Forschungsförderung mit Köpfchen

Max-Planck gratuliert European Research Council zum Jubiläum

Der European Research Council (ERC) fördert seit zehn Jahren Exzellenz in der Wissenschaft. Eben weil die Grants wissenschaftsgeleitet im Wettbewerb um die beste Ideen vergeben werden, gelten sie als echte Referenz in den Lebensläufen der geförderten Forscherinnen und Forscher. Zum Jubiläum gratulierte auch Max-Planck-Präsident Martin Stratmann. Beim Festsymposium in Brüssel war Max-Planck-Direktor Peter H. Seeberger als einer der Referenten geladen.

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Der ERC rückt den Wissenschaftler und seine Idee ins Zentrum - allein in Deutschland konnten so bereits mehr als 1000 Spitzenforscher unterstützt werden.
Der ERC rückt den Wissenschaftler und seine Idee ins Zentrum - allein in Deutschland konnten so bereits mehr als 1000 Spitzenforscher unterstützt werden.

Der European Research Council existiert seit 2007 und ist die erste europaweit agierende Förderorganisation für Grundlagenforschung. Die Agentur hat, geleitet vom Scientific Council, in ihren Förderlinien (siehe rechts) seit der Gründung mehr als 6.500 Projekte finanziert, ausgewählt wurden diese aus mehr als 62.000 Anträgen. Eine Erfolgsquote von etwa zehn Prozent zeigt dabei, wie groß der Wettbewerb ist. „Die Idee ist das Entscheidende“, so bringt der Medizin-Nobelträger Erwin Neher, einer der Wegbereiter des ERC, das Grundprinzip auf den Punkt. Die beste Idee, ermittelt im wettbewerblichen Gutachterverfahren nach Exzellenzkriterien, werde zum Türöffner für neue Erkenntnisse – und Wissenschaftskarrieren. Dieser  Grundgedanke, so erinnert sich Neher, Vertreter der Max-Planck-Gesellschaft bei den jahrelangen Beratungen im Vorfeld der Gründung 2007, habe damals gegen das klassische Muster der EU-Förderung gestanden, die gesetzte Schwerpunkte bearbeiten sollte. Daran festzuhalten, hätte bedeutet „Forschung so durchzuführen, wie wenn ein Bauunternehmen darangeht, eine Brücke in Spanien zu bauen“, sagt Neher nun im Interview.

Da es anders kam, konnten allein in Deutschland bereits mehr als 1000 Spitzenforscher mit über 1,9 Milliarden Euro unterstützt werden, schreibt der ERC in einer aktuellen Mitteilung. Michael Kramer, Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und aktuell Mitglied des Scientific Council des ERC, erklärt: „Als der ERC 2007 gegründet wurde, nannte Bundeskanzlerin Merkel ihn die Champions' League der europäischen Forschung. Zehn Jahre später haben wir in Deutschland Tausende solcher Champions. Dies bedeutet tausend innovative Ideen, die von der Europäischen Union gefördert werden.“

Erfolgreichste deutsche Forschungseinrichtung

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ist bei den Calls des ERC regelmäßig überdurchschnittlich erfolgreich. So warben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ihren Reihen seit der Gründung mehr als 180 ERC-Förderungen ein. Damit ist die MPG erfolgreichste deutsche Forschungseinrichtung. Da von der Vergabe der ERC-Grants aktuell vor allem forschungsstarke Mitgliedstaaten in West-  oder Nordeuropa profitieren, setzt sich die Max-Planck-Gesellschaft auch dafür ein, Förderinstrumente weiterzuentwickeln, die die Bedingungen für exzellente Wissenschaft auch in Ost- und Südeuropa verbessern. So lieferte die MPG wesentliche Impulse zur Einführung der Förderlinie zu „Teaming Excellence“.  

Max-Planck-Direktor beim Festsymposium

Die offizielle Jubiläumsfeier des European Research Council am 21. März in Brüssel fand ebenfalls mit Max-Planck-Beteiligung statt. So war bei der wissenschaftlichen Konferenz mit Höhepunkten aus zehn Jahren ERC-Förderung Peter Seeberger als einer der Referenten geladen. Der Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam thematisierte die Wissenschaft hinter der von ihm mit der Max-Planck-Gesellschaft ausgegründeten Vaxxilon AG. Das im Rahmen der „Falling-Walls“-Konferenz in Berlin als „Science Start-up of the year 2016“ ausgezeichnete Unternehmen entwickelt Impfstoffe auf Kohlenhydrat-Basis. Impfungen gegen bakterielle Infektionen sollen mit diesem Ansatz in Zukunft billiger werden und so auch für ärmere Länder erschwinglich.

JE

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