Unerschrocken zum Touchdown

15. März 2012

Auf dem College nannten sie ihn wegen seiner Figur und seines ausgeprägten Willens einfach stump – Baumstumpf. Heute ist der ehemalige Footballspieler Samuel Young ein anerkannter Neurowissenschaftler. Mit innovativen Werkzeugen und ausgefeilten Techniken möchte er herausfinden, wie Nervenzellen miteinander kommunizieren. Der Nachwuchsgruppenleiter am
Max Planck Florida Institute ist Forscher durch und durch. Doch seine Karriere verlief ungewöhnlich.

Sam Young kontrolliert den Verlauf eines Experiments. Auf dem Bildschirm im Hintergrund neben dem Mikroskop sind fluoreszierende Nervenzellen zu sehen.

Absehbar war Youngs Karriere zu Beginn seines Studiums nicht – vom Partyfeiernden Collegestudenten und Footballspieler zum virtuosen Forscher auf den Gebieten der Molekularbiologe, Virologie, Elektrophysiologie und Biophysik. Der Wissenschaftler erinnert sich an eine Aussage seines Mentors, des Krebsforschers Arnold Levine: Young hatte eben seinen Abschluss in Princeton gemacht, und Levine meinte, dass es Menschen wie ihn in den Naturwissenschaften eigentlich gar nicht gibt.

Sam Young wuchs in New Jersey in einer typischen amerikanischen Vorstadtsiedlung auf – in Caldwell, 20 Kilometer von New York entfernt. Er wohnte in einem zweistöckigen Haus im Kolonialstil, inklusive Garageneinfahrt und Garten nach hinten. Als er noch klein war, arbeitete seine Mutter freitags und samstags als Kellnerin. Später kümmerte sie sich die ganze Zeit um ihre Kinder und ging erst wieder arbeiten, als Sam die Highschool besuchte. Vor zwei Jahren erwarb sie im Alter von 60 Jahren noch einen Collegeabschluss. Der Vater war Vertreter einer Firma, für die er in Newark Snackfood auslieferte.

Die benachbarte Stadt war berüchtigt: In vielen Vierteln waren Drogenkriminalität, Bandenkriege und Straßenüberfälle die Tagesordnung. Auch Youngs Vater wurde überfallen und angeschossen. Daraufhin ging er in Frühpension. „Mein Vater war hochintelligent, aber er hatte leider nicht die Ausbildungschancen, die er seinen Kindern später eröffnen konnte.“

Gute Ausbildung als Starthilfe

Ihr braucht eine gute Ausbildung, damit ihr nicht eines Tages wie ich schwer
körperlich arbeiten müsst, um euren Lebensunterhalt zu verdienen, habe der Vater immer wieder gesagt. Sam Young und seine Geschwister nahmen sich das zu Herzen. Sams älterer Bruder Andrew war der Erste in der Familie, der ein Collegestudium absolvierte, um dann eine Karriere in der Pharmaindustrie zu starten. Sein jüngerer Bruder promovierte in Chemie und ist als leitender Forschungschemiker auf dem Gebiet der umweltfreundlichen Energietechnologie tätig.

„Es fällt mir heute schwer, das zu sagen“, erzählt Sam Young und macht eine Pause beim Essen, „aber mein Vater schlug uns Kinder gelegentlich – und das machte mich in gewisser Hinsicht unsicher. Gleichzeitig führten die Schläge dazu, dass ich härter wurde – und körperlicher und seelischer Bestrafung standhalten konnte.“ Zudem war Young kräftig gebaut und ein guter Sportler: „Ich hatte das Gefühl, dass mich nichts brechen kann. Ich war immer überzeugt, alles schaffen zu können.“

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