Traumata hinterlassen Spuren

Traumatische Erlebnisse führen bei Menschen und Mäusen zu ähnlichen epigenetischen Veränderungen

30. August 2019

Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie haben die molekularen Mechanismen untersucht, die bei Menschen und Mäusen zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen können. Dabei haben sie Veränderungen an der Erbsubstanz DNA endeckt, die nach traumatischen Ereignissen auftreten.

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann nach traumatischen Erfahrungen entstehen. Größere Aufmerksamkeit bekam diese Störung erstmals als viele Soldaten, die aus dem Irakkrieg zurückkehrten, ähnliche psychische Probleme zeigten. Doch auch andere traumatische Ereignisse wie sexueller Missbrauch, ein Verkehrsunfall, Naturkatastrophen oder Gewalterlebnisse können eine solche Störung auslösen. Nicht bei allen Menschen, die Traumatisches erleben, kommt es jedoch dazu.

Spezialisten für die Forschung an Menschen und an Mäusen haben die Rolle des Transkriptor-Faktors GILZ (Glukokortikoid-induzierter Leucin- Zipper) untersucht. GILZ wird durch das Gen Tsc22d3 kodiert, das auf dem X-Chromosom sitzt. Es wird von Glukokortikoiden hochreguliert und wirkt entzündungshemmend. Die Wissenschaftler haben sogenannte GILZ-mRNA-Moleküle und deren epigenetische Veränderung durch Methylierung im Blut stark traumatisierter Amerikaner gemessen.

Traumata in Mäusen

Außerdem haben sie in Mäusen zu verschiedenen Zeitpunkten Traumata hervorgerufen: Ein Modellstressor stimulierte vor der Geburt die biologische Aktivierung der zentralen Stressantwort, der andere verursachte ein Verhalten im Erwachsenenalter das einer posttraumatischen Belastungsstörung ähnelt. „Interessanterweise führen bei den Männern mehr traumatische Ereignisse im Leben zu niedrigeren GILZ- mRNA-Werten und umso höherer GILZ-Methylierung. Deshalb nehmen wir an, dass GILZ die Reaktion auf Stress beeinflusst“, erklärt Elisabeth Binder, Direktorin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

Die männlichen Mäuse, die pränatalem und späterem Stress ausgesetzt waren, zeigten dreimal so häufig Symptome wie bei einer posttraumatischen Belastungsstörung wie die Tiere in der Kontrollgruppe. Zudem ging die erhöhte Stressanfälligkeit mit einer reduzierten GLIZ-mRNA und anderen epigenetischen Veränderungen einher. „70 Prozent der Versuchstiere mit reduziertem GLIZ verhalten sich wie bei einer osttraumatische Belastungsstörung. Nur zehn Prozent der nicht behandelten Tiere tun dies“, sagt Alon Chen, ebenfalls Direktor am Münchner Max-Planck-Institut.

Die Erkenntnisse aus der aktuellen Studie könnten dazu beitragen, das Risiko einer posttraumatischen Belastungsstörung frühzeitig einzuschätzen und so eine erneute Traumatisierung zu verhindern.

jk/as/es

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