Tierversuche in Deutschland

Tierversuche in Deutschland

In den Vorjahren hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die landesweiten Versuchstierzahlen erfasst und ausgewertet. 2021 haben die zuständigen Behörden die Zahl der in Deutschland verwendeten Versuchstiere erstmals dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mitgeteilt. Dem BfR zufolge lag die Zahl der Tierversuche im Jahr 2020 bei 1.850.443 Tieren. Diese Zahl beinhaltet in Deutschland auch Tiere, die für wissenschaftliche Zwecke getötet werden, ohne dass an ihnen zuvor Eingriffe oder Behandlungen vorgenommen wurden – beispielsweise um Organe oder Zellmaterial dieser Tiere für Alternativmethoden zu verwenden. Der Anteil der in der Grundlagenforschung eingesetzten Tiere betrug 58 Prozent. 19 Prozent der Tiere wurde für gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitstests von Chemikalien oder neuen Medikamenten eingesetzt, zum Beispiel gegen Volkskrankheiten wie Diabetes, Krebs, Demenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionen und Immunerkrankungen.

Bei rund 78 Prozent der eingesetzten Versuchstiere handelte es sich um Mäuse und Ratten. 13 Prozent der Tiere waren Fische, rund 4 Prozent Kaninchen und 0,08 Prozent Primaten. Der Anteil genetisch veränderter Tiere lag bei etwa 38 Prozent. 13 Prozent aller Versuchstiere wurden in der translationalen oder angewandten Forschung mit direktem Bezug zu Erkrankungen verwendet.

Quellen:

Tierversuchszahlen in der Max-Planck-Gesellschaft

2020 wurden an den Max-Planck-Instituten 319.535 Versuchstiere eingesetzt. Im Vergleich zu 2019 ist damit die Anzahl der in Experimente verwendeten Tiere um 14 Prozent angestiegen (2019: 275.887 Versuchstiere). Der leichte Anstieg lässt sich dadurch erklären, dass im letzten Erfassungszeitraum zwei neue Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft mit der tierexperimentellen Forschung begonnen haben. Den größten Anteil mit rund 81 Prozent hatten dabei Nagetiere (Mäuse und Ratten), gefolgt von Fischen (18 Prozent). Andere Tiergruppen wie beispielsweise Vögel (1 Prozent) kamen an den Max-Planck-Instituten in deutlich geringerem Umfang als Versuchstiere zum Einsatz.

Die Max-Planck-Gesellschaft verwendet für ihre Forschung prozentual deutlich mehr Fische als im Bundesdurchschnitt und erfüllt damit eine wesentliche Vorgabe des deutschen Tierschutzgesetzes, nach der möglichst niedrig organisierte Wirbeltiere zu Versuchszwecken eingesetzt werden sollen. Der hohe Anteil von Fischen beruht aber auch auf ihrer Bedeutung für die Grundlagenforschung: Insbesondere der Zebrafisch (Zebrabärbling) ist für die Molekular- und Entwicklungsbiologie sowie die Neurowissenschaften inzwischen ein ganz wichtiger Modellorganismus. 

2020 sind an Max-Planck-Instituten keine genehmigungspflichtigen Versuche an nichtmenschlichen Primaten durchgeführt worden.

Schweregrad der Versuche

2020 wurden an Max-Planck-Instituten vorwiegend Versuche mit geringer Belastung durchgeführt (66 Prozent); der Anteil an Tierversuchen mit mittlerer Belastung lag bei 13 Prozent. Lediglich 0,4 Prozent der Versuche an Max-Planck-Instituten wurden als schwer belastend eingestuft. Der Anteil an Tierversuchen, die vollständig unter Vollnarkose durchgeführt wurden, aus der die Tiere nicht mehr erwacht sind, und von Tieren die nach der Tötung zu Organ- und Gewebeentnahmen verwendet wurden betrug insgesamt 37 Prozent. Versuchstiere, die in der Forschung nur zur Entnahme biologischer Proben (z.B. von Zellen, Geweben und Organen) schmerzfrei getötet wurden, sind nicht in Tierexperimenten oder anderen Studien verwendet worden.

2020 betrug der Anteil genetisch veränderter Tiere in der Max-Planck-Gesellschaft 73 Prozent. Nur 2 Prozent aller Versuchstiere mit genetischer Veränderung hat dadurch eine gesundheitliche Beeinträchtigung erfahren. Die überwiegende Mehrheit aller genetisch veränderten Tiere (zum Großteil Nager) hat keine gesundheitlichen Auffälligkeiten gezeigt (71 Prozent).

Modellorganismus Fruchtfliege
Im Haushalt ein Plagegeist, im Labor ist Drosophila melanogaster dagegen unverzichtbar
Modellorganismus Zebrafisch
Forscher können danke der Fische auf Experimente mit höheren Wirbeltieren verzichten
Modellorganismus Maus
Mäuse sind die häufigsten Wirbeltiere in den Tierhaltungen der Max-Planck-Gesellschaft
Primatenforschung
Forschung mit Affen ist in Deutschland nur bei Beachtung strenger gesetzlicher Regelungen erlaubt. mehr
Zur Redakteursansicht