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Dr. Christina Beck

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Anhang zur Stellungnahme

Hintergrundinformationen zu den beiden von stern TV in der Sendung vom 10. September 2014 sowie der Folgesendung am 17. September 2014 präsentierten Fällen [mehr]

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Der Affenstuhl, an den das Tier gewöhnt werden soll, kann mit einem Plastikgehäuse verbunden werden, das wiederum seinerseits mit dem kleinen Käfig verbunden werden kann. Per Klicker-Training wird das Tier dann langsam darauf trainiert, sich durch das Plastikgehäuse in Richtung Affenstuhl zu begeben und schließlich einzusteigen.

Tierversuche in der Grundlagenforschung

Zur aktuellen Berichterstattung in stern TV

18. September 2014

Vor dem Hintergrund der in der Sendung stern TV vom 10. September 2014 präsentierten illegal aufgenommenen Filmsequenzen aus der Tierhaltung des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik hat der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft den Leiter des Deutschen Primatenzentrums, Prof. Dr. Stefan Treue, gebeten, die Situation vor Ort zu prüfen.

Herr Prof. Treue hat im Rahmen eines mündlichen Berichts eine Einschätzung und Bewertung zum Umgang und der tiermedizinischen Versorgung der Tiere abgegeben. Diese erfolgte unbenommen einer noch laufenden intensiven und detaillierten Prüfung durch die Behörden. Sie sollte die Max-Planck-Gesellschaft aber angesichts der Schwere der Vorwürfe schnell in die Lage versetzen, sachgerecht über die nächsten Schritte zu entscheiden. Sämtliche Protokolle und Dokumentationen stehen den Behörden selbstverständlich für eine weitere Überprüfung zur Verfügung.

Prof. Treue hat bei seinem Besuch in Tübingen mit den Mitarbeitern gesprochen und Einsicht in Protokolle und Dokumentationen genommen. Der erfahrene Forscher unterstrich, dass jede Operation ein Risiko berge – das gelte auch für jede humanmedizinische OP. Nachblutungen oder Nahtinsuffizienzen ließen sich nie vollkommen ausschließen. Für ihn sei es wichtig gewesen zu erfahren, ob solche Komplikationen am MPI gehäuft aufgetreten seien, bzw. ob es einen adäquaten Umgang damit gegeben habe (z.B. unmittelbare Versorgung einer wieder aufgegangenen Naht).  Der Leiter des Primatenzentrums attestierte den Mitarbeitern am Institut große Sorgfalt im Umgang mit den Tieren. Die Mitarbeiter seien sehr erfahren und hoch motiviert. Es sei keine Vernachlässigung der Tiere festzustellen, so Treue. Die Dokumente belegten eine enge tiermedizinische Betreuung am Institut.

Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Martin Stratmann, war eigens nach Tübingen gereist, um ebenfalls Gespräche mit den Mitarbeitern vor Ort zu führen. Diese Vorwürfe seien eine große Belastung für alle Mitarbeiter am Institut, die ihren Aufgaben nach bestem Wissen und Gewissen nachgingen, betonte der Präsident.

Stratmann hob hervor, dass die Forschungen am Institut national wie international einen herausragenden Ruf genießt. Er unterstrich, dass aus Sicht der Max-Planck-Gesellschaft nach wie vor die Notwendigkeit zu tierexperimenteller Forschung – auch mit nichthumanen Primaten – bestehe, um zentrale wissenschaftliche Fragen zu beantworten und damit u.a. auch die Grundlagen zu schaffen für neue Behandlungsansätze in der Medizin. Stratmann erklärte, dass nicht nur ein hoher Anspruch an die Wissenschaft bestehe, sondern ein ebenso hoher Anspruch an die Tierhaltung sowie den Umgang mit den Tieren im Experiment. Nachdem der Leiter des Deutschen Primatenzentrums keine schwerwiegenden Mängel vorgefunden habe, habe man aber zusammen mit der Institutsleitung ausführlich über weitere Verbesserungsmaßnahmen diskutiert. In einen ersten Maßnahmenkatalog wurden nun die folgenden Punkte aufgenommen:

Die personelle Ausstattung der Abteilung ist auch im Vergleich mit anderen Einrichtungen angemessen. Deutlicher Verbesserungsbedarf wird jedoch in der Organisation festgestellt. Darüber hinaus stößt die tierärztliche Betreuung der Primaten an ihre Kapazitätsgrenzen. Das Institut wird deshalb sofort und dauerhaft zusätzliche externe tierärztliche Kapazität verfügbar machen. Ab sofort wird die Beobachtung der Primaten nicht nur tagsüber, sondern auch  in der Nacht nach der Operation personell sichergestellt. Für die Primatenhaltung wird ein Leiter in Vollzeit gesucht, der selbst Tierarzt ist. Um sicher zu stellen, dass die Strukturen mit den Anforderungen Schritt halten, wird das Institut bis zur Umsetzung dieser Maßnahmen keine weiteren Anträge auf Genehmigung von Versuchen mit Primaten stellen. Das Institut wird künftig eine IT-gestützte Dokumentation einführen, die u.a. nicht nur die Nahrungsaufnahme, sondern auch das Nahrungsangebot dokumentiert. Zukünftig wird das Institut auf den Einsatz der Führstange bei Trainingsmaßnahmen verzichten.

Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft betonte, dass tierexperimentelle Forschung mit nichthumanen Primaten höchsten Ansprüchen genügen muss. Mit ihrem Maßnahmenkatalog will die Max-Planck-Gesellschaft sicherstellen, dass die Tierhaltung sowie der Umgang mit den Tieren im Experiment am Institut unter optimalen Bedingungen stattfinden kann.

Im Kasten in der rechten Randspalte verweisen wir auf Hintergrundinformationen zu den beiden von stern TV in der Sendung vom 10. September 2014 sowie der Folgesendung am 17. September 2014 präsentierten Fällen.

 
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