Das Unternehmen Impfstoffe

Die Max-Planck-Gesellschaft und Actelion gründen das Start-up-Unternehmen Vaxxilon, um Kohlenhydrat-basierte Impfstoffe zu kommerzialisieren

26. Juni 2015

Zucker macht eine Impfung nicht nur süß. Manche Impfstoffe verdanken Kohlenhydraten, zu denen Zucker gehören, auch ihre Wirkung. Solche Impfstoffe auf Kohlenhydrat-Basis wird das Unternehmen Vaxxilon, das die Max-Planck-Gesellschaft gemeinsam mit der Schweizer Actelion Ltd gründet, erforschen, entwickeln und vermarkten. Die synthetischen Impfstoffe sollen in erster Linie gegen bakterielle Infektionen schützen. Für ihre Kommerzialisierung hat Vaxxilon die exklusiven Rechte für verschiedene präklinische Impfstoffkandidaten und Methoden von der Max-Planck-Innovation GmbH, dem Technologietransfer-Unternehmen der Max-Planck-Gesellschaft, erworben. Die wissenschaftliche Grundlage für das Geschäftsmodell von Vaxxilon legten Wissenschaftler um Peter Seeberger, Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam-Golm.

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Zucker für Impfstoffe: Peter Seeberger, Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, und seine Mitarbeiter erforschen die Chemie und Biologie von Kohlenhydraten und schaffen damit die Basis für die Entwicklung neuer Impfstoffe. Diese auf den Markt zu bringen, ist Ziel von Vaxxilon, das die Max-Planck-Gesellschaft und die Actelion Ltd. Gegründet haben.
Zucker für Impfstoffe: Peter Seeberger, Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, und seine Mitarbeiter erforschen die Chemie und Biologie von Kohlenhydraten und schaffen damit die Basis für die Entwicklung neuer Impfstoffe. Diese auf den Markt zu bringen, ist Ziel von Vaxxilon, das die Max-Planck-Gesellschaft und die Actelion Ltd. Gegründet haben.

Gegen viele bakterielle Infektionen gibt es bisher kein probates Mittel. In Entwicklungsländern etwa können sich Menschen Antibiotika nicht leisten, wenn sie überhaupt eine Chance haben, an sie zu gelangen. Aber auch in Industrienationen suchen Mediziner fieberhaft nach neuen Ansätzen, um Bakterien zu bekämpfen. Denn manche Bakterien sind gegen alle oder fast alle Antibiotika resistent geworden – und die Situation verschärft sich zusehends. Vaxxilon könnte dazu beitragen, die Lücken im Arsenal gegen die Mikroben zu schließen. Die Grundlagen dafür hat die Gruppe von Peter Seeberger am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung mit ihrer Forschung zu komplett synthetischen, Kohlenhydrat-basierten Impfstoffen geschaffen.

„Diese neue Klasse von Impfstoffen lässt sich schneller und günstiger herstellen und bietet darüber hinaus weitere Vorteile in der Verteilung und Verabreichung, die den weltweiten Zugang zu Impfstoffen verbessern können”, sagt der Max-Planck-Direktor. Bisher werden die Impfstoffe auf der Basis vom Mehrfachzuckern aus Bakterienkulturen isoliert. Mit der synthetischen Methode von Peter Seeberger lassen sich auch Impfstoffe gegen Bakterien herstellen, die nicht gezüchtet oder deren Zucker nicht isoliert werden können. 

Vaxxilon soll dieses Potenzial ausschöpfen. „Die Arbeit des Teams von Professor Seeberger hat uns beeindruckt“, sagt Jean-Paul Clozel, Geschäftsführer und CEO von Actelion. „Deshalb bin ich sehr froh, dass Actelion dazu beitragen kann, die Forschungsergebnisse in prophylaktische und therapeutische Optionen umzusetzen.“ Mit einer Finanzierungszusage von bis zu 30 Millionen Euro, die in einem Zeitraum von drei bis vier Jahren in mehreren Tranchen fließen sollen, wird Actelion Hauptinvestor und Hauptgesellschafter von Vaxxilon. „Dieses Investitionsprojekt steht für einen innovativen Weg, Synergien zwischen Forschung und Industrie zu nutzen“, sagt Jean-Paul Clozel. „Mit Vaxxilon schaffen wir die Möglichkeit, synthetische Kohlenhydratimpfstoffe innerhalb eines Jahrzehnts auf den Markt zu bringen.“

Erste klinische Studie in den kommenden drei Jahren

Peter Seebergers Team hat präklinische Kandidaten für Impfstoffe gegen diverse bakterielle Infektionen erforscht und entwickelt. Eine entscheidende Methode für die Entwicklung und Produktion neuer Impfstoffe ist zudem aus einer gemeinsamen Arbeit von Peter Seeberger und Gennaro de Libero, Medizinprofessor am Universitätsspital Basel, hervorgegangen. „Ich bin sehr stolz darauf, dass die Forschung und technische Entwicklung, die wir in der Max-Plank-Gesellschaft gemeinsam mit meinem Kollegen Gennaro de Libero vom Universitätsspital Basel verfolgt haben, bei Vaxxilon jetzt weiter vorangetrieben wird“, sagt Peter Seeberger. „Ich bin davon überzeugt, dass die neuen Impfstoffe dank der Agilität und Flexibilität eines kleinen Unternehmens in Kombination mit den Finanzmitteln von Actelion in die klinische Testphase eintreten können und den betroffenen Patienten schnell und effizient zur Verfügung stehen werden.“ Die ersten Studien am Menschen mit einem neuen Impfstoff plant Vaxxilon in den kommenden drei Jahren.

Die Leitung von Vaxxilon übernimmt Tom Monroe, der seit mehr als 15 Jahren mit wach-sender Verantwortung in verschiedenen Funktionen bei Actelion tätig ist. Vier versierte Chemiker aus dem Team von Peter Seeberger bilden das erste wissenschaftliche Team von Vaxxilon. Weitere erfahrene Mitarbeiter sollen ebenfalls bald eingestellt werden. Der Sitz von Vaxxilon, einer Schweizer Aktiengesellschaft, wird Reinach in der Schweiz sein. In Berlin wird eine Forschungseinrichtung für das Unternehmen entstehen.

Die Geschäfte des neuen Unternehmens wird ein Verwaltungsrat führen, der aus Vertretern von Actelion und der Max-Planck-Gesellschaft, darunter auch Peter Seeberger, sowie einem unabhängigen Mitglied besteht. David Stout, kürzlich in den Vorstand von Actelion gewählt und früherer President Pharmaceutical Operations bei GlaxoSmithKline, wird den Vorsitz übernehmen.

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Anmerkungen für Redaktionen:

Über synthetische Kohlenhydrat-Impfstoffe [1]

Heute verfügbare Kohlenhydrat-Konjugat-Impfstoffe werden aus Mehrfachzuckern (Polysacchariden) hergestellt, die aus Bakterien isoliert werden. Automatisierte Methoden, mit denen sich Kohlenhydrate schnell synthetisieren lassen, bringen die Entwicklung neuartiger Impfstoffe im Labor voran und beschleunigen die Erforschung effektiver Antigene. Diese Impfstoffe kombinieren ein synthetisches Oligosaccharid mit einem Glykolipid-CD1d-Liganden und könnten die Notwendigkeit eines Trägerproteins und einer Immunstimulans (Adjuvans) überflüssig machen.

1.       Marco Cavallari et al. A semisynthetic carbohydrate-lipid vaccine that protects against S. pneumoniae in mice. Nature Chemical Biology 10,950–956(2014). DOI: 10.1038/nchembio.1650

Über Vaxxilon

Die Vaxxilon AG ist auf die Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von neuartigen synthetischen Kohlenhydrat-basierten Impfstoffen, in erster Linie zum Schutz gegen bakterielle Infektionen, spezialisiert. Vaxxilon hält die Rechte für verschiedene präklinische Impfstoffkandidaten für Krankheitserreger, für die keine zugelassenen Impfstoffe zur Verfügung stehen oder für die die bestehenden Impfstoffe die medizinischen Anforderungen nicht erfüllen. Vaxxilon wurde 2015 von Actelion Ltd und der Max-Planck-Gesellschaft gegründet. Das Unternehmen basiert auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen und Innovationen der Professoren Peter Seeberger vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung und Gennaro de Libero vom Universitätsspital Basel. Weitere Informationen unter www.vaxxilon.com

Über Actelion Ltd.

Actelion Ltd. ist ein führendes biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von innovativen Medikamenten für seltene Krankheiten spezialisiert hat.

Actelion ist wegweisend auf dem Gebiet der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH). Sein PAH-Angebot umfasst Medikamente zur oralen, inhalierbaren und intravenösen Therapie der WHO-Funktionsklassen II bis IV und deckt damit das gesamte Behandlungsspektrum ab. Die Therapien von Actelion (wenn auch nicht in allen Ländern erhältlich) wurden von den Gesundheitsbehörden für zahlreiche spezielle Erkrankungen zugelassen, darunter Typ-1-Gaucher-Krankheit, Niemann-Pick-Krankheit Typ C, digitale Ulzerationen bei Patienten mit systemischer Sklerose und kutanes T-Zell-Lymphom vom Typ Mycosis fungoides.

Das Unternehmen wurde Ende 1997 gegründet und beschäftigt inzwischen über 2.400 Fachkräfte. Actelion ist in allen wichtigen Märkten der Welt präsent, darunter die USA, Japan, China, Russland und Mexiko. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Allschwil/Basel, Schweiz.

Actelion/PH