„Vergebt Eurem ärgsten Feind"

Ein Nachruf auf Eva Mozes Kor

10. Juli 2019

Eva Mozes Kor, eine der letzten Auschwitz-Überlebenden und Opfer biowissenschaftlicher Menschenversuche, ist am 4. Juli 2019 verstorben. Ihr Leben widmete sie der Erinnerungsarbeit an den Holocaust und der Versöhnung – auch mit der Max-Planck-Gesellschaft, die als Nachfolgerin der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft deren durch unethische Forschung belastetes Erbe angetreten hatte.

Eva Mozes Kor bedankt sich bei Max-Planck-Präsident Hubert Markl mit der Hoffnung, "der Welt wenigstens im Kleinen eine Botschaft der Vergebung zu vermitteln."

2001 entschuldigte sich der damalige Max-Planck-Präsident Hubert Markl bei Eva Mozes Kor und anderen Opfern einer menschenverachtenden Wissenschaft für das Leid, das ihnen in der NS-Zeit im Namen der Forschung zugefügt worden war. Er tat dies im Rahmen eines Symposiums, auf dem Ergebnisse aus der Arbeit der von ihm bestellten unabhängigen Historikerkommission zur Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Dritten Reich vorgestellt wurden. „Die ehrlichste Art der Entschuldigung ist die Offenlegung der Schuld“, so Markl in seiner Ansprache. Nicht nur Bio- und Hirnforscher, sondern auch Forscher in der Material- und Züchtungsforschung sowie der Aerodynamik hatten von den Möglichkeiten, die der NS-Staat ihnen einräumte, profitiert; sie legitimierten dessen Ideologie, unterstützten dessen Ziele und machten sich mitschuldig an dessen Verbrechen.

Eva Mozes Kor, die 1934 in Rumänien geboren wurde, kam 1944 zusammen mit ihrer Schwester Miriam in das Konzentrationslager Auschwitz und wurde dort Opfer der Menschenversuche, die der Lagerarzt Josef Mengele an Zwillingen zu Forschungszwecken durchführte. Mengele stand in engem Kontakt mit Wissenschaftlern des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin. Dorthin schickte er auch Blutproben und Präparate getöteter KZ-Insassen, die er für die Forschung selektiert hatte. Eva Mozes Kor und ihre Schwester gehörten zu den sehr wenigen Überlebenden von Mengeles Versuchen.

Kor wanderte 1950 nach Israel aus und lebte später in den USA. Sie engagierte sich seit Ende der 1970er-Jahre aktiv für die Erinnerung an den Holocaust mit dem Ziel der Versöhnung mit den Tätern. Mit anderen Überlebenden gründete sie die Vereinigung Children of Auschwitz – Nazi’s Deadly Lab Experiments Survivor (CANDLES) und 1995 das CANDLES Holocaust Museum and Education Center in Terre Haute (USA). Eva Mozes Kor starb am 4. Juli 2019 auf einer Reise der CANDLES-Vereinigung in Krakau. Ihre Worte auf dem Symposium 2001 sind ein Vermächtnis für die ganze Welt: „Vergebt Eurem ärgsten Feind. Das wird eure Seele heilen und Euch die Freiheit schenken.“ Die Max-Planck-Gesellschaft wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

kie

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