„Ich bin überglücklich, im Team von Stefan Hell zu sein“

Das Nobelpreisträger-Stipendium

11. Juni 2018

Jonas Bucevicius ist einer von über 35 jungen Wissenschaftlern, die auf der Jahresversammlung der Max-Planck-Gesellschaft zur Würdigung ihrer Forschungsleistungen ausgezeichnet werden. Der 30-jährige Litauer erhält das „Nobelpreisträger-Stipendium“ von Stefan Hell. Im Interview haben wir ihn über seine Forschungsarbeit und sein Leben in Deutschland befragt.

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Jonas Bucevicius am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen wird für seine Forschungsleistungen mit dem „Nobelpreisträger-Stipendium“ von Stefan Hell ausgezeichnet.

Wie fühlt es sich an, das Nobelpreisträger-Stipendium von Stefan Hell zu erhalten?

Ich fühle mich außerordentlich geehrt, von Stefan Hell zur Würdigung meiner Leistungen nominiert worden zu sein. Für mich ist das mehr als einfach nur eine Auszeichnung, weil mit dem Stipendium auch ein zweijähriger Arbeitsvertrag an einem Max-Planck-Institut sowie Ressourcen verbunden sind, mit denen ich meine Forschung weiter voranbringen kann. Deshalb bin ich wirklich glücklich darüber, dass ich meine Arbeit am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen fortsetzen kann.

Erzählen Sie uns doch bitte ein wenig über Ihre Forschungen

Also ich bin Chemiker für organische Chemie und verbringe meine Tage größtenteils im Labor. Ich versuche, neue bzw. optimierte fluorogene Sonden zu synthetisieren, um Biomoleküle oder bestimmte Zellteile bildlich darzustellen. Auf diese Weise möchte ich dazu beitragen, einen Werkzeugkasten zu entwickeln, mit dem lebende Zellen sichtbar gemacht werden können. Diese Methoden sind sehr wichtig für Molekular-, Zellbiologen oder Biochemiker, um tiefere Erkenntnisse über Lebensprozesse in Zellen und Organismen zu gewinnen.

Wie kam es dazu, dass Sie Wissenschaftler geworden sind?

Schon in der Schule habe ich mich sehr stark für Chemie interessiert. Deshalb war mir schon ziemlich früh klar, dass ich Chemiker werden will. Dann habe ich festgestellt, dass organische Chemie sogar noch interessanter ist und habe mich deshalb an der Universität Vilnius für ein Bachelorstudium in organischer Chemie eingeschrieben. Ich bin dabei geblieben - und habe meine Entscheidung nie bereut. Nach meiner Promotion habe ich ein Jahr lang als Dozent gearbeitet. Als ich dann von der offenen Postdoktorandenstelle im Team von Stefan Hell erfahren habe, habe ich mich sofort beworben – und bin genommen worden. Ich arbeite jetzt schon seit einem Jahr in Göttingen und bin wirklich froh, dieses Stipendium bekommen zu haben.

Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Deutschland und Litauen – sowohl im alltäglichen Leben als auch unter wissenschaftlichen Aspekten?

In Deutschland – und insbesondere am Max-Planck-Institut – herrschen ideale Forschungsbedingungen. Die Labore sind gut ausgestattet, die Infrastruktur ist hervorragend und es gibt viele Sachmittel oder Fördermittel, die man beantragen kann. Im Alltag gibt es aus meiner Sicht nicht so viele Unterschiede. Die deutsche Kultur und die litauische Kultur sind sich meiner Ansicht nach eigentlich ziemlich ähnlich. Der größte Unterschied ist der Unterschied zwischen Vilnius und Göttingen. Vilnius ist eine Großstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern und Göttingen hat gerade einmal so um die 120.000. Das war schon eine große Umstellung – eine kleinere Stadt hat aber auch ihre Vorteile: Ich kann problemlos überall mit dem Rad hinfahren – seit ich nach Deutschland gekommen bin, bin ich deshalb zu einem Fahrradfahrer geworden.

Welche Pläne haben Sie denn für die Zukunft?

Das weiß ich noch nicht. Es wäre natürlich toll, wenn ich nach meinem Stipendium am Max-Planck-Institut bleiben könnte. Das wird sich dann zeigen. Momentan freue ich mich einfach auf die kommenden zwei Jahre. Außerdem ziehen meine Frau und meine kleine Tochter in diesem Sommer hierher nach Göttingen - darüber bin ich natürlich auch sehr glücklich!

Interview: Tobias Herrmann

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