Forschung bis zur Marktreife

Das Lead Discovery Center entwickelt vielversprechende Projekte bis zum Medikament

15. Juni 2011

Im Jahr 2008 gründete das Technologietransfer-Unternehmen Max-Planck-Innovation das Lead Discovery Center (LDC) in Dortmund, um aussichtsreiche Forschungsprojekte aus der Grundlagenforschung zu neuen Medikamenten weiter zu entwickeln. Als eigenständiges und wirtschaftlich orientiertes Unternehmen arbeitet das LDC eng mit akademischen und industriellen Forschungseinrichtungen zusammen und entwickelt erfolgversprechende Projekte vom frühen Stadium an weiter.

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Forschung bis zur Marktreife: Das Lead Discovery Center entwickelt vielversprechende Projekte bis zum Medikament

Seit seiner Gründung hat das LDC erfolgreich dazu beigetragen, die Lücke zwischen Grundlagenforschung und industrieller Arzneimittel-Entwicklung zu schließen. So hat es einen neuartigen hochselektiven Kinase-Hemmer entwickelt und erstmals als Leitstruktur an einen Pharmapartner auslizenziert. Bayer HealthCare Pharmaceuticals erhält eine weltweite exklusive Lizenz an den Schutzrechten und soll die Leitstruktur für die Krebsmedizin zur Marktreife bringen. Darüber hinaus kooperiert das Lead Discovery Center mit Merck Serono, um neue Kinase-Hemmer zur Behandlung von Krebs zu entwickeln. Dank einer am Chemical Genomics Centre der Max-Planck-Gesellschaft entwickelten Kinase-Technologie können Forscher neuartige Substanzen identifizieren, die Kinasen wirksamer und gezielter hemmen sollen. Das Lead Discovery Center und Merck Serono wollen dabei Kinase-Hemmer über die verschiedenen Stufen der frühen Wirkstoffentwicklung bis zur pharmazeutischen Leitstruktur weiter entwickeln.

Der Lizenzvertrag mit Bayer und die Kooperation mit Merck Serono sind wichtige Meilensteine in der noch jungen Firmengeschichte des LDC’s. Um den Bedarf an neuartigen Medikamenten zu decken, interessiert sich die pharmazeutische Industrie zunehmend für innovative Wirkstoffe, die die Grundlage neuer Medikamente bilden. Die größte Hürde auf dem Weg zu neuen Medikamenten ist der mangelnde Reifegrad der meisten wissenschaftlichen Projekte aus der Grundlagenforschung. Eine Erfahrung, die auch das Technologie-Transfer-Unternehmen Max-Planck-Innovation immer wieder machen musste. Im frühen Entwicklungsstadium lassen sich selbst für wissenschaftlich hervorragende und kommerziell aussichtsreiche Projekte kaum Industriepartner oder Risikokapitalgeber gewinnen, solange die Wirksamkeit im Tiermodell noch nicht bewiesen ist (Proof of Concept).

Denn in dieser frühen Phase sind die üblichen Modelle zur Bewertung von Risiko- und Gewinnaussichten nicht anwendbar. Zudem sind die kurzen Investitionszyklen am Kapitalmarkt kaum mit den langen Entwicklungszeiten pharmazeutischer Projekte zu vereinen. Hinzu kommt, dass Pharmakonzerne aus marktwirtschaftlichen Erwägungen zunehmend aus den frühen Phasen der Wirkstoffforschung aussteigen, sodass die Lücke zwischen Grundlagenforschung und industrieller Arzneimittelentwicklung weiter wächst.

Das LDC wählt in Kooperation mit akademischen und industriellen Partnern aussichtsreiche Projekte im Frühstadium aus öffentlichen Forschungseinrichtungen aus, wie beispielsweise der Max-Planck-Gesellschaft oder renommierten Universitäten, und überführt sie professionell in biopharmazeutische Entwicklungsprojekte. Als Produkt entstehen so genannte Leitstrukturen. Eine solche Leitstruktur ist ein genau untersuchter Vertreter einer chemischen Substanzklasse in der Frühphase der Wirkstoffforschung, der das Potenzial zur weiteren Arzneimittelentwicklung besitzt.

Die Leitstrukturen werden anschließend von der Pharmaindustrie aufgenommen und bis zur Marktreife entwickelt. Die öffentlichen Partnereinrichtungen sind bis hin zur kommerziellen Verwertung beteiligt, profitieren also auch finanziell von ihren Entdeckungen. Dadurch schließt sich die Lücke zwischen Wissenschaft und Industrie.

Das LDC wird so zum Wegbereiter für neue Medikamente und innovative Therapiekonzepte für kritische und lebensbedrohliche Krankheiten wie Krebs, Entzündungsleiden, neurodegenerative oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei beschränkt es sich jedoch nicht nur auf kommerziell besonders attraktive Märkte, es berücksichtigt auch Nischen-Indikationen mit einem vorrangig humanitären Anspruch, für die ein besonders hoher Bedarf nach neuen Therapien besteht.

HR

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