Sender können Tiere vor Wilderei schützen

Der Fall Cecil zeigt: Mit Sendern können Forscher Todesursachen von Tieren fast in Echtzeit aufklären

6. August 2015

Die Tötung des Löwen Cecil durch einen Großwildjäger in Simbabwe hat weltweit Empörung ausgelöst. Forscher der Universität Oxford hatten das Tier mit einem Senderhalsband ausgestattet, um so sein Verhalten besser beobachten zu können. Nur dank dieses Senders konnte der Tod Cecils aufgeklärt werden. Am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell verfolgen Wissenschaftler ebenfalls mit Sendern das Verhalten unterschiedlichster Tierarten. Die dabei gewonnen Daten sind so exakt, dass sie getötete Tiere schnell ausfindig machen und die Todesursache aufklären können. Ab 2016 wird darüber hinaus das satellitengestützte System Icarus globale Bewegungsmuster von Tieren erfassen. Icarus wird dadurch den Schutz bedrohter Arten nochmal deutlich verbessern.

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Löwen-Männchen Cecil im Hwange-Nationalpark in Simbabwe.
Löwen-Männchen Cecil im Hwange-Nationalpark in Simbabwe.

Der erste Tötungsversuch mit einer Armbrust misslang dem amerikanischen Großwildjäger. Erst nach einer Verfolgungsjagd und mit Unterstützung lokaler Führer konnte er den Löwen schließlich erlegen. Dass es sich bei dem Löwen nicht um irgendein Tier handelte, davon ahnte der Hobbyjäger seinen Angaben nach nichts. Das Tier wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts der Universität Oxford in Großbritannien beobachtet, das die Wildtierbestände schützen soll. Cecil trug deshalb ein Halsband, das seine Bewegungen aufzeichnete und das die Wildhüter schließlich auf die Spur des Jägers brachte.

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Ornithologie untersuchen ebenfalls mit Sendern das Verhalten von Tieren. Sie lernen damit viel über die Wanderungsbewegungen und die Lebensräume bedrohter Arten. Sie erfassen aber auch den Tod eines Tiers. Dina Dechmann beispielsweise verfolgt die Flugrouten von Tauben. Sie kann mithilfe der Sender erkennen, wo und wann diese Raubvögeln zum Opfer fallen. „Bei Gefahr verlassen scheue Individuen als erstes den Schwarm, um zu flüchten. Das macht sie zu einem leichten Ziel. Dass in einem Fall die Vögel einem Raubvogel zum Opfer gefallen und nicht durch einen Jäger geschossen worden sind, haben uns ihre Sender verraten, die wir später rund um einen Falkenhorst entdeckt haben“, berichtet Dechmann.

Ähnliches gilt für Untersuchungen an Waldrappen. Naturschützer wollen diesen früher in Europa heimischen Zugvogel in österreichischen und italienischen Wäldern wieder ansiedeln. Ähnlich wie beim Löwen Cecil konnten Wissenschaftler anhand der Bewegungsaufzeichnung eines Vogels einen Jäger identifizieren, der ein solches Exemplar verbotenerweise geschossen hatte.

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Mit einem fünf Gramm leichten Minisender auf dem Rücken sendet ein Kuckuck seine Daten alle zwei Tage für zehn Stunden an einen Satelliten.
Mit einem fünf Gramm leichten Minisender auf dem Rücken sendet ein Kuckuck seine Daten alle zwei Tage für zehn Stunden an einen Satelliten.

Auch wo und wodurch Zugvögel wie Singvögel oder Störche auf ihren jährlichen Reisen ums Leben kommen, können die Wissenschaftler auf diese Weise herausfinden. Für den Artenschutz sind das entscheidende Informationen. „Die Signale der Sender sind so präzise, dass wir sogar den Absturz einer geschossenen Stockente schon registrieren konnten. Bislang ist dies aber nur ein Nebenprodukt unserer Forschung“, sagt Dechmann. Denn die Positionsaufzeichnungen dienen vorrangig dazu, das Verhalten der Tiere und ihre Bewegungsmuster zu entschlüsseln. Für die Todesursachen interessieren sich Forscher bislang vor allem, um Populationsschwankungen zu verstehen. „Die Sender könnten jedoch auch gezielt dazu eingesetzt werden, die Jagd auf bedrohte Tiere einzudämmen“, so Dechmann.

Die Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Ornithologie werden bald noch mehr Möglichkeiten haben, Tiere mittels Sendern zu verfolgen. Unter der Leitung von Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck Institut in Radolfzell, wird das internationale Konsortium Icarus (International Cooperation for Animal Research Using Space) ab 2016 global die Bewegungen vieler Tiere gleichzeitig erfassen. Solarbetriebene GPS-Minisender schicken dabei ihre Daten an die Internationale Raumstation ISS und von dort an Forschungsgruppen weltweit.

Icarus wird mit seinen Sendern aber nicht nur potenzielle Wilderer abschrecken, sondern auch auf andere Weise Wildtiere zum Schutz der Tiere beitragen. Denn viele Daten werden frei zugänglich sein. Und über die App Animal Tracker kann sich jeder an dem Projekt beteiligen, eigene Tierbeobachtungen hochladen und so den Forschern zur Verfügung stellen. „Dank Icarus können wir das Leben der Tiere quasi vom Sofa aus verfolgen. Es stärkt unsere Verbindung mit ihnen und hoffentlich auch die Wertschätzung für unsere Mitgeschöpfe“, sagt Wikelski. Für Cecil käme dieses neue Selbstverständnis zwar zu spät, aber für viele andere bedrohte Tiere besteht noch Hoffnung. „Über die Daten der Icarus-Sender können die Menschen eine persönliche Beziehung zu Wildtieren aufbauen, ähnlich wie zu Cecil. Ich bin mir sicher, dass diese globale Aufmerksamkeit viele Tiere vor illegaler Jagd schützen wird“, so Wikelski.

JD/HR

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