfangs Deutschlands nach dem Ende des Nationalsozialismus. Die Max-Planck-Gesellschaft trat die Nachfolge der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) an, die auf Wunsch der West-Alliierten aufgelöst wurde.

Bis 1960 wurden die nach dem Krieg noch vorhandenen Institute und das Vermögen der KWG sukzessive in die MPG übertragen und parallel die Forschung wieder aufgebaut. In dieser Zeit existierten Max-Planck-Gesellschaft und Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft parallel nebeneinander. Gleichzeitig begann die MPG sich von der KWG zu emanzipieren: Sie gründete neue Institute und entwickelte innerhalb des gesellschaftspolitischen Rahmens der Bundesrepublik Deutschland ein eigenes Leitbild. Im Bewusstsein der Mitglieder, die zumeist die KWG selbst miterlebt hatten, war die Vorgängereinrichtung aber noch lange präsent. Man sah sich in einer direkten Kontinuitätslinie und pflegte die Traditionen der KWG weiter. Eine kritische Reflexion der eigenen Vergangenheit, vor allem im Nationalsozialismus, fand erst seit den 1990er Jahren statt. 

Die dezentrale Struktur der MPG und die Dynamik, die die Gesellschaft insgesamt auszeichnet, sorgten aber dafür, dass viele Kontinuitätslinien zur Vorgängereinrichtung de facto abbrachen und die MPG ein eigenes Selbstverständnis aufbaute. Heute haben nur noch 22 von 83 Instituten historische Wurzeln in der KWG; lediglich neun befinden sich an ihren historischen Standorten. Für das Selbstverständnis der MPG wuchs deshalb die Bedeutung des Gründungsdatums 1948, das im Rahmen des demokratischen Neuanfangs Deutschlands steht, und des Namengebers Max Planck. Dessen wissenschaftliche Überzeugung, dass dem Anwenden das Erkennen voraus gehen muss, bestimmt seit Ende der 1990er Jahre das Leitbild der Max-Planck-Gesellschaft. Ungleich stärker als die KWG konzentriert die MPG sich auf die Grundlagenforschung, was durch die ungleich umfangreichere finanzielle Förderung durch die öffentliche Hand gelingt.

Dennoch sind einige elementare Prinzipien aus der Gründungszeit, die auf den ersten Präsidenten der KWG Adolf von Harnack zurückgehen, bis heute in der MPG gültig. Dazu gehören das Harnack-Prinzip, die Förderung herausragender wissenschaftlicher Exzellenz und der Auftrag, Forschung durch den Betrieb eigener Institute zu fördern.

 
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