Die Rolle des Klimas bei der Evolution des Westlichen Gorillas

Westliche Flachlandgorillas und Cross-River-Gorillas gehen erst seit dem Pleistozän infolge von Klimaveränderungen getrennte evolutionäre Wege.

4. April 2011

Zwei Arten von Gorillas sind in Äquatorialafrika beheimatet. Westliche Gorillas (Gorilla gorilla) und Östliche Gorillas (Gorilla beringei) begannen sich vor 0,9 bis 1,6 Millionen Jahren getrennt voneinander weiter zu entwickeln. Beide Arten leben heute mehrere Hundert Kilometer voneinander entfernt. Ein internationales Forscherteam um Olaf Thalmann von der Universität Turku in Finnland und Linda Vigilant vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben nun herausgefunden, dass die beiden Unterarten des Westlichen Gorillas, der Westliche Flachlandgorilla und der vom Aussterben bedrohte Cross-River-Gorilla (Gorilla gorilla diehli) erst im Zeitalter des Pleistozäns vor etwa 17.800 Jahren begannen, getrennte evolutionäre Wege zu gehen.

Cross-River-Gorillas sind heute vom Aussterben bedroht.

Zuerst bestimmten die Forscher den Genotyp von heute lebenden Westlichen Gorillas und von 100 Jahre alten Museumsexemplaren. Mithilfe dieser Daten erstellten sie für die beiden Unterarten des Westlichen Gorillas ein evolutionäres Modell und fanden folgendes heraus: Obwohl Cross-River-Gorillas sich vor etwa 17.800 Jahren von den Westlichen Flachlandgorillas abspalteten, pflanzten sie sich in Abständen weiterhin miteinander fort. Olaf Thalmann und Kollegen gehen davon aus, dass sich die Waldgebiete infolge von Klimaveränderungen während des Pleistozäns zunächst ausdehnten und die Westlichen Gorillas ihr Territorium erweitern konnten. Ein anschließendes Schrumpfen der Wälder spaltete den Gorillabestand in zwei Populationen, die sich dann getrennt voneinander weiter entwickelten. Durch Klimaschwankungen, die ein wiederholtes Ausdehnen und Schrumpfen der Wälder zurfolge hatten, begegneten sich Westliche Flachlandgorillas und Cross-River-Gorillas zeitweise und pflanzten sich dann miteinander fort. Jedes erneute Schrumpfen der Wälder isolierte die Cross-River-Gorillas aber wieder von den Westlichen Flachlandgorillas.

Das Modell zeigt weiterhin, dass der Genfluss zwischen den beiden Unterarten vor etwa 420 Jahren letztlich zum Stillstand kam. In den letzten 320 Jahren sank die Anzahl der Cross-River-Gorillas um 60 Prozent, was einen Verlust an genetischer Vielfalt in der Population zurfolge hatte. Thalmann sagt: “Die Anzahl der Cross-River-Gorillas ist weiterhin gesunken, so z. B. durch die Zerstörung ihres Lebensraums und die Jagd auf die Tiere durch den Menschen. Heute gibt es nur noch etwa 300 Cross-River-Gorillas.“

Er sagt weiterhin: “Es ist ungewiss, welchen Effekt der Verlust an genetischer Vielfalt bei den Cross-River-Gorillas langfristig zurfolge haben wird. Da die genetische Verarmung jedoch erst vor so relativ kurzer Zeit begann, ist es möglich, dass sie aufgehalten werden könnte, wenn man den Cross-River-Gorillas ermöglicht, sich wieder über ein größeres Territorium auszubreiten.”

SJ

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