Wie unterschiedlich Rentensysteme die Bevölkerung absichern

Die Pension Maps des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik erleichtern Vergleiche zwischen der Altersvorsorge in verschiedenen Ländern

Welches Land hat das beste Rentensystem? Darauf gibt es zwar keine einfache Antwort, aber mithilfe der Pension Maps des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik nun erstmals eine leicht verständliche Übersicht über die Alterssicherung in zehn Ländern: Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Großbritannien, Griechenland, Norwegen, die Tschechische Republik, Slowenien und Bulgarien. Anhand einfacher Grafiken lässt sich auf einen Blick ablesen, wie die Alterssicherung in einem Land organisiert ist, welche Sicherungsfunktion die verschiedenen Teile des Systems haben, wer Zugang zu einer Zusatzversorgung hat und wie hoch das durchschnittliche Rentenniveau in einem Land im Vergleich zum Durchschnitt in Europa und der OECD ist.

Auf der Webeseite des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik bietet das  Projekt Pension Maps einen Überblick über Rentensysteme verschiedener Länder. Fährt man mit der Maus über die Karte, gibt es eine Vorschau für die bislang ausgewerteten Länder. Genauere Informationen erhält man per Mausclick.

„Die Idee der Pension Maps ist, die aufgrund ihrer historischen Wurzen teilweise sehr unterschiedlichen Alterssicherungssysteme auf eine für jeden verständliche Weise sichtbar zu machen und miteinander vergleichen zu können“, sagt Ulrich Becker, Direktor am Max-Planck-Institut für Sozialrecht. Er ist Leiter der sozialrechtlichen Abteilung, die die Pension Maps in Zusammenarbeit mit Sozialrechtsexpertinnen und –experten aus ganz Europa erstellt hat. Mithilfe der Visualisierung lässt sich schnell erkennen, dass die deutsche gesetzliche Rentenversicherung nicht die gesamte Bevölkerung umfasst, wie dies bei der staatlichen Rentenversicherung in Norwegen der Fall ist. Dafür ist das deutsche Rentensystem weniger stark in verschiedene Berufsgruppen zersplittert als das französische, das besonders deutlich macht, wieso dort Rentenreformen aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Interessen so schwierig sind.

Von einem besonders großzügigen Rentensystem profitieren die Österreicher. Nicht nur liegt hier die Netto-Lohnersatzrate aus der gesetzlichen Rente nach OECD-Angaben für einen Standardrentner bei fast 90 Prozent (Deutschland: knapp 52 Prozent). Die österreichische Rentenversicherung gewährt nach einer Einkommensprüfung auch eine Ausgleichszulage, die eine Mindestrente garantiert. Langjährig Versicherte können darüber hinaus noch einen Pensionsbonus erhalten. Demgegenüber ist eine Mindestsicherung kein explizites Ziel der wenig umverteilenden deutschen gesetzlichen Rentenversicherung. Und während das Renteneintrittsalter für Deutsche bis 2029 auf 67 Jahre erhöht wird, können Österreicher weiterhin mit 65 Jahren in Rente gehen.

Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, wurde für die Darstellung der Rentensysteme ein Kategoriensystem entwickelt, das Rechtsform, Funktion, Zugangsberechtigung, Art der Zugehörigkeit (verpflichtend oder freiwillig), Bedürftigkeitsprüfung sowie Finanzierungsarten und -quellen umfasst. Ausgegangen wird zudem von einer Person, die im Jahr 2020 ins Berufsleben und damit als Beitragszahler in das Alterssicherungssystem eintritt. Zu jeder Pension Map gibt es neben einer kurzen allgemeinen Zusammenfassung auch tabellarische Übersichten über die wichtigsten institutionellen Merkmale, Finanzierungsmechanismen, Anspruchsvoraussetzungen und Leistungen.

Alle Pension Maps und die ergänzenden Informationen sind auf der Homepage des Instituts frei verfügbar. In den kommenden Monaten wird der Renten-Atlas um 22 weitere Länder ergänzt.

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