Technologietransferpreis für Lichtmikroskope mit molekularer Auflösung

Erfolgreiche wirtschaftliche Verwertung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung

3. Dezember 2021

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft hat den Technologietransferpreis an abberior Instruments, das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und Max-Planck-Innovation verliehen. Die drei Einrichtungen erhalten die Auszeichnung für die unternehmerische Umsetzung von Forschungsergebnissen auf dem Gebiet der hochauflösenden Lichtmikroskopie.

Durch erfolgreiche Innovations- und Transferarbeit ermöglicht: Hochauflösende Mikroskopie macht zugänglich, was in lebenden Zellen vor sich geht. Die Fasern des Zellskeletts (blau sichtbar) und die Mitochondrien (gelb sichtbar) sind in ihrer Struktur klar erkennbar. Das eingesetzte Mikroskop und die Farbstoffe werden dabei parallel bei abberior (weiter-)entwickelt.

abberior Instruments vermarktet die weltweit einzigen Lichtmikroskope mit molekularer Hochauflösung. Das Göttinger Unternehmen ging 2012 aus der Abteilung NanoBiophotonik von Stefan Hell am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie hervor. Max-Planck-Innovation, als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, begleitete die Firmengründung und lizenzierte die Erkenntnisse im Feld der Fluoreszenzmikroskopie an das damalige Start-up aus. Mittlerweile ist abberior Instruments mit 85 Mitarbeitenden in Europa, Nordamerika und China vertreten.

Die Grundlage für die Ausgründung der abberior Instruments GmbH war die bahnbrechende Entdeckung am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, dass man die Abbesche Beugungsgrenze mit geeigneten physikalischen Effekten überwinden und das Auflösungsvermögen herkömmlicher Lichtmikroskope um das bis zu Zehnfache steigern kann – und prinzipiell noch mehr. Dabei werden eng benachbarte fluoreszierende Moleküle sequenziell dunkel gehalten, sodass sie nicht auf einmal, sondern nacheinander aufleuchten. Sie können somit im Lichtmikroskop unterschieden werden. Für diese wegweisenden Arbeiten wurde Hell im Jahr 2014 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Gerald Donnert, abberior-Geschäftsführer, freut sich über die Anerkennung und hat gleichzeitig klare Ziele vor Augen: „In letzter Konsequenz sind unsere Mikroskope Werkzeuge, mit denen man grundlegende Entdeckungen in der Biologie und Medizin machen kann, die in Zukunft allen zugutekommen. Wir von abberior Instruments wollen Forscherinnen und Forscher aus aller Welt mit den schärfsten und leistungsfähigsten Fluoreszenzmikroskopen ausstatten, die man zurzeit bauen kann.“ Das bringe die industrielle und akademische Forschung voran und helfe, die Systematik von Krankheiten oder des Lebens auf molekularer Skala zu erkennen.

Auszeichnung für Mut und Risikobereitschaft

Der Physiker hat viele Jahre in der Abteilung NanoBiophotonik von Max-Planck-Direktor Stefan Hell auf dem Gebiet der hochauflösenden Mikroskopie geforscht. Gemeinsam mit anderen Abteilungskollegen vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie sowie Forschenden des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, gründeten Donnert und Hell abberior Instruments. Hell, der noch heute wissenschaftlicher Berater des Unternehmens ist, sieht in dem Preis auch eine Auszeichnung für Risikobereitschaft und unternehmerisches Können: „Der Technlogietransferpreis ist eine Anerkennung für den Mut der Gründer, auf eigenes Risiko ein Unternehmen ins Leben zu rufen. Er würdigt auch ihr Geschick, alle unternehmerischen Herausforderungen so zu meistern, dass diese Ausgründung aufgrund ihres technologischen Vorsprungs organisch wachsen kann.“

Max-Planck-Innovation-Geschäftsführer Jörn Erselius ergänzt: „Wir freuen uns sehr, dass wir als Technologietransfer-Einrichtung der Max-Planck-Gesellschaft ein so erfolgreiches Unternehmen über viele Jahre auf dem Weg zur Gründung und darüber hinaus begleiten durften. abberior Instruments ist ein Paradebeispiel für eine gelungene ausgründungsbasierte Überführung von Ergebnissen exzellenter Grundlagenforschung in herausragende innovative Produkte im Bereich der Mikroskopie.“

Die offizielle Preisvergabe findet voraussichtlich im Rahmen der DPG-Jahrestagung im März 2022 statt.

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