Die Skyline von Puerto Madero in Buenos Aires ©123RF/spectral

Kooperation mit Lateinamerika

Wie überall auf der Welt nimmt auch in Lateinamerika der Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit dem Ausland zu, vielfältige neue Kooperationen werden angestrebt. So gibt es heute bereits viele gemeinsame Forschungsprojekte mit Max-Planck-Instituten; in Argentinien, Brasilien, Chile, Peru und Uruguay wurden eine Reihe von Max-Planck-Partnergruppen eingerichtet, in Kolumbien und Chile sind Max-Planck-Tandemgruppen im Aufbau.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts vollziehen sich tiefgreifende Transformationen in den Ländern Lateinamerikas. Eine eigene Basis für Wissenschaft, Technologie und Innovation zu schaffen, wird zum Ziel vieler Regierungen. Der Staat beginnt, mehr in Bildung und Forschung zu investieren. Parallel dazu steigt in vielen Max-Planck-Instituten die Zahl von Wissenschaftlern aus Lateinamerika stetig an. So hielten sich 2015 bereits mehr als 500 Gastforscher, Doktoranden und Postdocs aus Lateinamerika als Gäste an Max-Planck-Instituten auf. 

Buenos Aires als Tor nach Lateinamerika

Gerade in den wirtschaftlich starken Ländern der Region besteht heute ein ausgeprägtes Interesse an der Max-Planck-Gesellschaft, an ihren Instituten und an ihrem institutionellen Know-how für den Aufbau und Betrieb weltweit führender Forschungsstätten. Mit Argentinien hat die MPG bereits modellhaft Instrumente erfolgreicher Kooperationen installiert: von den Partnergruppen bis hin zum ersten Partnerinstitut in Lateinamerika, dem CONICET-Max-Planck-Partnerinstitut für biomedizinische Forschung in Buenos Aires, und dem Max Planck Laboratorium in Rosario.

Diese positive Entwicklung wird seit September 2013 durch eine Repräsentanz der Max-Planck-Gesellschaft für Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires flankiert. Aufgabe dieses Büros ist es, die Beziehungen zu Partnerorganisationen, Forschungsinstituten und Universitäten in wichtigen Ländern der Region zu pflegen und weiter auszubauen (auf Facebook folgen).

Wurzeln der Kooperation mit Lateinamerika

Die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Max-Planck-Forschern und Wissenschaftlern in den Ländern Lateinamerikas hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten schrittweise entwickelt. So war es in den 50er und 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts vor allem seine besondere geografische, biologische und gesellschaftliche Diversität, die den Subkontinent in das Interesse der Forschung rückte. Zwei Jahrzehnte, von 1965 bis 1985, dominierten Militärdiktaturen die gesellschaftliche Entwicklung Lateinamerikas – zwischen Binnenorientierung und Auslandsverschuldung war wenig Platz für internationale Wissenschaftskooperation.

Erst in den 1980er-Jahren setzte mit dem Übergang zur Demokratie und der beschleunigten weltweiten Globalisierung eine neue Diskussion über die Rolle von Wissenschaft und Technik für die Entwicklung der lateinamerikanischen Länder ein. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts sind Bildung, Forschung und Entwicklung sowie Innovation wichtige Stichworte in der politischen Auseinandersetzung über die Zukunft des Subkontinents in einer globalisierten Welt.

Besondere Forschungsbedingungen

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Das APEX-Teleskop in Chile bei Sonnenuntergang.
Das APEX-Teleskop in Chile bei Sonnenuntergang.

Die Länder Lateinamerikas zeichnen sich aus durch besondere geografische Bedingungen, eine einzigartige biologische Diversität und eine ausgesprochene kulturelle Vielfalt. Mit dem Amazonasgebiet verfügt Südamerika über den größten noch vorhandenen Tropenwald der Erde. In Manaus, Brasilien, entstand bereits in den 1960er-Jahren zusammen mit dem dortigen National Institute of Amazonian Research (INPA) eine Forschungsstation für Tropenökologie des damaligen Max-Planck-Instituts für Limnologie in Plön (heute: MPI für Evolutionsbiologie). Mittlerweile befindet sich bei Manaus das Amazonian Tall Tower Observatory (ATTO), an dem Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz beteiligt sind. Mit einem 300 Meter hohen Messturm wird dort Atmosphärenforschung betrieben.

Umgekehrt laden die Hochebenen und Wüsten der Anden dazu ein, dort Hochleistungsteleskope zu installieren, die besonders klaren Himmel und trockene Luft bevorzugen. So startete in den 1990er-Jahren der Aufbau verschiedener Großteleskope (VLT, VLTBI, u.a.) der Europäischen Südsternwarte (ESO) auf dem Paranal in Chile. Das Atacama Pathfinder Experiment (APEX), das unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie 2003 auf der Chajnandor-Ebene in der chilenischen Atacama-Wüste installiert wurde, ist ein wichtiger technologischer Protoptyp für das ALMA-Großteleskop, das 2013 in Betrieb ging. Die weiten Ebenen Argentiniens sind wiederum besonders geeignet als Großlaboratorium etwa zur Untersuchung der kosmischen Strahlung, wie das Pierre-Auger-Observatorium, an dem unter anderem das MPI für Radioastronomie beteiligt ist.

Frühe Begegnungen mit lateinamerikanischen Forschern

Hinzu kommt, dass die Staaten Lateinamerikas in ihrer politischen und sozialen Vielfalt selbst einen eigenen Forschungsgegenstand darstellen, dem sich vor allem die international vergleichend arbeitenden rechtswissenschaftlichen Max-Planck-Institute bereits frühzeitig gestellt haben. Sie untersuchen Themen wie den Schutz der Menschenrechte, die Verfassungsgerichtsbarkeit, die Gestaltung der Wirtschaftsintegration oder die Entwicklung des Strafrechts in diesen Ländern.

Die ersten persönlichen Begegnungen zwischen Max-Planck-Instituten und Forschern in Lateinamerika waren eher sporadisch. So kam 1976 die argentinische Physikerin Dr. Silvia Braslavsky über die USA an das damalige Max-Planck-Institut für Strahlenchemie in Mülheim und wurde dort Gruppenleiterin. 1969 wurde mit Dr. Thomas Jovin erstmals ein in Lateinamerika geborener Wissenschaftler zum Direktor an einem Max-Planck-Institut berufen, an das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen. 1971 wurde der Spanier Manuel Cardona zum Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung in Stuttgart berufen. Cardona engagierte sich von Beginn an weit über sein Heimatland hinaus für die Entwicklung der Materialwissenschaften gerade auch in Lateinamerika.

Ein Pionier der Forschungskooperation mit Argentinien ist Prof. Florian Holsboer, emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München. Das Institut unterhält seit über 20 Jahren Beziehungen zu dortigen Wissenschaftlern, und spielte eine wesentliche Rolle bei der Etablierung des CONICET-Max-Planck-Partnerinstituts für biomedizinische Forschung in Buenos Aires.

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