Gleichberechtigung führt nicht immer zu gleicher Gesundheit

Frauen in Havanna schätzen ihre Gesundheit deutlich schlechter ein als Männer in der kubanischen Hauptstadt.

In gleichberechtigten Gesellschaften schätzen Frauen und Männer ihre Gesundheit ähnlich ein – nicht aber auf Kuba. Das belegt Mine Kühn, Forscherin am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock in ihrer jüngsten Publikation.

Frauen in Havanna schätzen ihre Gesundheit deutlich schlechter ein als Männer in der kubanischen Hauptstadt.

Der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen auf Kuba ist besonders klein. Man könnte also annehmen beim Gesundheitszustand sei dies ähnlich. Ist es aber nicht: Frauen in Havanna schätzen ihre Gesundheit deutlich schlechter ein als Männer in der kubanischen Hauptstadt. Ab dem 60. Lebensjahr leiden Frauen zudem häufiger und stärker als Männer unter Depression sowie an chronischen und altersbedingten Krankheiten.

Dabei gilt die kubanische Gesellschaft als besonders gleichberechtigt und das Gesundheitssystem als vorbildlich. Jeder hat dazu kostenlosen Zugang. Schon in den 1960er- und 1970er-Jahren hat sich aufgrund von Gesundheitsreformen insbesondere die Lebenserwartung deutlich verbessert. Sie gehört heute zu den höchsten in Lateinamerika und ist nur etwas geringer als in den USA.

„Um unsere These zu stützen, verglichen wir den Gesundheitszustand der Bewohner Havannas mit Bevölkerungen, die einen schlechteren Zugang zum Gesundheitssystem haben und als weniger gleichberechtigt gelten“, sagt Mine Kühn. Die Forscherin am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock zog als Vergleichspopulationen die Bewohnerinnen und Bewohner von Mexiko-Stadt und die der nicht in den USA geborenen lateinamerikanischen Bevölkerung in den USA heran.

In allen drei Gruppen ist der Gesundheitszustand bei den Frauen schlechter als bei den Männern. Am größten sind die Unterschiede überraschenderweise in Havanna. „Das bleibt auch dann noch so, wenn wir in unseren Berechnungen Einflussfaktoren wie Alter, Einkommen, Bildung, Familienzusammensetzung und Rauchen berücksichtigen“, sagt Mine Kühn. Für ihre Schätzungen nutzte sie Daten der Umfragen “Survey on Health, Well-Being, and Aging in Latin America and the Caribbean” und der “ 2000 Health and Retirement Study“.

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