Neuer Max-Planck-Präsident im Amt

Martin Stratmann hat am Donnerstagabend das Amt des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft übernommen

5. Juni 2014

Zum Abschluss der 65. Jahresversammlung dankte er seinem Amtsvorgänger Peter Gruss und skizzierte in seiner Antrittsrede, welche Schwerpunkte er in der zukünftigen Arbeit setzen möchte. Zu den weiteren Rednern gehörten der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sowie Kanzleramtsminister Peter Altmaier.

Martin Stratmann (li.) folgt Peter Gruss (re.) im Amt des Max-Planck-Präsidenten

Der neue Präsident plädierte angesichts des wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Wettbewerbs zwischen den Großräumen Amerika, Asien und Europa für eine weitere Stärkung des Europäischen Forschungsraumes: „Die Max-Planck-Gesellschaft hat mit ihren Max Planck Centern, den Partnergruppen und Auslandsinstituten herausragende Möglichkeiten dafür geschaffen.“ Und dieses europäische Engagement ließe sich erweitern, auch hinsichtlich der „wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklung insbesondere in Osteuropa“. Stratmann betonte: „Europa muss seine Anziehungskraft auf hervorragende Studenten erhöhen und das Verhältnis vom „brain drain“ und „brain gain“ zu seinen Gunsten nachhaltig verändern.“ Dies lasse sich unter anderem durch den Ausbau europäischer Karrierestrukturen ähnlich wie in den USA erreichen, die jungen Wissenschaftlern in ganz Europa gute Aufstiegschancen bieten.

Die Max-Planck-Gesellschaft werde auch in Zukunft international rekrutieren, so Stratmann weiter, der damit am Kurs seines Amtsvorgängers Peter Gruss festhält. Gleichzeitig müsse die MPG aber mutiger bei der zukünftigen Ausrichtung ihrer Institute und attraktiver für jüngere Wissenschaftler werden. Man benötige noch mehr Top-Talente, die „in der Max-Planck-Gesellschaft ihre Heimat sowie Perspektiven und Entfaltungsmöglichkeiten für ihre eigene Forschung sehen“. Angesichts des internationalen Wettbewerbs mahnte Stratmann: „Den Umfang des nötigen Investments in die Forschung werden nicht wir, sondern unsere Konkurrenten bestimmen.“

Der neue Präsident machte deutlich, dass die Max-Planck-Gesellschaft nicht nur jünger, sondern auch weiblicher werden müsse. „Nachdem wir eine Vielzahl von Frauen unter den Doktoranden und Postdoktoranden haben, müssen wir endlich sicherstellen, dass diese Frauen auch in der Wissenschaft bleiben wollen und können“, sagte Stratmann. Weil man da im Wettbewerb mit vielen Unternehmen stehe, benötige die MPG „ein Leistungsangebot, das für Wissenschaftlerinnen wirklich attraktiv und überzeugend ist“.

Dank an Amtsvorgänger Gruss

Warum werden wir immer älter? Jim Vaupel hielt am Mittwochabend einen begeisternden Vortrag im Festsaal des Bayerischen Hofs in München

Stratmann dankte zudem ausführlich seinem Amtsvorgänger Peter Gruss, der die Geschicke der Max-Planck-Gesellschaft in den vergangenen zwölf Jahren geleitet hatte. Neun Institutsgründungen, 15 institutionelle Neuausrichtungen sowie die Einrichtung von 14 Max Planck Centern mit international führenden Forschungseinrichtungen sind die wohl sichtbarsten Veränderungen in dieser Amtszeit. „Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, die Max-Planck-Gesellschaft so weiterzuentwickeln, dass sie ihre internationale Strahlkraft verstärkt.“ Wer an die weltweit besten Forschungseinrichtungen denke, sollte immer auch die Max-Planck-Gesellschaft auf dem Ticket haben, so der scheidende Präsident. „Das setzt eine international sichtbare, vernetzte und wettbewerbsfähige Organisation voraus, die an der Spitze der Forschung steht. Und was Spitze ist, entscheidet sich erst und ausschließlich im globalen Maßstab. Eine Max-Planck-Gesellschaft, die diese Rolle ausfüllt, erfüllt ihre Mission in und für Deutschland.“

Bei der Festversammlung im Prinzregententheater in München sprachen auch Bundeskanzleramtsminister Peter Altmaier und Bayerns Ministerpräsident Seehofer. Letzterer überreichte Gruss, der bereits mit dem Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst geehrt worden war, als Abschiedsgeschenk einen Löwen aus Porzellan. „Sie haben zwölf Jahre lang Verantwortung für die Max-Planck-Gesellschaft übernommen und dabei die Forschungslandschaft in Deutschland ganz entscheidend geprägt. Als 'Mister Max Planck' haben sie auch die internationale Strahlkraft dieser Gesellschaft verstärkt. Die Max-Planck-Gesellschaft ist ohne Zweifel Gravitationszentrum für Wissenschafter aus aller Welt“, sagte Seehofer vor den rund 800 Gästen im Saal, darunter führende Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.

Vollzogen wurde der Amtswechsel mit der Übergabe der Präsidentenkette. „Es hat wohl noch nie ein in den Angelegenheiten der Max-Planck-Gesellschaft so erfahrener Wissenschaftler das Amt angetreten“, attestiert Peter Gruss seinem Nachfolger. Seit dem Jahr 2000 ist Stratmann Wissenschaftliches Mitglied und Direktor am Max-Planck-Institut für Eisenforschung, an dem er zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere bereits Doktorand und später Forschungsgruppenleiter gewesen ist. Erfahren ist er zudem in der Gremienarbeit. So war Stratmann, der seit 2008 als Vizepräsident amtierte, bereits als Mitarbeitervertreter im Senat und während der Amtszeit von Peter Gruss auch zwei Jahre Sektionsvorsitzender.

Vizepräsidenten neu gewählt

Die 65. Jahresversammlung hatte am Mittwoch mit einer Reihe von Gremiensitzungen begonnen. Am Abend hielt James W. Vaupel, Direktor am MPI für demografische Forschung, im Festsaal des Hotels Bayerischer Hof den wissenschaftlichen Eröffnungsvortrag – das Thema: „Longevity: what do we know and how did we learn it?“ Im Anschluss kamen die Gäste zum Empfang der bayerischen Staatsregierung in der Münchner Residenz zusammen – Gastgeberin war Ilse Aigner, stellvertretende Ministerpräsidentin und Ressortchefin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie.

Auf der Senatssitzung wurden am Donnerstag die Max-Planck-Direktoren Angela Friederici, Bill S. Hansson und Ferdi Schüth als neue Vizepräsidenten gewählt. Das Amt des Schatzmeisters hat der Finanzvorstand der Siemens AG, Ralf P. Thomas, übernommen. Der neue Vorstand als zentrales Beratungsgremium um den Präsidenten ist damit weiblicher und internationaler.


Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ist eine der führenden Forschungseinrichtungen Deutschlands. In den derzeit 83 Max-Planck-Instituten (MPI) betreiben über 5.500 Wissenschaftler sowie mehr als 13.000 Doktoranden, Diplomanden, studentische Hilfskräfte und Gastwissenschaftler Grundlagenforschung in den Natur-, Lebens- und Geisteswissenschaften. Gegründet wurde die Max-Planck-Gesellschaft 1948 als Nachfolgeorganisation der seit 1911 bestehenden Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Seither sind 17 Nobelpreisträger aus ihren Reihen hervorgegangen. Die Institute sind von internationalem Rang und ziehen Spitzenforscher aus aller Welt an. Neben fünf Auslandsinstituten betreibt die Max-Planck-Gesellschaft weitere 14 Max Planck Center mit Forschungseinrichtungen wie dem US-amerikanischen Princeton, dem University College London/UK, Science Po in Frankreich, oder der Universität Tokio in Japan.

JE/CB/BA

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