Exzellenzhebel für die Forschung in Osteuropa

Max-Planck-Gesellschaft initiiert Programm zur Stärkung der Spitzenforschung in Mittel- und Osteuropa / Bis 2021 stehen bei der Premiere in Polen zunächst zehn Millionen Euro für Top-Forscher bereit

Mit dem neuartigen Format der Dioscuri Centres of Scientific Excellence unterstützt die Max-Planck-Gesellschaft den Auf- und Ausbau wissenschaftlicher Exzellenz in Mittel- und Osteuropa. In einem ersten Schritt wird das personenzentrierte Förderprogramm zunächst in Polen eingerichtet. Am 4. Juli unterzeichneten Max-Planck-Präsident Martin Stratmann und Zbigniew Błocki, Direktor der polnischen Regierungsagentur Nationales Wissenschaftszentrum (NCN), eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Das Treffen fand im Beisein des polnischen Vizepremiers und Wissenschaftsministers Jarosław Gowin und Ministerialdirektor Volker Rieke, Leiter der Abteilung Europäische und Internationale Zusammenarbeit im Bundesforschungsministerium, statt. Die deutsche und die polnische Regierung übernehmen beidseitig die Finanzierung.

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Martin Stratmann und Zbigniew Błocki, Direktor des polnischen Nationalen Wissenschaftszentrums (links), besiegelten in Warschau die Zusammenarbeit.

Die erste Ausschreibung zur Einrichtung von Dioscuri-Zentren in Polen soll bereits im Herbst erfolgen. Die Auswahl der leitenden Wissenschaftler (Principal Investigators) erfolgt durch ein mit international renommierten Forschern besetztes wissenschaftliches Komitee und folgt damit den bei Max-Planck seit Jahrzehnten erprobten Strategien zur Exzellenzsicherung. Max-Planck-Präsident Martin Stratmann erklärte, warum Dioscuri einen erkennbaren Mehrwehrt für den Europäischen Forschungsraum schaffen kann: „Der Goldstandard der Forschungsförderung in Europa basiert auf dem exzellenzbasierten Wettbewerb um die besten Ideen. Damit künftig nicht vor allem Anträge aus den traditionell etablierten Ländern in West- und Nordeuropa Erfolg haben, wollen wir die Perspektiven für ausgewiesene Wissenschaftler in Osteuropa mit zusätzlichen Mitteln sowie durch die gezielte Einbettung in ein internationales Netzwerk von Spitzenforschern verbessern.“

Dioscuri-Zentren werden dort entstehen, wo dank aufgebauter Infrastruktur bereits Grundlagen geschaffen sind und ein Umfeld für Spitzenforschung existiert. Sie sollen Top-Wissenschaftler anlocken und damit zu einem echten Exzellenzhebel der Forschung in Mittel- und Osteuropa werden. Für jedes Dioscuri-Zentrum stehen jährlich jeweils 300.000 Euro bereit; finanziert wird dies zu gleichen Teilen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der polnischen Regierung. Mit dem ersten Aufruf werden bis zu drei Dioscuri-Zentren ausgeschrieben. Sie können sowohl an polnischen Universitäten wie auch an außeruniversitären Einrichtungen entstehen, sind auf fünf Jahre angelegt und können nach erfolgreicher Evaluierung durch externe Gutachter einmal um weitere fünf Jahre verlängert werden.

Im Mittelpunkt jedes Dioscuri-Zentrums steht der Principal Investigator, der mit dem Programmbudget eine international wettbewerbsfähige Forschungsgruppe aufbauen kann. Die polnische Gastgebereinrichtung stellt die Infrastruktur, etwa Laborräume und Geräte, zur Verfügung. Geplant ist, dass in Polen sukzessive bis zu zehn Dioscuri-Zentren entstehen. Bestandteil des Programms ist zudem eine enge Kooperation mit Mentoren in Deutschland, um die Wissenschaftskooperation zwischen Polen und Deutschland zu vertiefen und die internationale Vernetzung der Zentren zu unterstützen. Das Dioscuri-Programm selbst soll gleichfalls nach fünf Jahren evaluiert werden. Konzeptionell ist es so angelegt, dass nach einer möglichen Ausweitung auf andere Länder in Mittel- und Osteuropa bis zu zwanzig Dioscuri-Zentren in der gesamten Region entstehen könnten.

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