„Das ist eine tolle Sache“

In einer Sonderpublikation des DUZ Magazins äußert sich Gutachter Professor Karl Max Einhäupl zu den positiven Ergebnissen der Zwischenevaluation der drei Max Planck Schools

30. September 2021

Bereits im Juni 2021 präsentierte Professor Karl Max Einhäupl, Vorsitzender des Gutachtergremiums, das Ergebnis der Zwischenevaluation zur Halbzeit der Förderperiode im Max-Planck-Senat. Für eine Sonderpublikation des DUZ Magazins, einer Fachzeitschrift für Hochschulen und Wissenschaft, gab Professor Einhäupl in einem Interview genaueren Einblick, was für ihn und die anderen Gutachter die Besonderheiten der Max Planck Schools sind. Er bescheinigt ihnen enormes Potential, wenn es gelingt, das Konzept zu verstetigen und eine dauerhafte Förderung zu sichern. 

Professor Karl Max Einhäupl, ehemaliger Vorsitzender des Wissenschaftsrats und früherer Vorstandsvorsitzender der Charité Universitätsmedizin Berlin
 

Herr Professor Einhäupl, Sie haben im Frühjahr 2021 eine erste Zwischenevaluation der drei Max Planck Schools durchgeführt. Das war bedingt durch die Pandemiesituation vermutlich nicht ganz einfach?

In der Tat hat Corona die Evaluation ein bisschen schwieriger gemacht. Das Schwierigste war, dass keine Begehungen stattfinden konnten. Das hat mir sehr gefehlt und ich hoffe, dass das bei der nächsten Evaluation anders werden wird. Dennoch haben wir viel über die Vorteile der Schulen erfahren, aber auch über einige ihrer Schwächen. Ich möchte hinzufügen: Ich habe diese Evaluation natürlich nicht alleine gemacht. Für jede der Schulen war ein weiterer Wissenschaftler dabei – es waren zwei Frauen und ein Mann, die diese Schulen als fachnahe Gutachter mit evaluiert haben. Es war eine sehr frühe Phase, in der wir diese Zwischenevaluation durchgeführt haben. Manche Erfolge oder Misserfolge sind quantitativ noch nicht so gut messbar, wie man sich das wünschen würde. Aber wir haben, glaube ich, einen sehr guten Eindruck gewonnen – im Sinne von: Das ist eine tolle Sache.

Welche Aspekte erschienen Ihnen im Rahmen der Evaluation besonders wichtig?

Ziel der Schulen ist es, im Wettbewerb mit den weltweit führenden Universitäten mehr Sichtbarkeit für den Forschungsstandort Deutschland zu erzeugen. Darauf haben wir ganz besonders geachtet. Wir müssen uns in der Grundlagenforschung wirklich nicht vor den USA verstecken. Dennoch haben wir es schwer, gegen die Top-Organisationen zu rekrutieren. Die Steigerung der Bewerbungszahlen bei den drei Schulen zeigt, dass wir hier am Anfang einer positiven Entwicklung stehen – es ist wirklich die Chance da, noch mehr internationale Sichtbarkeit zu erlangen. In allen drei Schulen war insbesondere der Zuwachs internationaler Bewerbungen – übrigens auch von Bewerberinnen und Bewerbern, die ebenso Optionen an anderen Top-Einrichtungen weltweit hatten – eines, wie ich meine, der bemerkenswertesten Ergebnisse. Was sind die Besonderheiten des Programms? Es ist die englische Sprache, die natürlich auch in anderen Programmen existiert, aber im universitären Bereich eben nicht durchgehend in der Graduiertenförderung ist. Und es gibt eine kompetitive Vergütung. Denn die Promovierenden bekommen in der Promotionsphase nicht 60 Prozent, sondern einen E13-Vertrag mit 100 Prozent. Das ist im Moment ein großer Vorteil, um attraktiv zu sein, weil diese Vergütung auch in anderen Ländern durchaus so üblich ist.

Was sind aus Ihrer Sicht die echten Innovationen im Schools-Konzept?

Die wesentliche Innovation, die ich und das Gutachterteam in diesen Schulen sehen, ist in der Tat die frühe Rekrutierung. Also bereits nach dem Bachelor-Abschluss. Das führt einerseits dazu, dass wissenschaftsaffine Persönlichkeiten rekrutiert werden, und natürlich dazu, dass diese sehr früh an die Wissenschaft herangeführt werden. Eine weitere Besonderheit der Schulen ist die sehr hohe Interdisziplinarität. In allen drei Schulen sind Wissenschaftler aus allen Bereichen des Fokusthemas integriert, sodass eine breite Basis für wissenschaftliches Engagement besteht. Und ein ebenso wichtiger Punkt ist die multiinstitutionelle Aufstellung dieser Schulen. Ich glaube, dass dies eine extrem wichtige, ja wirklich eine Innovation im Wissenschaftssystem darstellt.

Wo liegen Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen?

Besonders wichtig wird ein Community-Building sein. Das heißt, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ja aus unterschiedlichsten Disziplinen kommen, eine Identität mit diesen Schulen entwickeln. Ein weiterer Punkt, den man im Auge behalten muss, ist die Beteiligung von Frauen. Es war gelegentlich so, dass der prozentuale Anteil weiblicher Studierender höher gewesen ist als der Anteil der Wissenschaftlerinnen. Das hat natürlich etwas mit den Fächern zu tun. In Cognition ist das etwas einfacher als beispielsweise in Photonics. Aber man sollte versuchen, durch exzellente Wissenschaftlerinnen Role Models zu schaffen, die den jungen Frauen während ihres Studiums deutlich machen: Du kannst das auch bei uns werden, es ist keine Domäne, die nur den Männern vorbehalten ist. Und alle müssen zuhören und darauf achten, wo den Promovierenden der Schuh drückt. In jeder Schule gab es letztendlich unterschiedliche Herausforderungen, aber auch unterschiedliche Stärken. Ich glaube, gerade diese in den Blick zu nehmen und die Schulen durch eine Interschulkoordination und -diskussion dazu zu bringen, voneinander zu lernen, ist ein wesentliches Instrument, um sie erfolgreich zu machen.

Wer profitiert jetzt schon von den Schools?

Ganz besonders profitieren nach Meinung der Wissenschaftler der Schulen und auch nach meiner Meinung die kleinen Universitäten, die es auch im deutschen Universitätsverbund schwerer haben als die großen, führenden Universitäten. Sie wollen und können damit Teil einer kritischen Masse werden – einer kritischen Masse, die sehr stark auf ihr Forschungsgebiet fokussiert ist und die dadurch eben auch diesen Universitäten noch mehr Sichtbarkeit verleiht. Die Impulse für das Wissenschaftssystem, über die wir seit Jahrzehnten diskutieren, werden von diesen Schulen ein erhebliches Momentum erfahren. Das müssen vor allem die Universitäten nutzen.

Was ist Ihr Fazit?

Ich bin fest überzeugt davon, dass durch diese Graduiertenschulen ein wesentliches neues Element in das System gekommen ist, das ein hohes Potenzial hat, nicht nur international mehr Sichtbarkeit zu erlangen, nicht nur exzellente Studierende nach Deutschland zu holen oder deutsche zu halten, sondern dass es auch ein exzellenter Ansatz ist, die immer noch vorhandene Versäulung des Wissenschaftssystems ein Stück weit aufzubrechen. Die große Herausforderung für alle Beteiligten wird sein, alles zu tun, damit diese Schulen ein Erfolg werden. Und dann wird es möglich sein, weitere Schulen zu gründen. Entscheidend wird natürlich sein, dass die Finanzierung dieser Schulen sichergestellt ist. Das Gutachterteam war wirklich begeistert, auch ich. Und ich gebe ganz offen zu, ich bin am Anfang mit durchaus auch kritischen Überlegungen in diese Evaluation gegangen


 

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