Zurück in die Zukunft der Energie

Eine Forschungsinitiative zielt auf den gesellschaftlichen Wandel, der mit der Energiewende verbunden ist

Der Klimawandel wird sich nur mit einer weltweiten Energiewende eindämmen lassen. Die Energieversorgung neu zu ordnen, fordert die Menschheit dabei nicht nur technisch und naturwissenschaftlich heraus, sondern auch sozial und ökonomisch. Wie eine Gesellschaft den Wandel meistern und vor allem welche Lehren sie dafür aus ähnlichen Transformationen in der Vergangenheit ziehen kann, ist Gegenstand einer Forschungsinitiative der Max-Planck-Gesellschaft, die eventuell in einer neuen Abteilung oder gar einem neuen Institut münden könnten. Die Hintergründe und Ziele der Initiative schildern Max-Planck-Wissenschaftler in einem White Paper, das im Rahmen eines Nature Outlooks ‚Energy transitions‘ veröffentlicht wurde. Diese Sonderveröffentlichung des Nature-Verlags, die von der Max-Planck-Gesellschaft unterstützt wurde, beleuchtet, wie die Energiewende soziotechnisch gestaltet werden kann.

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Solarthermie-Kraftwerke wie hier in Barstow in der Mojave-Wüste (Kalifornien, USA) sind ein Element einer Energieversorgung, die auf regenerative Quellen setzt.
Solarthermie-Kraftwerke wie hier in Barstow in der Mojave-Wüste (Kalifornien, USA) sind ein Element einer Energieversorgung, die auf regenerative Quellen setzt.

Die Menschheit hat schon einige Energiewenden hinter sich. Das fing mit der Entdeckung des Feuers an, ging mit der Nutzung von Wasser- und Windkraft weiter und darf bei der Erfindung der Dampfmaschine und dem Beginn der Kohlekraft zu Beginn der Industrialisierung sowie dem Einstieg in das Erdölzeitalter noch nicht Halt machen – zumindest, wenn wir den Klimawandel auf ein Maß begrenzen wollen, der für Mensch und Umweltgerade noch verträglich ist.

Nicht zuletzt die Epochen der fossilen Brennstoffe brachten massive Eingriffe sowohl in die globalen Stoffkreisläufe als auch in die gesellschaftliche Ordnung mit sich. So bedeutete der Beginn des Erdölzeitalters massive Umwälzungen für die industrielle und städtische Infrastruktur. Neue Unternehmen entstanden, und mit dem Automobil ergaben sich völlig neue Möglichkeiten individueller Mobilität, die auch ein bis dato nicht gekanntes Maß persönlicher Freiheit erlaubten. Gleichzeitig schwand die Bedeutung mancher Branchen, und viele Arbeitsplätze gerieten in Gefahr.

Eine Initiative zur historischen Erforschung von Energiewenden

Solche Transformationen des Energiesystems in der Vergangenheit halten Lehren bereit, wie die Menschheit die Energiewende meistern kann, die sie nun vollziehen muss, damit die Erderwärmung kein katastrophales Ausmaß annimmt. Die historische Perspektive kann dabei vor allem helfen, die mit dem Umbau der Energieversorgung verbundenen sozialen Herausforderungen zu bewältigen. Daher haben Max-Planck-Forscher um Jürgen Renn, Direktor am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, und Robert Schlögl, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion, eine Initiative angeregt, um die historische Erforschung von Energiewenden voranzutreiben, die die Menschheit bereits vollzogen hat. Im Rahmen dieser Forschungsinitiative könnte eventuell eine Abteilung oder gar ein Max-Planck-Institut entstehen, um letztlich Erkenntnisse über soziotechnisch Aspekte der aktuellen Neuordnung der Energieversorgung zu gewinnen. Die Motivation für den geschichtswissenschaftlichen Blick auf Transformationen der Energieversorgung, Beispiele für solche Veränderungen und damit verbundene Fragen, die auch die nun zu bewältigende Energiewende berühren, führen Jürgen Renn und Robert Schlögl in einem White Paper aus.

Die Energiewende als sozio-technische Aufgabe

In den kommenden Jahrzehnten muss die Menschheit ihre Energieversorgung demnach mindestens ebenso tiefgreifend umkrempeln, wie das bereits in der Vergangenheit mehrfach der Fall war. In der Moderne sind Wohlstand, Freiheit und Fortschritt fast automatisch mit einem hohen individuellen Energieverbrauch verbunden. Immer mehr Menschen möchten an den damit verbundenen Errungenschaften teilhaben. Dieses nachvollziehbare Streben muss genauso, wie der Anspruch der Industrienationen, weiterhin die Annehmlichkeiten der modernen Kultur zu genießen, mit den gravierenden Nachteilen versöhnt werden. Die Industrienationen müssen dabei eine Vorreiterrolle einnehmen, damit der Klimawandel noch auf ein verträgliches Maß begrenzt werden kann.

Wie der technische und gesellschaftliche Wandel, der mit einer globalen Energiewende verbunden ist, gelingen kann und welchen Beitrag die Kombination von Erkenntnissen aus den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften dazu leisten können, führt das Nature Outlook Energy transitions aus. In dieser Sonderveröffentlichung, die der Nature-Verlag mit der finanziellen Unterstützung der Max-Planck-Gesellschaft erstellt hat, erscheint auch das White Paper von Jürgen Renn und Robert Schlögl. Sie beleuchtet in zahlreichen redaktionellen Beiträgen verschiedene Aspekte der Energiewende: von historischen Umwälzungen der Energieversorgung über lokale Initiativen Energie, alleine aus regenerativen Quellen zu gewinnen, bis hin zur Frage nach der globalen Gerechtigkeit im Energieverbrauch. Denn den Energiebedarf der Menschheit künftig klimaverträglich zu decken, ist nicht nur eine Frage von effektiven Energiewandlern wie etwa Solar- und Brennstoffzellen oder von leistungsfähigen und kostengünstigen Energiespeichern. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn bei der Nutzung von Energie in allen Teilen der Gesellschaft ein Umdenken einsetzt und der damit verbundene sozioökonomische Wandel aktiv gestaltet wird.

PH

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