Forschung trifft Fiktion

23. Januar 2017

Im Vorfeld des Filmstarts von Hidden Figures – Vergessene Heldinnen, der am 2. Februar in die deutschen Kinos kommt, diskutieren Vertreterinnen aus Wissenschaft, Politik und der Filmbranche darüber, wie Spielfilme und Serien naturwissenschaftlich-technische Themen transportieren und positive Rollenvorbilder schaffen können. Auf dem Podium in der Berliner Astor Filmlounge sitzen unter anderem Staatssekretärin Brigitte Zypries, Barbara Teufel, Regisseurin und Sprecherin Pro Quote, sowie Marion Esch von der Stiftung MINTEEE.

Der Film "Hidden Figures" thematisiert die Geschichte von drei afroamerikanischen Mathematikerinnen, die maßgeblich am Mercury- und am Apollo-Programm der Nasa beteiligt waren.

Forschung und Wissenschaft in Film und Fernsehen

Um wissenschaftliche Themen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gibt es eine Reihe etablierter Wege: Beiträge in Tageszeitungen oder Fachmedien, Radio- und TV-Berichte. Einen ganz neuen Weg will die von der Max-Planck-Gesellschaft geförderte Stiftung für MINT – Entertainment – Education –Excellence kurz MINTEEE erschließen: Fiktionale Filme oder Serien. Diese könnten mit einer deutlich breiteren Wirkung dazu beitragen, das Verständnis für Wissenschaft in der Bevölkerung zu verbessern.

Wie kann es sein, dass in einem Hightech-Land wie Deutschland, Forschung und Technik sowie diejenigen, die sie hervorbringen – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler oder Ingenieurinnen und Ingenieure – im Fernsehen nicht vorkommen? Um Antworten auf die Frage zu finden und mit den Verantwortlichen der Sender und Filmschaffenden zu diskutieren, organisiert MINTEEE immer wieder Veranstaltungen und Workshops. Die Stiftung ging aus dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zwischen Ende 2007 und Mitte 2013 geförderten Projekt MINTIFF – MINT in fiktionalen Formaten hervor. Sie hat das Ziel, in Kooperation mit der Max-Planck- sowie der Fraunhofer-Gesellschaft, eine Plattform für die Vernetzung, den Austausch und die Entwicklungszusammenarbeit von Science und Fiction zu schaffen.

Vorreiter USA

Der Austausch zwischen Wissenschaftsorganisationen und Filmemachern zeigt sich beim Blockbuster "Der Marsianer": Regisseur Ridley Scott ließ sich von der Nasa fachlich beraten.

Die Zusammenarbeit – so die Erfahrungen aus den USA und Großbritannien – ist für beide Seiten gewinnbringend. Wissenschaft bringt ihre Expertise ein, um ein möglichst realistisches Bild zu geben, die Filmschaffenden geben Anregungen zu gesellschaftlich-relevanten Aspekten und verhelfen zu einem anderen Blick auf die eigene Forschung – Transdisziplinarität, wie sie oft gewünscht wird. In den USA gibt es seit Längerem einen gezielten Austausch, etwa zwischen der renommierten National Academy of Sciences und der Unterhaltungsindustrie. Eines der vielen erfolgreichen Beispiele, der Film „Der Marsianer“. Regisseur Ridley Scott legte großen Wert auf Plausibilität und Realismus für die Darstellung der Marsmission. Er und sein Team arbeiteten eng mit der Nasa zusammen.

Um den aktuell mangelhaften Dialog von Wissenschaft und Filmbranche zu verbessern, organisiert MINTEEE nicht nur Diskussionsveranstaltungen sondern auch Workshops und Hospitationen an Forschungsinstituten. Erfolge dieser Aktivtäten sind zum Beispiel die ZDF-Produktion „Zwischen den Zeiten“ (2014) und der Spielfilm „Wir sind die Flut“ (2016). Der Film entstand in Kooperation der Filmhochschulen Babelsberg und Ludwigsburg und mit wissenschaftlicher Beratung durch das MPI für Kernphysik.

BK

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