Mehr Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen

Wer als Frau in der Forschung Karriere machen will, hat es immer noch schwerer als die männlichen Kollegen

6. März 2014

Die Max-Planck-Gesellschaft hat sich 2012 einer Selbstverpflichtung unterworfen, um bis 2017 die Anteile von Wissenschaftlerinnen auf W2- und W3-Positionen und in den Vergütungsgruppen E13 bis E15 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) fünf Mal um einen Prozentpunkt jährlich zu steigern; ein Ziel, das in Absprache mit dem Bundesforschungsministerium und der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz vereinbart wurde.

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Mit verschiedenen Programmen will die Max-Planck-Gesellschaft sicherstellen, dass Frauen auch in der Wissenschaft Führungsaufgaben übernehmen.

Die Aufstockung um fünf Prozentpunkte, die die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) erreichen möchte, ist durchaus ehrgeizig: Sie bedeutet, dass frei werdende Stellen in großem Umfang mit Frauen besetzt werden müssen, um das Ziel zu erreichen. Im Bereich von W2-Professuren hinkt die Max-Planck-Gesellschaft denn auch dem selbst gesteckten Ziel momentan hinterher. Von den W2-Stellen waren zu Jahresbeginn nur 27,3 Prozent mit Frauen besetzt; geplant waren bis zu diesem Zeitpunkt 29,4 Prozent. Auch auf Positionen der Entgeltgruppe E 13 bis 15 TVöD konnte das Etappenziel der Selbstverpflichtung nicht ganz erreicht werden, es fehlten zu Jahresanfang 0,8 Prozent zum Erreichen des Solls.

Erfreulich ist hingegen die Entwicklung im Bereich der obersten Leitungsebene (W3) in den Max-Planck-Instituten. 11,2 Prozent der fast 300 sogenannten Wissenschaftlichen Mitglieder sind Frauen. Damit steht die Max-Planck-Gesellschaft im  Vergleich mit den anderen deutschen Wissenschaftsorganisationen sehr gut da und liegt mit 0,55 Prozent über ihren Vorgaben. Max-Planck-Präsident Peter Gruss ist zuversichtlich, das Ziel von 13,7 Prozent im Januar 2017 zu erreichen. Trotzdem bat er kürzlich in einem Schreiben an die Direktorinnen und Direktoren der Max-Planck-Institute: „Ich appelliere an alle, nicht nur Bewerbungen von Frauen grundsätzlich verstärkt zu berücksichtigen, sondern auch mit offenen Augen offensiv auf förderungswürdige junge Wissenschaftlerinnen zuzugehen.“

Karriereperspektive und Transparenz

Um die Karrieremöglichkeiten speziell für junge Wissenschaftlerinnen weiter zu verbessern, wurde das Minerva-W2-Programm an das Niveau der themenoffenen Max-Planck-Forschungsgruppen angeglichen. Nicht nur die Ausstattung der Forschungsgruppen wurde optimiert, auch die Karriere ist besser planbar: Analog zu den Max-Planck-Forschungsgruppen können die Gruppenleiterstellen unter bestimmten Voraussetzungen nach fünf Jahren nun ebenfalls um zwei mal zwei Jahre verlängert werden. Insgesamt stellt die Max-Planck-Gesellschaft nun bis zu 44 W2-Stellen im Minerva-Programm zur Verfügung, die zunächst auf fünf Jahre befristet sind.

Damit die Karrierewege transparenter sind, werden die Stellen im Minerva-Programm zudem künftig international zusammen mit den Max-Planck-Forschungsgruppen ausgeschrieben: Interne Nominierungen, aber auch Bewerbungen externer, herausragender Wissenschaftlerinnen sind dabei nach wie vor willkommen.

Das Minerva-Programm ist aus Sicht der Max-Planck-Gesellschaft ein Erfolg: Seit 1997 wurden bislang 94 Wissenschaftlerinnen berufen, 62 haben mittlerweile weiterführende Positionen angenommen – zum Teil sogar innerhalb der MPG. Das ist auch von den Max-Planck-Forschungsgruppen aus möglich: Insgesamt haben vier Wissenschaftlerinnen den Sprung von einer Gruppenleitung auf den Posten einer Direktorin geschafft.

Familie und Beruf

Dienstreisen und Wochenend- und Feiertagsarbeit: In der Wissenschaft sind Familie und Berufstätigkeit nicht immer einfach miteinander zu vereinbaren. Daher ist die Max-Planck-Gesellschaft bestrebt, das Arbeitsumfeld familienfreundlich zu gestalten, Krippenplätze und Kinderbetreuung bereitzustellen und flexible Arbeitszeitmodelle anzubieten. An 58 Max-Planck-Instituten existieren derzeit Kinderbetreuungseinrichtungen. Außerdem können Eltern den Service eines Familiendienstleistungsunternehmens in Anspruch nehmen, das sie in Ferienzeiten, wenn die Kinder krank sind oder bei Dienstreisen unterstützt. Bereits zum zweiten Mal hat die Max-Planck-Gesellschaft deshalb für familienbewusste Personalpolitik das Zertifikat der gemeinnützigen GmbH berufundfamilie erhalten.

Stärker im Team

Wenn eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler an ein Max-Planck-Institut berufen wird, kümmert sich die MPG auch intensiv um eine adäquate Position für den Partner oder die Partnerin, die vielfach ebenfalls aus der Wissenschaft kommen. In München existiert eine intensive Zusammenarbeit mit dem Dual Career Office der Technischen Universität, in dem sich 26 Partner wie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Ministerien miteinander vernetzt haben. Ähnliche Kooperationen gibt es mittlerweile auch in Stuttgart, in Heidelberg, in den Regionen Halle/Leipzig, Südhessen und Berlin-Brandenburg.

Darüber hinaus erfreut sich das Mentoring-Netzwerk MinervaFemmeNet weiterhin großer Nachfrage. Die mehr als 300 Mentorinnen – Wissenschaftlerinnen und Alumnae aus 68 Max-Planck-Instituten – unterstützen derzeit über 390 Mentees. Sie treffen sich zu persönlichen Gesprächen und netzwerken bei Stammtischen. Auch das Trainingsangebot an  Workshops und  Führungskräfteseminaren mit gender- und familienpolitischen Bezügen wurde aufgestockt.

Mit diesem Bündel an Förderungsmaßnahmen sieht sich die Max-Planck-Gesellschaft  gut aufgestellt. Präsident Gruss ist stolz: „Wir können schließlich nicht auf das wissenschaftliche Potential hervorragend ausgebildeter Frauen verzichten. Auch im Hinblick auf unsere Zukunftsfähigkeit ist es wichtig, sie nicht nur für die Wissenschaft zu gewinnen, sondern auch zu halten!“

ba/sb

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