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Jens Eschert
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Grants für verschiedene Karrierestufen

Die Förderung des ERC deckt verschiedene Karrierestufen ab. So richten sich die Starting Grants an hochtalentierte Jungwissenschaftler nach der Promotion, die Consolidator Grants an Postdoktoranden mit bereits mehrjähriger Erfahrung. Dazu kommen die Advanced Grants, die für etablierte Top-Wissenschaftler vorgesehen sind. Während in der ersten Linie bis zu 1,5 Millionen Euro und in der zweiten bis zu zwei Millionen Euro als Förderung bereit stehen, erhält man bei einem Advanced-Grant bis zu 2,5 Millionen Euro. Über fünf Jahre wird dieses Geld jeweils gezahlt. Eine weitere Förderlinie sind die Synergy Grants, die maximal vier Principal Investigators und ihre Teams befähigen, ergänzende Fertigkeiten  zusammenführen, um Forschungsprobleme neuartig anzugehen.

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Die Förderung des ERC deckt verschiedene Karrierestufen ab und ermöglicht beispielsweise auch Projekte, bei denen sich mehrere Spezialisten zusammentun, um völlig neuen Fragen nachzugehen. Ob Internetsicherheit, die Erforschung des Wüstenklimas wie des Sozialverhaltens von Schimpansen oder neue Ansätze beim Proteindesign - hier geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einblick.

Teamwork für ein besseres Internet

Gerhard Weikum, Direktor am MPI für Informatik, hat mit drei weiteren Prinicipal Investigators einen Synergy Grant des ERC eingeworben. Bild vergrößern
Gerhard Weikum, Direktor am MPI für Informatik, hat mit drei weiteren Prinicipal Investigators einen Synergy Grant des ERC eingeworben.

Die Geschichte des Internets kennt Gerhard Weikum gut; viel mehr aber interessiert den Direktor am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken dessen Zukunft. Als „digitales Rückgrat für Kommunikation, Unterhaltung, Bildung und Wirtschaft“ ist das Netz zu einem „unverzichtbaren Pfeiler der modernen Gesellschaft“ geworden. Gleichzeitig gibt es „große Risiken für die Nutzer, beispielsweise durch Daten-Tracking-Firmen, die geschäftsmäßig persönliche Daten über jedermann sammeln, aggregieren und verkaufen“. Angesichts der weltweiten Bedeutung des Internets könne die Antwort nicht lauten, die Zeit und das Internet zurückzudrehen. „Wir müssen die Rahmenbedingungen – ob technisch oder rechtlich  – so weiterentwickeln, dass die Nutzer auf Augenhöhe gelangen mit den Business-Akteuren, zumindest im europäischen Rechtsraum. Davon profitiert auch die Unternehmensseite, weil das Internet dadurch nachhaltig Vertrauen gewinnt.“

Vieles hängt also miteinander zusammen, weshalb im Projekt „imPACT“ (Privacy, Accountability, Compliance and Trust in Tomorrow’s Internet) unterschiedliche Disziplinen der Computerwissenschaften zusammenarbeiten. Möglich macht das die ERC-Förderlinie der Synergy Grants. Die Ausschreibung damals, so Weikum,  sei „ein echter Impuls gewesen, die Herausforderung anzugehen“. imPACT ist ein gemeinsames Projekt mit dem Informatikprofessor Michael Backes von der Universität des Saarlandes und den am Max-Planck-Institut für Softwaresysteme arbeitenden Direktoren Peter Druschel und Rupak Majumdar. „Die Computerwissenschaften umfassen viele Teildisziplinen. Allein das entstandene Netzwerk ist ein echter Mehrwert, um Forscher aus verschiedenen Communities zusammenbringen. 20 Doktoranden und Postdocs waren in unseren imPACT-Retreats. So entstehen originelle Ideen und neue methodische Ansätze, auf die keine Community alleine kommen würde.“ Dass zum Projektende 2020 neben grundlegenden Einsichten über das Zusammenspiel der PACT-Eigenschaften auch konkrete Tools vorliegen, ist Teil des Arbeitsprogramms: „Wir wollen auch Software entwickeln, mit der ein Nutzer sehen und verstehen kann, welche Daten im Internet über ihn oder sie verfügbar sind und welche möglichen Risiken diese implizieren.“

Evolution von Eiweißmolekülen im Blick

Die frühere Forschungsgruppenleiterin Birte Höcker ist nun Professorin für Biochemie an der Universität Bayreuth. Den ERC-Grant sieht sie als Katalysator ihrer Karriere. Bild vergrößern
Die frühere Forschungsgruppenleiterin Birte Höcker ist nun Professorin für Biochemie an der Universität Bayreuth. Den ERC-Grant sieht sie als Katalysator ihrer Karriere.

„Protein-Lego“ heißt das ERC-Projekt der Bayreuther Professorin für Biochemie Birte Höcker. Ein griffiger Name für ein komplexes und herausforderndes Unterfangen, bei dem sie der Evolution von Eiweißmolekülen, den Grundstoffen allen Lebens, nachspürt. Dabei konnte die ehemalige Forschungsgruppenleiterin in der MPG bereits zeigen, dass die Vielfalt der Proteine aus kleineren Peptid-Einheiten entstanden ist. Und daraus will sie nun neue Eiweißmoleküle per Baukastensystem zusammensetzen. „Es werden also stabile Fragmente aus bekannten Strukturen identifiziert, aus denen wir dann bei der Rekombination neue komplexe und funktionale Proteine bauen können", erklärt Höcker.

Dieser neue Ansatz des Proteindesigns könnte helfen, maßgeschneiderte Proteine für die Medizin oder Biotechnologie zum Einsatz zu bringen. Anfang 2015, als die Biochemikerin noch am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen als Gruppenleiterin arbeitete, kam die Nachricht aus Brüssel mit der Bewilligung eines Consolidator Grants. „Eben weil der ERC international berühmt dafür ist, sich allein an der Exzellenz der wissenschaftlichen Idee zu orientieren, gilt eine Förderung als hochrenommierte Auszeichnung. Auch kenne ich etliche Kollegen, die ihn im Lebenslauf nicht als Grant, sondern als persönlichen Preis führen“, sagt Höcker.

 Als sie sich auf ihre erste Professur bewarb, sei der ERC-Grant ein echter Trumpf gewesen. Nun läuft die Forschung für „Protein-Lego“ an der Universität Bayreuth ergänzend zur Lehre, sie kann über den Grant bis 2020 einen Postdoc, drei Doktoranden und einen technischen Assistenten finanzieren. „Und bevor ich die Professur hatte, war der ERC-Grant auch für mich eine entscheidende Absicherung, um in der Wissenschaft weiter Karriere machen zu können“, sagt sie.

Sozialleben der Schimpansen

Mit den Geldern eines ERC-Starting Grants beobachtet Catherine Crockford freilebende Schimpansen in Westafrika. Die Verhaltensforscherin interessiert sich dabei besonders für das Sozialleben der Tiere. Bild vergrößern
Mit den Geldern eines ERC-Starting Grants beobachtet Catherine Crockford freilebende Schimpansen in Westafrika. Die Verhaltensforscherin interessiert sich dabei besonders für das Sozialleben der Tiere.

In punkto Beziehungen sind Schimpansen und Menschen ähnlich: Der eine ist gut im Umgang mit anderen und erhält Freundschaften, der andere ist ein eher unbeliebt und Einzelgänger. Diese Unterschiede haben große Auswirkungen: Sowohl Menschen als auch Schimpansen mit ausgeprägten sozialen Bindungen sind gesünder, haben mehr Nachkommen und leben länger. Beim Menschen mit seinem komplexen Sozialleben sind die Ursachen für solch unterschiedliche soziale Fähigkeiten allerdings schwer zu ergründen. „Schimpansen lassen sich in dieser Hinsicht leichter untersuchen, denn sie leben in überschaubaren Gruppen. Wir können so ihre sozialen Interaktionen besser messen und zum Beispiel die Hormonwerte der Tiere bestimmen. Schimpansen können uns daher mögliche Ursachen für die unterschiedlichen sozialen Fähigkeiten beim Menschen aufzeigen“, erklärt Catherine Crockford vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Die britische Verhaltensforscherin hat Ende 2015 für ihr Projekt „Bindung bei Menschenaffen“ einen Starting Grant des ERC erhalten. Mit den Fördermitteln kann sie mit ihrer Forschungsgruppe fünf Jahre lang das Sozialleben freilebender Schimpansen im Taï-Nationalpark in der Elfenbeinküste erforschen. Sie beobachtet die Tiere und ihren Umgang miteinander und misst ihre Hormonwerte um herauszufinden, was einen sozial besonders kompetenten Schimpansen ausmacht. „Wir wollen zum Beispiel wissen, wie stark die Fähigkeit zu dauerhaften sozialen Bindungen vererbt wird, also genetisch vorbestimmt ist. Welche Rolle spielen die kindliche Beziehung zur Mutter, welchen Einfluss haben Hormone oder Umwelteinflüsse, und können spätere Erfahrungen frühere negative Erlebnisse ausgleichen?“ Das ERC-Programm schafft ihr dabei Planungssicherheit in einem Wissenschaftssystem, in der man zweijährige Projektlaufzeiten gewohnt ist. „Und da ein ERC-Grant vergleichbar ist mit einem renommierten Preis, profitiere ich natürlich bei der weiteren Karriereplanung.“

Im Fall der Schimpansen kommt noch ein weiterer Aspekt dazu: Die Förderung durch den ERC trägt zum Schutz der in ihrem natürlichen Lebensraum vom Aussterben bedrohten Menschenaffen bei. „Wilde Schimpansen können uns etwas darüber lehren, das Sozialleben Gesundheit, Fruchtbarkeit und Lebenserwartung beim Menschen beeinflusst. Ihr Schutz ist also in unserem eigenen Interesse. Dass Verhaltensforschung an wilden Schimpansen durch den ERC gefördert wird, zeigt auch den Wert von Freilandforschung wie des Schimpansen-Projekts im Taï-Nationalpark“, so Crockford.

Pionierarbeit in der Wüste

Michael Petraglia nutzte seinen ERC Advanced Grant auch, um neue wissenschaftliche Ansätze und Methoden in der Feldforschung und im Labor einzuführen. Bild vergrößern
Michael Petraglia nutzte seinen ERC Advanced Grant auch, um neue wissenschaftliche Ansätze und Methoden in der Feldforschung und im Labor einzuführen. [weniger]

Im 21. Jahrhundert scheint die Zeit großer Entdeckungen in vermeintlich vertrauten Landstrichen eigentlich vorbei. Doch wer ausgetretene Pfade verlässt, kann durchaus fündig werden – wie Michael Petraglia, der damit ein wesentliches Kriterium der ERC Advanced Grants erfüllt: Pionierarbeit zu leisten und das über die Grenzen des eigentlichen Forschungsbereichs hinaus. So ergründet Petraglia, der den Grant an der Universität Oxford eingeworben hatte und ihn 2016 an das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena mitbrachte, mit seinem interdisziplinärem Team die Frühgeschichte der Arabischen Halbinsel – als einzige Forschergruppe überhaupt. „Das ist wirklich aufregend.  Wir fühlen uns wie Gelehrte aus dem 19. Jahrhundert, ständig entdecken wir Neues“, erzählt Petraglia.

So konnten die Wissenschaftler belegen, dass das Wüstengebiet in den vergangenen 500.000 Jahren mehrfach feucht und fruchtbar war. Tausende ausgetrockneter Seen und Flüsse fanden die Forscher auf Satellitenbildern und begannen Untersuchungen und Ausgrabungen an verschiedenen Ortender Arabischen Halbinsel. Ihre Ausbeute: Überreste von Elefanten, Jaguaren und anderen Tieren der Savanne sowie vielfache Hinweise auf menschliches Leben wie Steinwerkzeuge und Felsmalerei. Diese liefern Anhaltspunkte dafür, wie und wann sich eine Reihe von Vertretern der menschlichen Gattung Homo von Afrika ausgebreitet hat.

Für Petraglia ist – wie er selbst sagt – der ERC Advanced Grant einer der wichtigsten Meilensteine seiner Karriere. Für seine hochmoderne Forschung in einem interdisziplinären Arbeitsfeld, in dem sich die traditionellen Grenzen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften verwischen, standen ihm dadurch großzügige Mittel zur Verfügung. Dank der ECR-Förderung konnte Petraglia in der Feldforschung und im Labor zudem neue wissenschaftliche Ansätze und Methoden einführen, die er nun am Max-Planck-Institut weiter vorantreibt.

www.palaeodeserts.com

Texte: mez/hr/je

 
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