Neue Ideen gegen illegale Internetnutzung

Max-Planck-Wissenschaftler fordern bequemere Zugänge zu legalen Inhalten im Netz

Legal oder illegal? Wer Filme im Netz streamt oder sich Musik runterlädt, denkt darüber in der Regel nicht lange nach. Im Zweifelsfall entscheiden sich viele für die schnelle, einfache und kostenfreie Lösung. Für Musiker, Autoren und Filmemacher ist die illegale Verbreitung ihrer Werke im Internet jedoch ein großes Problem. Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb ist nun mithilfe einer repräsentativen Untersuchung der Frage nachgegangen, wie die Deutschen Musik, Filme und andere geschützte Inhalte im Netz tatsächlich nutzen. Und sie haben Empfehlungen erarbeitet, wie die illegale Nutzung eingedämmt werden kann.

Das Internet macht's möglich: Gerade junge Männer konsumieren öfter mal illegal Inhalte aus dem Netz wie Filme oder Videospiele. Das ergab eine Befragung von Max-Planck-Wissenschaftlern.

In einer umfassenden repräsentativen Studie hat das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb in Kooperation mit dem Munich Center for Internet Research das Verhalten und die Einstellungen von deutschen Internetnutzern erfasst. Dafür wurden mehr als 5.500 Personen ab 12 Jahren befragt. Konkret ging es um das Online-Nutzungsverhalten von urheberechtlich geschützten Inhalten wie Musik, Filme, Software, E-Books, Videospiele sowie E-Paper-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften.

Es zeigte sich, dass gut die Hälfte der Online-Konsumenten kein Geld für Musik oder Filme im Internet ausgibt. Etwa ein Viertel bezahlt für alle genutzten Inhalte, die übrigen nutzen einen Teil der Inhalte kostenfrei, während sie für einen anderen Teil bezahlen.

Jeder Siebte nutzt illegale Angebote

Fast ein Drittel der befragten User ist überzeugt, dass sie bei der Nutzung komplett legal vorgehen, rund zehn Prozent gehen nach eigener Einschätzung teilweise auch illegal vor, fünf Prozent der Internutzer halten ihren gesamten Inhaltskonsum für illegal. Die übrigen Befragten haben in den drei Monaten vor der Befragung keinen der abgefragten Inhalte genutzt.

Als Gründe für illegales Verhalten nannten die Internetnutzer am häufigsten Kostenfreiheit, Einfachheit und Bequemlichkeit sowie Schnelligkeit. Ein Teil von ihnen gab an, dass sie gesetzmäßig handeln würden, wenn legale Dienste billiger, flexibler und besser wären. Dazu kommt, dass manche Inhalte hierzulande nicht legal abgerufen werden können.

Schwierige Unterscheidung zwischen legal und illegal

Ein wesentliches Problem ist offensichtlich, dass legale und illegale Nutzungsformen oft schwer zu unterscheiden sind. 21 Prozent der Befragten mit zumindest teilweise illegalem Nutzungsverhalten geben an, sie würden auf illegale Inhalte verzichten, wenn sie diese besser von legalen abgrenzen könnten. Rechtliche Sanktionen oder drohende Einschränkungen des Internetzugangs im Falle von Urheberrechtsverletzungen können gesetzeswidriges Verhalten dagegen kaum verhindern.

Die Tatsache, dass Online-Konsumenten in der Regel mehr für Musik, Filme und ähnliches ausgeben als durchschnittliche Verbraucher, deutet darauf hin, dass die Gruppe durchaus zahlungsbereit ist. Diejenigen, die Inhalte im Netz teils legal, teils illegal nutzen, haben sogar die höchsten Gesamtausgaben. Das widerspricht der gängigen Vermutung, dass Nutzer mit illegalem Verhalten nicht bereit sind, Geld für die Inhalte auszugeben.

Forscher fordern klare Regeln von der Politik

Aus diesen Ergebnissen schließen die Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, dass sich Urheberrechtverletzungen im Internet eindämmen ließen, wenn es einfachere, flexiblere und bequemere Angebote gäbe. Inhalte, die in anderen Ländern bereits nutzbar sind, sollten auch in Deutschland schnell legal verfügbar gemacht werden. Außerdem fordern die Forscher von der Politik, eindeutige und verständliche Regeln für das legale Nutzungsverhalten im Internet zu schaffen. Zusammen mit entsprechenden Informationen für Verbraucher ließe sich ein Teil der Urheberrechtsverletzungen auf diese Weise verhindern.

mez

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