Rosettas Zielkomet erwacht

Kamera an Bord der ESA-Raumsonde beobachtet 67P/Churyumov-Gerasimenko

15. Mai 2014

Der Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko, Ziel der ESA-Mission Rosetta, hat begonnen eine Staubkoma auszubilden. Das zeigt eine Abfolge von Bildern, die OSIRIS – das wissenschaftliche Kamerasystem der Raumsonde – zwischen dem 27. März und dem 4. Mai dieses Jahres aufgenommen hat. Auf den Bildern, die von Ende April stammen, ist der Staub, den der Komet ins All spuckt, bereits als entstehende Koma klar zu erkennen. Die Staubhülle reicht etwa 1300 Kilometer in den Weltraum. Das OSIRIS-Team präsentierte diese Ergebnisse jetzt bei einem Treffen am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung.

Am 30. April reichte die Koma des Kometen etwa 1300 Kilometer ins All. Für die Nahaufnahme auf der rechten Seite wurde eine lange Abfolge von Bildern aufgenommen (Belichtungszeit jeweils zehn Minuten) und übereinandergelegt.

„67P fängt nun an auszusehen wie ein echter Komet“, sagt Max-Planck-Forscher Holger Sierks, der Leiter des OSIRIS-Teams. Die Bilder, welche Ende April aus einer Entfernung von etwa zwei Millionen Kilometern aufgenommen wurden, zeigen nicht nur einen Kometenkern, sondern auch blasse Strukturen in seiner Umgebung. Nähern sich Kometen der Sonne, verdampfen leichtflüchtige Gase von ihrer Oberfläche und reißen Fontänen aus winzigen Staubteilchen mit sich. Gase und Staub bleiben durch die Schwerkraft zum Teil an den Kometenkern gebunden und speisen die sogenannte Koma, die Atmosphäre des Kometen.

Noch trennen den Schweifstern 67P/Churyumov-Gerasimenko mehr als 600 Millionen Kilometer von der Sonne. Dass der Komet schon jetzt beginnt aktiv zu werden, bietet Forschern die Gelegenheit, Staubentwicklung und Strukturen innerhalb der Koma bereits in einer frühen Missionsphase zu untersuchen. „Es ist schwer zu glauben, dass Rosetta schon in wenigen Monaten in diese Staubwolke eintauchen und sich dem Ursprung der Kometenaktivität annähern wird“, sagt Sierks.

Aus den periodischen Helligkeitsänderungen, die der Komet im Laufe mehrerer Stunden zeigt, konnte das OSIRIS-Team nun auch die Zeit berechnen, die der Körper für eine Umdrehung benötigt: Mit 12,4 Stunden ist diese Spanne etwa 20 Minuten kürzer als bisher angenommen.

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Rosetta ist eine Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA mit Beiträgen der Mitgliedsstaaten und der amerikanischen US-Raumfahrtbehörde NASA. Rosettas Landeeinheit Philae wurde von einem Konsortium unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) und der französischen und italienischen Weltraumagentur (CNES und ASI) zur Verfügung gestellt. Rosetta wird die erste Mission in der Geschichte sein, die einen Kometen anfliegt, ihn auf seinem Weg um die Sonne begleitet und eine Landeeinheit auf seiner Oberfläche absetzt.

Das wissenschaftliche Kamerasystem OSIRIS wurde gebaut von einem Konsortium unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Zusammenarbeit mit CISAS, Universität Padova (Italien), Laboratoire d'Astrophysique de Marseille (Frankreich), Instituto de Astrofísica de Andalucia, CSIC (Spanien), Scientific Support Office der ESA (Niederlande), Instituto Nacional de Técnica Aeroespacial (Spanien), Universidad Politéchnica de Madrid (Spanien), Department of Physics and Astronomy of Uppsala University (Schweden) und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze der TU Braunschweig. OSIRIS wurde finanziell unterstützt von den Weltraumagenturen Deutschlands (DLR), Frankreichs (CNES), Italiens (ASI), Spaniens (MEC) und Schwedens (SNSB).

BK / HOR

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