Unerschrocken zum Touchdown

15. März 2012

Auf dem College nannten sie ihn wegen seiner Figur und seines ausgeprägten Willens einfach stump – Baumstumpf. Heute ist der ehemalige Footballspieler Samuel Young ein anerkannter Neurowissenschaftler. Mit innovativen Werkzeugen und ausgefeilten Techniken möchte er herausfinden, wie Nervenzellen miteinander kommunizieren. Der Nachwuchsgruppenleiter am
Max Planck Florida Institute ist Forscher durch und durch. Doch seine Karriere verlief ungewöhnlich.

... und die Sportschuhe unter dem Schreibtisch.

Levine war bekannt geworden als Mitentdecker des Proteins p53, das in manchen Tumoren die Entwicklung von Krebs unterdrückt. Er akzeptierte, dass Young während der Footballsaison nicht im Labor arbeiten konnte. Dafür durfte er den Rest der Zeit doppelt auf ihn zählen. Er stellte Young einen Betreuer an die Seite, den Molekularbiologen Dan Notterman. Die beiden erforschten, ob p53 auch daran beteiligt ist zu verhindern, dass sich Zellen mit abnormalen Chromosomenzahlen bilden. 1998, zwei Jahre nach seinem Collegeabschluss, veröffentlichte Young das Ergebnis als Zweitautor im Fachjournal ONCOGENE.

Während seines letzten Jahrs in Princeton hörte der junge Wissenschaftler zwei Vorträge, die seine Laufbahn entscheidend beeinflussen sollten: einen über das Potenzial der Gentherapie, einen anderen über die Erforschung des Gedächtnisses bei Taufliegen. Youngs Entscheidung, bei Jude Samulski – einem Pionier der viralen Gentherapie und Mitentwickler von Gentherapievektoren – an der University of North Carolina in Chapel Hill zu promovieren, stellte die Weichen für seine wissenschaftliche Laufbahn.

Aus eigenem Antrieb und auf eigene Kosten fing Sam Young an, direkt nach dem Collegeabschluss in Samulskis Labor zu arbeiten. Bald hatte er auch ein eigenes Projekt: wie sich Adeno-assoziierte Viren an das Erbgut anbinden. Diese Viren haben den Vorteil, dass sie, soweit bekannt, keine Genkrankheiten verursachen. Einmal in eine menschliche Zelle eingeschleust, integrieren sie sich auf dem Chromosom 19. Young untersuchte in seiner Dissertation dabei den speziellen Mechanismus, warum sich dieses Virus gerade dort im menschlichen Genom einbaut.

Dazu musste er neue Fertigkeiten lernen: klonen, neue Zelllinien entwickeln und rekombinante Viren produzieren. Aber auch anderes Handwerkszeug lernte er bei Samulski: Wie man eine wissenschaftliche Publikation schreibt oder eine Präsentation hält. Kurzum: „Jude brachte mir von Grund auf bei, wie man Wissenschaftler wird.“

Lieber sorgfältig als schnell

Unter anderem untersuchte Sam Young, wie viele Proteine des Adeno-assoziierten Virus in einer Zelle exprimiert werden. Er ging das Projekt zunächst in der ihm eigenen Manier an: Gerade erst im zweiten Jahr seines Graduiertenstudiums angekommen, wollte er unbedingt mit aller Kraft einen raschen „Touchdown“– nämlich als Erstautor einen Artikel veröffentlichen. Um das vermeintlich letzte Experiment rasch zum Abschluss zu bringen, nahm er Nachlässigkeiten in Kauf. „Was ich da versucht habe, war Wissenschaft für die Mülltonne“, gibt er heute selbst zu. Und Samulski reagierte entsprechend und schickte ihn erst einmal nach Hause mit dem Hinweis: „Die Wissenschaft kennt keine Abkürzungen.“

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