Unerschrocken zum Touchdown

15. März 2012

Auf dem College nannten sie ihn wegen seiner Figur und seines ausgeprägten Willens einfach stump – Baumstumpf. Heute ist der ehemalige Footballspieler Samuel Young ein anerkannter Neurowissenschaftler. Mit innovativen Werkzeugen und ausgefeilten Techniken möchte er herausfinden, wie Nervenzellen miteinander kommunizieren. Der Nachwuchsgruppenleiter am
Max Planck Florida Institute ist Forscher durch und durch. Doch seine Karriere verlief ungewöhnlich.

Seine früheren Arbeitsgeräte hat Sam Young immer griffbereit: den Football im Regal ...

Young glänzte außerdem in der Schule: „Ich musste nie lernen, alles fiel mir immer sehr leicht“, erinnert er sich. Zudem entdeckte er früh seine Neigung zu den Naturwissenschaften. Eine seiner Lieblingslektüren war das Buch Science experiments you can eat – Experimente, die man essen kann. Damit erforschte er, wie Kohl als Detektor Säure aufspürt, wie Bakterien Joghurt herstellen und Zucker sich in Karamell verwandelt.


Auf der Highschool fing er dann an, Football zu spielen. Young war zwar nicht der Größte in der Mannschaft – 1,78 Meter ist in diesem Sport eher unterer Durchschnitt –, doch stark und furchtlos. Sein Ruf als begabter Spieler half ihm bei seinen Collegebewerbungen. Und es war gerade die Eliteuniversität Princeton, die dankbar war, den Footballspieler mit ausgezeichneten Noten in ihrem neuen Collegejahrgang aufzunehmen. Für Young war es eine Bestätigung, dass er alles meistern könne.


Standesdünkel und Vorurteile

Einmal dort angekommen, erlebte er allerdings einen Kulturschock: Die meisten
seiner Studienkollegen stammten aus wohlhabenden Familien, hatten Privatschulen besucht und genossen alle Vorteile, die ein solches Umfeld zu bieten hat. Alle waren seit ihrem ersten Lebenstag darauf vorbereitet, eine Ivy- League-Universität zu besuchen. „Ich hatte anfangs große Probleme mit dem Elitedenken am Campus“, sagt Young. Seine Kommilitonen ließen ihn und andere Footballspieler spüren, dass sie in ihren Augen nur wegen des Sports in Princeton angenommen worden waren. Das schweißte natürlich zusammen – im Kreis der Footballmannschaft fand Young bald ein Zuhause.

Sam Young begann das erste Semester gleich mit einem Experiment: „Weil ich immer gut in Naturwissenschaften war, wollte ich wissen, was passiert, wenn ich nur Seminare in den Sozial- und Geisteswissenschaften belege. Das war aber keine gute Idee, wie sich später herausstellte.“ Gleichzeitig feierte er kräftig – ganz so wie viele amerikanische Collegestudenten, die erstmals fern von zu Hause wohnen. Young lebte die Initiationsriten in die Welt des frühen Erwachsenseins besonders exzessiv aus. „Ich war der Typ, der bei einer Feier immer etwas Verrücktes tat. Die meisten meiner Mitstudenten kannten nicht einmal meinen richtigen Namen, für die war ich einfach nur Stump.“ „Stump“ steht für „Baumstumpf“ – der Mann, der so breit wie groß ist und nichts und niemandem ausweicht.

Als er sich wieder den Naturwissenschaften zuwandte, entschied er sich, Molekularbiologie als Hauptfach zu wählen. Also wurde er im entsprechenden Fachbereich bei der Sekretärin vorstellig. Die sah ihn nur an und sagte: „In unserem Department gibt es keine Footballspieler.“ Doch einer der Stars, der Krebsforscher Arnold Levine, war selbst Footballfan und nahm Young unter seine Fittiche. „Wenn Arnie Levine mir keine Chance gegeben hätte, wäre ich heute wahrscheinlich kein Wissenschaftler“, sagt Young.

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