Jüngere Geschwister wählen weniger angesehene Fächer

Erstgeborene studieren mit höherer Wahrscheinlichkeit renommierte Fächer wie Medizin oder Ingenieurwesen als jüngere Geschwister, die sich eher für Kunst, Journalismus oder Lehramt entscheiden.

14. November 2017

Zuerst geborene Kinder wählen für ihr Studium häufiger angesehenere Fächer wie Medizin oder Ingenieurwesen als ihre später geborenen Geschwister. Dieses Forschungsergebnis veröffentlichten die Bevölkerungsforscher Kieron Barclay und Mikko Myrskylä vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung zusammen mit Martin Hällsten von der Universität Stockholm jetzt im Wissenschaftsjournal „Social Forces“.

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Realistisches Spiel: Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die große Schwester einmal Medizin studieren wird, während die jüngere eher Journalistin oder Lehrerin wird.
Realistisches Spiel: Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die große Schwester einmal Medizin studieren wird, während die jüngere eher Journalistin oder Lehrerin wird.

Aus früheren Studien anderer Forscher war bereits bekannt, dass nachfolgende Geschwister eine schlechtere Ausbildung bekommen und langfristig weniger Geld verdienen als zuerst geborene Kinder. Die neue Veröffentlichung der Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock belegt nun erstmals Unterschiede in den Vorlieben für bestimmte Studienfächer. Die Forscher untersuchten für ihre Studie schwedische Familien. Sie fanden heraus, dass die Wahl des Fachs die Hälfte der langfristigen Einkommensunterschiede unter den Geschwistern ausmacht.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Eltern mehr in ihre zuerst geborenen Kinder investieren als in die folgenden“, sagt Kieron Barclay. „Dies scheint Unterschiede in den Fähigkeiten und Ambitionen der Kinder sogar innerhalb der Familie zu bewirken.“ Dabei unterscheide sich nicht lediglich das erste Kind von allen darauffolgenden, sagt Barclay. Vielmehr nähmen die Verschiedenartigkeiten mit dem Rang in der Geburtenreihenfolge zu: „Zum Beispiel ist relativ gesehen die Wahrscheinlichkeit für ein zweites Kind, Medizin zu studieren, um 27 Prozent kleiner als für das erste Kind. Und der Unterschied zwischen dem ersten und dem dritten Kind beträgt sogar 54 Prozent. Ebenso fanden die Forscher heraus, dass beispielsweise die Wahrscheinlichkeit zweiter Kinder, Kunst zu studieren, 27 Prozent höher ist als die des ersten Kindes, während der Unterschied zwischen dem drittgeborenen Kind und dem ältesten Geschwister schon 36 Prozent beträgt.

Erste Kinder haben bessere Schulnoten. Aber daran liegt es nicht.

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Mit wachsender Tendenz: Nicht nur das zweitgeborene Kind hebt sich vom erstgeborenen ab, sondern mit jedem weiteren Kind verstärkt sich der Trend zu brotlosen Berufen. So ist etwa die Wahrscheinlichkeit für ein zweites Kind, Journalismus zu studieren, um 16 Prozent höher als für das erste Kind. Zwischen dem dritten und dem ersten Kind liegt der Unterschied bei 40 Prozent. Daten: Schwedische Verwaltungs­register.
Mit wachsender Tendenz: Nicht nur das zweitgeborene Kind hebt sich vom erstgeborenen ab, sondern mit jedem weiteren Kind verstärkt sich der Trend zu brotlosen Berufen. So ist etwa die Wahrscheinlichkeit für ein zweites Kind, Journalismus zu studieren, um 16 Prozent höher als für das erste Kind. Zwischen dem dritten und dem ersten Kind liegt der Unterschied bei 40 Prozent. Daten: Schwedische Verwaltungs­register.

Dass die Geschwister unterschiedliche Fächer wählen, liegt nicht einfach nur daran, dass erste Kinder bessere Noten in der Schule haben“, sagt Kieron Barclay. Auch als die Wissenschaftler den Einfluss der Schulnoten herausrechneten, blieben die unterschiedlichen Neigungen bei der Studienfachwahl unter den Geschwistern bestehen. „Die häusliche Umgebung scheint die Einstellungen und Vorlieben der Kinder jenseits der schulischen Begabung zu prägen“, sagt Barclay.

Warum die Vorlieben der Geschwister so verschieden sind, wenn es um das Studienfach geht, haben die Rostocker Forscher in ihrer Studie nicht untersucht. Eine entscheidende Rolle scheint allerdings die Fürsorge der Eltern zu spielen. „Zuerst Geborene profitieren exklusiv von der vollen Aufmerksamkeit der Eltern, so lange sie noch das einzige Kind sind“, sagt Mikko Myrskylä, Direktor am Rostocker Max-Planck-Institut. „Das gibt ihnen schon früh einen Vorsprung.“

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher Daten aus schwedischen Verwaltungsregistern. Sie bezogen alle Familien mit ein, in denen sich mindestens zwei Geschwister für ein Fach an einer Hochschule eingeschrieben hatten. Insgesamt untersuchte die Studie 146.000 Studenten, die zwischen 1982 und 1990 geboren wurden und sich zwischen 2001 und 2012 an einer Hochschule eingeschrieben hatten.

BS

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