Partielle Sonnenfinsternis über Deutschland

Das eindrucksvolle Schauspiel am Vormittag des 20. März ließ sich mit bloßem Auge und geeignetem Schutz beobachten

Am 20. März haben wir in Mitteleuropa ein kosmisches Schattenspiel erlebt: Am Vormittag hat sich der Neumond über die Sonne geschoben und diese im Maximum zu mehr als 80 Prozent verdeckt. Das Tageslicht wurde spürbar fahler. Eine partielle Finsternis dieser Größe werden wir in Deutschland erst wieder in elf Jahren erleben. Was steckt hinter diesem Spektakel?

Am Freitag wurde es dunkel am Himmel. Gegen 9.30 Uhr berührte der Neumond den östlichen Rand der Sonnenscheibe. Das war der Auftakt zu einem Schattenspiel, wie es bis zum 12. August 2026 in unseren Breiten nicht mehr vorkommen wird. Während des Höhepunkts der partiellen Phase bedeckte der Mond immerhin bis zu 80 Prozent der Sonnenscheibe.

Allgemein galt: Je weiter nördlich der Standpunkt, desto stärker wurde die Sonne bedeckt. Während es in München knapp 68 Prozent waren, verzeichnen Beobachter in Berlin gut 75, in Hamburg 79 und in Kiel mehr als 80 Prozent. Auch die Uhrzeiten schwankten: So lag der Beginn der partiellen Finsternis in Deutschland zwischen 9.26 Uhr (Freiburg) und 9.41 Uhr (Stralsund). Der Höhepunkt trat an den beiden genannten Orten zwischen 10.34 und 10.49 Uhr ein, das Ende zwischen 11.46 und 12.00 Uhr.

Während der Finsternis stand die Sonne schon hoch am Himmel. Bei klarem Wetter ließ sich das kosmische Spektakel hervorragend verfolgen. Dazu reichte das bloße Auge. Man musste sich aber gut schützten! Wer ohne entsprechende Vorsichtmaßnahmen die gleißend helle Sonnenscheibe betrachtete, riskierte irreparable Sehschäden.

Mit dem bloßem Auge sah man, wie sich die kohlschwarze Scheibe des Neumonds allmählich in die Sonne „hineinfrisst“. Teleskope mit entsprechender Vergrößerung zeigten, dass der Mondrand nicht vollkommen glatt verläuft: Hie und da verratem sich Mondgebirge als winzige Ecken oder Einbuchtungen. Außerdem kann der Erdtrabant bei seiner Wanderung über das Tagesgestirn den einen oder anderen Sonnenfleck verdecken. Im Kontrast zur inneren Zone eines Flecks (Umbra) und erst recht zu dessen äußeren Hof (Penumbra) erscheint der Mond noch deutlich schwärzer.

Wer die Finsternis mit einem optischen Gerät verfolgten, konnte vom Hersteller zugelassenes Material verwenden. Am besten eigneten sich Folien oder Filter, die das Licht erst gar nicht in das Instrument lassen; sogenannte Okularfilter dagegen können wegen der großen Hitze platzen und sind daher nicht empfehlenswert. Am sichersten blieb die Projektionsmethode, bei der das Bild der Sonne auf einen weißen Schirm projiziert wurde und sich dort gefahrlos und von mehreren Personen gleichzeitig betrachten ließ.

Am 20. März standen Sonne, Neumond und Erde auf einer Linie. Weil die Mondbahn gegenüber der Ebene, in der die Erde um die Sonne läuft, um etwa fünf Grad geneigt ist, tritt eine solche Konstellation relativ selten ein. Nur wenn sich der Mond nahe einem der beiden „Knoten“ genannten Bahnschnittpunkte befindet, kann sein Schatten unseren Planeten treffen.

Am 20. März berührte die Spitze dieses Kernschattens gegen 10.14 Uhr erstmals die Erdoberfläche im Nordatlantik südlich von Grönland. Dort hat eine totale Sonnenfinsternis begonnen. Mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit raste der Schatten in nordöstlicher Richtung über das Meer. Sein Weg führte zwischen den Britischen Inseln und Island über die Färöer-Inseln nach Spitzbergen und endete in der Arktis knapp 70 Kilometer vom Nordpol entfernt. Die Totalität dauerte maximal 2 Minuten und 47 Sekunden.

Weil der Kernschatten vor allem über Wasser oder unbewohntes Gebiet führte, konnten nur wenige Menschen Augenzeigen der totalen Phase sehen. Das Slooh Community Observatory auf den Färöer-Inseln übertrug die Finsternis live im Internet. Die Europäische Weltraumagentur ESA verfolgte das Spektakel ebenfalls: Der Minisatellit Proba-2 schaute von seiner 820 Kilometer hohen Umlaufbahn zur Sonne, während andere Satelliten der Proba-Familie die Wanderung des Mondschattens über die Erdoberfläche festhielten.

Stürmische Sonne

Die Sonne ist einer von 200 Milliarden Sternen in unserer Milchstraße – und für uns der wichtigste. Denn ohne ihre Energie gäbe es auf der Erde kein Leben. Wovon aber lebt die Sonne? Der Film führt tief ins Innere des kosmischen Gasballs, wo in jeder Sekunde ungeheure Mengen von Wasserstoff in Helium umgewandelt werden.

HOR/BA

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