Zentrum für Systembiologie in Dresden ist eröffnet

In der neuen Einrichtung sollen Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen gemeinsam die Abläufe in Zellen untersuchen

Zur Eröffnung am 31. Mai haben unter anderem der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Stanislaw Tillich, sowie der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Martin Stratmann, gesprochen. Das neue Zentrum ist eine Initiative mehrerer Institutionen: des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik, des Max-Planck-Instituts für Physik komplexer Systeme sowie der Technischen Universität Dresden. Der Bau wurde vom Freistaat Sachsen, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie der Klaus Tschira Stiftung unterstützt. Ehrengast der Feierlichkeiten ist am 1. Juni Craig Venter, US-amerikanischer Biochemiker und Unternehmer, der maßgeblich an der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts beteiligt war.

Das Zentrum für Systembiologie Dresden. Das Gebäude wurde von den Architekten Heikkinen-Komonen geplant und kostete rund 26 Millionen Euro.

Es ist ein sensibles Gleichgewicht: Moleküle organisieren sich miteinander zu Zellen, Zellen vernetzen sich untereinander zu Geweben, Gewebe bilden Organe. Das funktioniert nur in einer korrekten räumlichen Anordnung und zeitlichen Abfolge. Im Zentrum für Systembiologie Dresden wollen die Forscher verstehen, wie sich Zellen untereinander abstimmen, um ein Gewebe einer bestimmten Form, Größe und Funktion zu bilden.

Um solche Vorgänge künftig noch genauer untersuchen zu können, entwickeln Informatiker, Physiker, Ingenieure und Mathematiker in Dresden neue Mikroskope und automatisierte Verfahren zur Bildanalyse. Damit können sie die Bilddaten aus ihren Experimenten effizienter auswerten und daraus Informationen über die Organisation von Molekülen und deren Zusammenwirken gewinnen. Die Wissenschaftler werden zudem biophysikalische Modelle zu den Daten erstellen und diese Modelle dann so weiterentwickeln, dass sie die Prozesse des Lebens im Computer simulieren. Das Zentrum besitzt dafür unter anderem Optikbereiche für maßgeschneiderte Mikroskopie sowie einen Raum zur Projektion virtueller Realität.

Spitzenforschung in Dresden

Selbstfahrendes Mikroskop: Das von der Arbeitsgruppe von Gene Myers entwickelte Lichtblattmikroskop kombiniert zwei Ebenen: die Ebene, die die Probe durchleuchtet, und die rechtwinklig dazu angeordnete Ebene, die das entstehende Bild erfasst. Das intelligente Mikroskopsystem analysiert die gewonnenen Bilder in Echtzeit und optimiert eigenständig ununterbrochen die Anordnung der beiden Ebenen des Mikroskops. Damit werden Aufnahmen in bisher nicht gekannter Qualität möglich.

Der neue Bau bringt Theoretiker und Praktiker an einem Ort zusammen. „Das Zentrum für Systembiologie ist ein entscheidender Zukunftsbaustein für die Lebenswissenschaften in Dresden. Die Forscher um Gründungsdirektor Gene Myers verfolgen einen Ansatz, mit dem der Entwicklungsablauf biologischer Systeme völlig neuartig digital erfasst werden kann. Damit ist das Zentrum international auf Spitzenniveau platziert und stärkt den Forschungsstandort Dresden insgesamt“, sagte Max-Planck-Präsident Stratmann.

Rund 120 Wissenschaftler werden am Zentrum für Systembiologie nach der Aufbauphase forschen. Geleitet wird es von den Max-Planck-Direktoren Gene Myers und Frank Jülicher sowie Ivo Sbalzarini von der TU Dresden. Diese arbeiten eng mit vier Nachwuchsgruppen zusammen, die sich auf biochemische Netzwerke (Christoph Zechner), strukturelle Netzwerke (Carl Modes), vergleichende Genomik (Michael Hiller) und Bioimage-Informatik (Florian Jug) konzentrieren.

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