Kooperation mit Israel

Als weltweit führende Wissenschafts- und Forschungsnation verfügt Israel, etwa so groß wie das Bundesland Hessen, über sieben Universitäten und eine Reihe von staatlichen Forschungseinrichtungen. Mit etlichen dieser Institutionen bestehen Kooperationen mit Instituten der Max-Planck-Gesellschaft.

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Austausch in Jerusalem: Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, mit Menachem Ben Sasson, Präsident der Hebräischen Universität Jerusalem, und dem Wissenschaftler Oded Aharonson im Jahr 2012 (v.l.).
Austausch in Jerusalem: Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, mit Menachem Ben Sasson, Präsident der Hebräischen Universität Jerusalem, und dem Wissenschaftler Oded Aharonson im Jahr 2012 (v.l.).

Zentraler Partner ist dabei das Weizmann Institute of Science (WIS). Zu dieser Forschungseinrichtung in Rehovot, etwa 20 Kilometer südlich von Tel Aviv, hat die Max-Planck-Gesellschaft nicht nur eine besondere historische Beziehung, sondern ist auch wegen der gemeinsamen Ausrichtung auf die Grundlagenforschung eng mit ihr verbunden.

Doch auch die Hebräische Universität in Jerusalem, die Tel Aviv Universität und das Technion in Haifa sind Partner in den Kooperationen mit Max-Planck Instituten. Im Jahr 2013 meldeten die Max-Planck-Institute mehr als 90 Kooperationen mit israelischen Partnern – ob in den Natur- oder in den Geisteswissenschaften. Viele der Kooperationen sind EU-geförderte Projekte, in denen große internationale Konsortien zusammenarbeiten.

In Israel bestehen zwei der weltweit insgesamt 14 internationalen Max Planck Center. Seit 2012 forschen über das Max-Planck Hebrew University Center for Sensory Processing of the Brain in Action Neurowissenschaftler um Max-Planck-Direktor Tobias Bonhoeffer und Idan Segev von der Hebräischen Universität Jerusalem. Ein weiteres Max Planck Center arbeitet auf dem Gebiet der Anthropologie/Archaeologie mit dem Weizmann Institut. Hier sind Jean-Jaques Hublin, Direktor am MPI für evolutionäre Anthropologie, und Steve Weiner vom WIS die leitenden Forschungspartner.

Anfang 2014 wurde zudem mit der finanziellen Unterstützung der Max-Planck-Förderstiftung das Max Planck – Weizmann Laboratory for Experimental Neuropsychiatry and Behavioral Neurogenetics in Kooperation mit dem Weizmann Institut eingeweiht. Hier arbeiten Alon Chen, Direktor am MPI für Psychiatrie, und Roni Paz vom WIS zusammen.

 Grundstein für eine besondere Zusammenarbeit

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Auf dem Flughafen in Zürich: Die Delegation der Max-Planck-Gesellschaft vor ihrem Abflug nach Israel zu einem ersten Besuch des Weizmann Instituts in Rehovot im Dezember 1959. Von links nach rechts: Prof. Feodor Lynen, Prof. Wolfgang Gentner, Frau Alice Gentner, Prof. Otto Hahn und Dr. Josef Cohn vom Europäischen Komitee des Weizmann Instituts in Zürich, der durch ein Gespräch mit Konrad Adenauer die Grundlagen dieses Besuchs vorbereitet hatte und dann zum Chefarchitekten der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Israel und der Bundesrepublik wurde.
Auf dem Flughafen in Zürich: Die Delegation der Max-Planck-Gesellschaft vor ihrem Abflug nach Israel zu einem ersten Besuch des Weizmann Instituts in Rehovot im Dezember 1959. Von links nach rechts: Prof. Feodor Lynen, Prof. Wolfgang Gentner, Frau Alice Gentner, Prof. Otto Hahn und Dr. Josef Cohn vom Europäischen Komitee des Weizmann Instituts in Zürich, der durch ein Gespräch mit Konrad Adenauer die Grundlagen dieses Besuchs vorbereitet hatte und dann zum Chefarchitekten der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Israel und der Bundesrepublik wurde.

Die Anfänge der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Israel liegen Ende der 1950er Jahre. „Fühlungnahme“ nannte Otto Hahn, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, seinerzeit die Versuche deutscher und israelischer Forscher nach dem Holocaust, zumindest im wissenschaftlichen Bereich wieder eine gemeinsame Basis zu finden. Zusammen mit Feodor Lynen und Wolfgang Gentner folgte er 1959 einer offiziellen Einladung an das Weizmann-Institut in Rehovot. Bereits zwei Jahre später kam der erste deutsche Max-Planck-Wissenschaftler zu einem Forschungsaufenthalt nach Israel. 1964 formalisierten die beiden Institutionen ihre Zusammenarbeit mit dem Abschluss des ersten Kooperationsvertrags. Israelische Wissenschaftler waren erstmals 1967 an Max-Planck-Instituten zu Gast.

Die Versuche sich anzunähern, fielen in eine Zeit, in der sich Deutschland und Israel nach den Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus schwer taten, Kontakte auf breiter Ebene zu knüpfen. Die Wissenschaft konnte die Annäherung leichter wagen, denn gerade die Grundlagenforschung, die den Prinzipien der Natur auf den Grund geht, gab jenseits aller Brüche ein Thema vor, das beiden Seiten gleichermaßen ein Anliegen war. So trug die Wissenschaft dazu bei, eine Tragödie zu bewältigen, die das israelische und das deutsche Volk unüberwindlich zu trennen schienen. Bundeskanzler Willy Brandt würdigte diese Tatsache 1973 bei seinem Besuch am Weizmann-Institut mit den Worten: „Wir fingen wieder an, wie andere Völker zu sein, als Professoren nicht nur aus Amerika und Russland, nicht nur aus Frankreich und Polen, sondern auch aus Ihrem Land zu uns kamen, um mit uns zusammen zu arbeiten."

Minerva-Stiftung als Flaggschiff der Kooperation

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Feier der fünfzigjährigen Wissenschaftskooperation zwischen MPG und Weizmann-Institut in Berlin: die beiden Präsidenten, Peter Gruss und Daniel Zajfman (3. v. li.), gemeinsam mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan und den Hausherren der Axel Springer AG: Giuseppe Vita (links), Friede Springer und Mathias Döpfner (rechts).
Feier der fünfzigjährigen Wissenschaftskooperation zwischen MPG und Weizmann-Institut in Berlin: die beiden Präsidenten, Peter Gruss und Daniel Zajfman (3. v. li.), gemeinsam mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan und den Hausherren der Axel Springer AG: Giuseppe Vita (links), Friede Springer und Mathias Döpfner (rechts).

Die in den sechziger Jahren als Tochtergesellschaft der Max-Planck-Gesellschaft gegründete Minerva-Stiftung ist heute ein Flaggschiff der deutsch-israelischen Wissenschaftskooperationen. Sie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert und arbeitet eng mit bedeutenden Universitäten und Forschungseinrichtungen in Israel zusammen. So finanziert die Stiftung beispielsweise aktuell mehr als 20 Minerva-Forschungszentren an israelischen Universitäten. Neben der Vergabe von Stipendien an Forscher aus Israel wie Deutschland zum Aufenthalt im jeweils anderen Land, der Ausrichtung von Symposien zur Entwicklung neuer Themen für künftige, gemeinsame Projekte und der Vergabe des ARCHES-Preises an junge Forscher beider Seiten gehört das Minerva-Weizmann-Projektprogramm zum Portfolio der Stiftung. Damit werden bereits seit den sechziger Jahren Projekte am Weizmann Institute of Science gefördert. Die Regeln der Qualitätssicherung sowie der wettbewerbsorientierten Auswahl von Projekten und Forschungszentren, wie sie die Max-Planck-Gesellschaft vertritt, werden auch in den Minerva-Programmen umgesetzt.