Schimpansen arbeiten bei der Jagd zusammen

Die aktive Teilnahme an der Gruppenjagd sichert frei lebenden Schimpansen den Zugang zu Fleisch

10. September 2018

Die Vorteile aus kooperativer Jagd und dem Teilen von Fleisch gelten als grundlegende Triebfedern für die Evolution des Menschen und der für ihn typischen Merkmale, wie sein großes Gehirn und seine Langlebigkeit. Doch auch andere Tiere jagen im Gruppenverband. Inwieweit diese Jagden kooperativ sind und die Beteiligung daran für die Jäger nützlich ist, wurde bislang nicht erforscht. Frei lebende Schimpansen jagen im Taï Nationalpark an der Elfenbeinküste gemeinsam andere Affen, zum Beispiel Stummelaffen. Ein internationales Forscherteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig beobachtete Schimpansen bei der gemeinsamen Jagd und beim Teilen von Fleisch und konnte nun nachweisen, dass das Jagdverhalten der Tiere ein kooperativer Akt ist und den Teilnehmern der Jagd einen fairen Anteil an der Beute einbringt.

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Jäger teilen ihre Beute häufiger mit an der Jagd beteiligten Tieren als mit Nicht-Jägern.

„Die gemeinsame Jagd ist umso erfolgreicher, je mehr Schimpansen daran teilnehmen oder sich zuvor an der Suche nach Beutetieren beteiligt haben“, sagt Liran Samuni vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und Erstautorin der Studie. „Das Teilen von Fleisch nach einer erfolgreichen Jagd fördert die zukünftige Jagdbeteiligung, denn erfolgreiche Jäger teilen ihre Beute häufiger mit an der Jagd beteiligten Tieren als mit Nicht-Jägern, obwohl auch diese nach einer Jagd um Fleisch betteln.“

Darüber hinaus fanden die Forschenden heraus, dass das Jagdverhalten der Schimpansen mit dem Ausschütten von Oxytocin einhergeht, einem Neurohormon, das kooperatives Verhaltens bei Menschen und anderen Tieren fördert. Die Oxytocin-Ausschüttung während der Jagd ist ein möglicher Mechanismus, der Schimpansen die kooperative Jagd erleichtert. „Unsere neue Studie belegt den kooperativen Charakter des Jagdverhaltens von einigen frei lebenden Schimpansen, der möglicherweise durch neuroendokrine Mechanismen und Verhaltensmechanismen gefördert wird“, sagt Co-Autor Roman Wittig.

Wie beim Menschen ist wahrscheinlich auch bei Schimpansen der Jagderfolg von der Motivation und der Leistung abhängig. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich die in die Jagd investierte Anstrengung auszahlen wird. Ein Mechanismus, der es aktiven Jagdteilnehmern ermöglicht, Zugang zur Beute zu erhalten, auch wenn sie diese nicht selbst gefangen haben, belohnt sie für ihre Mühe und ermutigt sie, sich auch in Zukunft an Jagden zu beteiligen. Denn Fleisch ist für Schimpansen eine sehr wertvolle Nahrungsquelle.

Fleisch miteinander zu teilen, gewährleistet das ganze Jahre über einen besser vorhersehbaren Zugang zu dieser Nahrungsquelle, was während der Evolution unserer eigenen Art die Entwicklung des Gehirns und typischer menschlichen Lebensprozesse (Geburt, Wachstum, Fortpflanzung, Tod) beeinflusst haben könnte. Wenn die Kooperation bei der Jagd und der Zugang zu Fleisch die Herausbildung dieser für den Menschen typischen Merkmale geprägt hat, zeigt diese Studie, dass auch Schimpansen vergleichbaren Selektionsdrücken ausgesetzt gewesen sein könnten, so die Forscher.

SJ, RW

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