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Fledermäuse können andere Fledermausarten anhand ihrer Echoortungsrufe unterscheiden

Fledermäuse nutzen ihre Rufe nicht nur zur Echoortung, sondern auch zur Identifizierung von Artgenossen, berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. Dies gilt selbst für Arten, die nah verwandt und ökologisch ähnlich sind, und deren Ruffrequenzen sich teilweise überlappen. (The American Naturalist, 11. Mai 2010)

Meheley-Hufeisennase (Rhinolophus mehelyi). Sie kann nicht nur ihre eigenen Rufe von den Rufen anderer Arten unterscheiden, sondern auch zwischen artfremden Echoortungsrufen differenzieren.

Im Gegensatz zu Vogelgesang oder menschlicher Sprache dienen Echoortungsrufe von Fledermäusen primär der räumlichen Orientierung und der Nahrungssuche, und nicht der Kommunikation. Durch diese Funktionalität haben Fledermausarten, die ähnliche ökologische Ansprüche haben, oft auch ähnliche Rufe. Dennoch ist bekannt, dass Fledermäuse Artgenossen an ihren individuellen Rufen unterscheiden können, so wie wir Menschen unsere Mitmenschen an ihren Stimmen erkennen.

Nun haben Maike Schuchmann und Björn Siemers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen nachgewiesen, dass in Echoortungsrufen noch mehr Information steckt als bisher angenommen. So wie wir Menschen fähig sind, verschiedene Sprachen auseinander zu halten, können Fledermäuse nicht nur ihre Rufe von den Rufen anderer Arten unterscheiden, sondern auch zwischen artfremden Echoortungsrufen differenzieren. Und dies selbst dann, wenn sich die Frequenzen der fremden Rufe mit den eigenen Frequenzen überlappen.

Höhle mit Rhinolophus mehelyi (Meheley-Hufeisennase), R. euryale (Mittelmeerhufeisennase) und anderen Arten.

Die Forscher haben dafür Verhaltensexperimente mit zwei Arten von "Hufeisennasenfledermäusen" in Bulgarien durchgeführt. Sie spielten den Tieren Echoortungsrufe ihrer eigenen oder dreier fremder Arten über einen Lautsprecher vor und analysierten die Verhaltensreaktionen der Tiere. Beide Fledermausarten machten nahezu keine Fehler in der Unterscheidung, sowohl zwischen "eigen und fremd" als auch zwischen "fremd und fremd". "Den Fledermäusen fiel die Erkennung allerdings leichter für Arten, deren Ruffrequenzen sich deutlich von der eigenen unterscheiden", sagt Maike Schuchmann, Erstautorin der Studie.

Dieses Ergebnis ist spannend, wirft aber bei den Forschern sofort neue Fragen auf: "Es sind nun weitere Verhaltensexperimente nötig, um ans Licht zu bringen, inwieweit Fledermäuse die Fähigkeit, Arten anhand ihrer Echoortungslaute zu unterscheiden, auch tatsächlich nutzen", sagt Björn Siemers. Es könnte für Fledermäuse von Vorteil sein, überlegenen Konkurrenten im Jagdgebiet auszuweichen. Hingegen könnte es sich lohnen, anderen Arten mit ähnlichen Quartieransprüchen auf der Suche nach neuen Hangplätzen zu folgen. Untersuchungen in dieser Richtung können das Verständnis über das Zusammenleben unterschiedlicher Arten bedeutend vertiefen.

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