EcoBus nimmt Fahrt auf

Die neu gegründete EcoBus GmbH entwickelt eine Infrastruktur, die Shuttledienste und Linienverkehr zu einem zukunftsfähigen ÖPNV kombiniert

Menschen effizienter und umweltfreundlicher befördern – mit dieser Absicht tritt die EcoBus GmbH an. Erreichen möchte das neu gegründete Unternehmen dieses Ziel durch die Bündelung von Fahrgastanfragen. Basis hierfür ist eine Software, die kleine Shuttles mit bestehenden Liniendiensten zu einem Gesamtsystem kombiniert und Passagiere zum Tarif des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) von Tür zu Tür bringt. Ecobus bietet seine Leistungen allen Mobilitätsanbietern an und will in Zukunft neben der Buchung von regionalen Fahrten auch längere Reisen ermöglichen. Die am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation gemeinsam mit Akteuren des ÖPNV entwickelte Software wird nun im Rahmen der Ausgründung zur Marktreife gebracht und vermarktet.

Mit Kleinbussen werden die Fahrgäste zuhause abgeholt und an ihr Wunschziel gebracht.

Mit der Ausgründung der EcoBus GmbH nimmt die Idee der Integration von Ride-Pooling-Diensten in den ÖPNV weiter Fahrt auf. Bekannt wurde das Projekt bereits im Jahr 2018, als Kunden in Bad Gandersheim und im Harz ihre individuellen Mobilitätswünsche durch EcoBus verwirklichen konnten, damals im Rahmen eines vom Land Niedersachsen und der EU geförderten Forschungsprojekts am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Mit Kleinbussen wurden die Fahrgäste zuhause abgeholt und an ihr Wunschziel gebracht. Für Kunden ist bei dem Service meist nur die Buchungs-App sichtbar, mit der sie ihren Fahrtwunsch an das System melden. Der am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation entwickelte Algorithmus weist den Fahrgast einem Fahrzeug zu und optimiert dessen Route. Die berechnete Route wird dem Fahrer dann in Echtzeit auf dem Navigationsgerät angezeigt. Außerdem wird ihm mitgeteilt, wo er Fahrgäste aufnehmen oder aussteigen lassen soll. So kann sich die Route auch während der Fahrt noch verändern, wenn weitere Buchungen hinzukommen. Künftig wird darüber hinaus eine Bezahlfunktion integriert sein, sodass alle beteiligten Dienstleister bezahlt werden, mit nur einer Buchung für den Kunden.

Dass auf der Fahrt nicht unbedingt der direkte Weg eingeschlagen wird, sondern auf kleinen Umwegen weitere Personen aufgenommen oder abgeliefert werden, macht den Fahrgästen erfahrungsgemäß nichts aus. Dafür müssen sie für die Fahrkarte lediglich einen üblichen ÖPNV-Tarif bezahlen, also deutlich weniger als für ein Taxi bei vergleichbarem Komfort. 2019 wurde das Projekt mit dem Umweltpreis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet.

Liniendienste und Shuttles werden kombiniert

Damals stand dieses Transportsystem noch in direkter Konkurrenz zum Linienverkehr, weshalb es nicht verstetigt werden konnte. Inzwischen hat das Team des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation das Konzept so weiterentwickelt, dass derartige Parallelverkehre vermieden werden. Vielmehr werden Liniendienste und Shuttles von der neuen Software zu einem intermodalen Gesamtsystem kombiniert, das die Passagiere zum ÖPNV-Tarif von Tür zu Tür bringt. Das ermöglicht nicht nur einen hohen Komfort, sondern stärkt auch den Linienverkehr. Ein Pilotprojekt dieses verbesserten Systems läuft bereits seit etwa einem Jahr erfolgreich in einem Vorstadtbereich von Leipzig. Durch die intermodale Integration müssen die Kleinbusse nur noch die letzten Kilometer zwischen Linienhaltestelle und Haustüre bedienen.

„Dies ist eine Win-Win-Situation. Die Kunden genießen den Service von Tür zu Tür und die Liniendienste sind besser ausgelastet, da mehr Kunden mit der Linie fahren“, sagt Lorenz Hartung, Geschäftsführer der neuen GmbH. „Wir bieten in Zukunft allen Mobilitätsdienstleistern unsere Zusammenarbeit an, nicht nur in Deutschland, sondern mittelfristig auch weltweit. Ziel ist ein Service, mit dem Kunden künftig sowohl eine Fahrt von Bovenden nach Friedand als auch beispielsweise eine Reise von Göttingen nach New York mit nur einem System buchen können.“

Ein neues Geschäftsmodell im Bereich des Ride-Pooling

Die EcoBus GmbH kann die Software, die am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation gemeinsam mit den für die Organisation und Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs zuständigen Akteuren entwickelt wurde, nun zur Marktreife bringen und vermarkten. Die Gründung der EcoBus GmbH wurde von Beginn an von Max-Planck-Innovation, der Technologietransfer-Organisation der Max-Planck-Gesellschaft, begleitet. Sie unterstützte die Vorbereitungen unter anderem durch die Bereitstellung eines Interim-Managers, der die Gründung zielgerichtet vorangetrieben hat und nun die Geschäftsführung übernimmt. Darüber hinaus half Max-Planck-Innovation bei der Erstellung eines Geschäftsmodells, das im Bereich des Ride-Pooling neu ist. Setzen bestehende Anbieter meist auf Verdrängung, ist das inklusive Konzept der EcoBus GmbH darauf bedacht, bestehende Strukturen zu nutzen und Synergien zu bilden. „Die Digitalisierung des Personennah- und fernverkehrs spielt eine wichtige Rolle bei der Entlastung der Verkehrsinfrastruktur und der Senkung der CO2-Emissionen. Das Angebot der EcoBus GmbH steigert die Effizienz des Personentransports deutlich und gestaltet diesen zugleich komfortabler für die Nutzer“, so Dieter Treichel, Start-Up & Portfolio Manager bei Max-Planck-Innovation.

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