Lungentumoren lösen Lungenhochdruck aus

Fast die Hälfte aller Lungenkrebs-Patienten im fortgeschrittenen Stadium entwickeln arteriellen Lungenhochdruck

15. November 2017

Kurzatmigkeit und Atemnot erhöhen bei Lungenkrebs-Patienten im fortgeschrittenen Stadium oftmals das Leiden zusätzlich. Ausgelöst werden könnte dies durch Lungenhochdruck, wie Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim und des Deutschen Zentrums für Lungenforschung nach Untersuchungen an mehr als 500 Patienten feststellten. Ursprung sind möglicherweise Immun- und Entzündungsprozesse, die durch die Tumorzellen verursacht werden. Eine Therapie könnte an dieser Stelle ansetzen.

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Bluthochdruck bei Lungenkrebs: In der schematischen Darstellung der Lunge ist im rechten Lungenflügel ein Tumor dargestellt. Ein Gewebevergleich zweier Blutgefäße zeigt, dass die Wand eines aus dem Tumorbereich stammenden Gefäßes drastisch verdickt ist. Eine derartige Veränderung in Blutgefäßen ist für die Lungenhochdruckerkrankung verantwortlich.

Schon längst hat Lungenkrebs den Charakter eine Seuche: Die Erkrankung ist mittlerweile für mehr als ein Viertel aller Krebstode verantwortlich, Tendenz steigend.  Grund dafür ist auch, dass die Prognosen schlecht sind: Lediglich ein Fünftel der Patienten leben fünf Jahre nach der Diagnose noch. Dies liegt zum einen daran, dass Lungenkrebs oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt wird. Ein weiteres Problem stellt zum anderen dar, dass es eine Vielzahl von unterschiedlichen Lungentumoren gibt, für die individuelle Therapiekonzepte notwendig sind. Dies wiederum setzt voraus, dass man die Tumorerkrankung besser verstehen lernt.

Bei vielen Lungenkrebs-Patienten beobachten Mediziner mit fortschreitender Erkrankung Kurzatmigkeit und Luftnot. Diese Symptome treten auch bei Krankheiten wie der arteriellen Lungenhochdruckerkrankung auf. Deshalb analysierten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung zusammen mit Kollegen des nationalen Forschungsverbundes „Deutsches Zentrum für Lungenforschung“ bei rund 500 Lungenkrebspatienten mittels Computertomografie den Durchmesser der Lungenarterien. „Bei mehr als der Hälfte der Patienten stellten wir eine Verdickung der Gefäßwände der Lungenarterien fest. Dies ist ein deutlicher Hinweis, dass diese Patienten zusätzlich an der Lungenhochdruckerkrankung leiden“, so Studienleiter Rajkumar Savai.

Um die Ursachen hierfür herauszufinden, analysierten die Lungenforscher drei unterschiedliche Formen von Lungenkrebs an Mäusen. „Dabei handelte es sich um unterschiedlich schnell wachsende Tumorarten, die experimentell in der Lunge der Tiere ausgelöst werden. Bei allen drei Mausmodellen stellten sich im Verlauf des Tumorwachstums Anzeichen für Lungenhochdruck ein“, sagte Soni Pullamsetti, Erstautorin der Studie.

Entzündung der Blutgefäße als mögliche Ursache

Doch warum ziehen Lungentumoren oftmals Lungenhochdruck nach sich? „Sowohl bei Patienten als auch bei den Mäusen konnten wir keine in die Gefäßwand eingewanderte Tumorzellen oder Blutgerinnsel nachweisen. Beides wären mögliche Auslöser“, erläutert Savai. Allerdings stellten die Forscher fest, dass in der Nähe der Tumoren gelegene Blutgefäße von einer großen Zahl an Immunzellen infiltriert waren.

Weitere Experimente ergaben, dass die Immunzellen verschiedene Botenstoffe freisetzen, wie es bei entzündlichen Reaktionen generell zu beobachten ist. Umgekehrt blieb der Lungenhochdruck aus, wenn den Mäusen im Experiment funktionierende Immunzellen fehlen. Für die Bad Nauheimer Wissenschaftler ist dies ein Hinweis darauf, dass von Lungentumoren verursachte Entzündungsvorgänge für den Lungenhochdruck verantwortlich sein könnten.

Werner Seeger, Direktor am Max-Planck-Institut und Direktor der Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum Gießen-Marburg, hofft auf Ansätze für die Entwicklung einer Therapie: „Bislang unbekannte Abnormitäten in den Blutgefäßen, ausgelöst durch Entzündungsprozesse in den Lungentumoren könnten Verursacher für die bei Patienten beobachteten Symptome sein.“ Neue therapeutische Ansätze könnten hier ansetzen.

MH/HR

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