Alte DNA gibt Aufschluss über die Besiedlung der Marianeninseln

Forschende entdecken Verbindung zwischen der Herkunft von heute auf den Marianeninseln lebenden Menschen und den Philippinen

Im Vergleich zur Erstbesiedlung Polynesiens hat die Besiedlung der Marianen im Westpazifik vor etwa 3.500 Jahren bisher nur wenig Beachtung gefunden. Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der Australian National University und der University of Guam gingen nun Fragen zur Herkunft der ersten Besiedler der Marianeninseln und deren Verwandtschaft zu den Erstbesiedlern Polynesiens nach.

Archäologe Mike T. Carson bei der ersten Freilegung eines der Skelette.

Um die Marianen im Westpazifik zu erreichen, überquerten Menschen mehr als 2.000 Kilometer offenen Ozean, rund 2.000 Jahre früher als andere Seereisen über ähnlich lange Distanzen stattgefunden haben. Die Besiedlung der Marianen vor etwa 3.500 Jahren erfolgte etwas früher als die erste Besiedlung Polynesiens.

„Wir wissen mehr über die Besiedlung Polynesiens als über die Besiedlung der Marianeninseln“, sagt Erstautorin Irina Pugach, Forscherin am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Die Forschenden wollten herausfinden, woher die Menschen kamen, die damals die Marianen erreichten; und inwiefern die Vorfahren der Chamorro – der heutigen Bewohner der Marianen – mit Polynesiern verwandt sein könnten.

Ausgrabungsbereich außerhalb der Ritidian Beach-Höhle im Norden von Guam, Marianeninseln.

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, untersuchten die Wissenschaftler das Erbgut zweier menschlicher Skelette aus der Ritidian Beach-Höhle im Norden Guams. Die beiden Skelette wurden auf ein Alter von etwa 2.200 Jahren datiert. „Die DNA dieser beiden alten Skelette weist Verwandtschaftsbeziehungen zu den Philippinen auf“, sagt Pugach. „Unsere Ergebnisse bestätigen, was auch linguistische und archäologische Studien ergeben haben: Sie deuten auf einen inselsüdostasiatischen Ursprung der ersten Besiedler der Marianeninseln hin“, sagt Co-Autor Mike T. Carson, Archäologe am Micronesian Area Research Center an der University of Guam.

„Wir finden auch eine enge Verbindung zwischen den alten Guam-Skeletten und frühen Lapita-Individuen aus Vanuatu und Tonga im westlichen Pazifik“, fügt Pugach hinzu. „Die Marianeninseln und Polynesien wurden also möglicherweise von derselben Ursprungspopulation kolonisiert. Darüber hinaus könnten die Marianen eine Rolle bei der späteren Besiedlung Polynesiens gespielt haben.“

Die Forschenden weisen darauf hin, dass ihre Untersuchungen zwar interessante neue Erkenntnisse liefern, aber nur auf der Analyse des Erbguts zweier Skelette beruhen, die aus der Zeit rund 1.400 Jahre nach der ersten Besiedlung Guams stammen. „Die Besiedlungsgeschichte von Guam und der abgelegenen Inselgruppen in Ozeanien sollte noch intensiver untersucht werden.“, sagt Seniorautor Mark Stoneking vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

SJ/MM

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