Intelligente Systeme für die Welt von morgen

Max-Planck-Forschungspreis 2011

19. Oktober 2011

Sebastian Thrun von der Stanford University und Bernhard Schölkopf vom Max-Planck-Institut für intelligente Systeme in Tübingen haben den Max-Planck-Forschungspreis 2011 erhalten, der mit je 750.000 Euro dotiert ist. Die Alexander von Humboldt-Stiftung und die Max-Planck-Gesellschaft ehrten damit zwei hervorragende Wissenschaftler, die ein Forschungsfeld, das an der Schnittstelle zu unterschiedlichen Disziplinen liegt, maßgeblich vorangebracht haben.

Verleihung des Max-Planck-Forschungspreises 2011:  Helmut Schwarz, Präsident der Humboldt-Stiftung, Bernhard Schölkopf, Preisträger, Staatssekretär Georg Schütte,  Sebastian Thrun, Preisträger, Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (von li. nach re.)

Sebastian Thrun lehrt und forscht an der Stanford University. Seit 2004 leitet er das Stanford Institut für Künstliche Intelligenz, eines der größten und bedeutendsten Institute auf diesem Gebiet weltweit. Der 43-jährige Informatiker arbeitet an der Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und Robotik. Sein Hauptinteresse gilt lernfähigen Robotiksystemen, die sich selbständig bewegen können. So hat er beispielsweise gezeigt, dass es möglich ist, ohne Vorwissen mit einem mobilen Roboter eine Karte der Umgebung zu erstellen und dabei die Position und Orientierung des Roboters effektiv zu schätzen. Darüber hinaus eröffnen seine Arbeiten Robotern neue Einsatzbereiche außerhalb der industriellen Massenfertigung. So war er an der Entwicklung des Roboters "Rhino" beteiligt, der autonom durch das Deutsche Museum Bonn führen konnte. Der Nachfolger „Minerva“ wurde 1998 im Smithsonian-Museum in Washington getestet. Weitere Roboter-Modelle können mit Menschen über Sprache kommunizieren oder Bergwerke kartieren. Sebastian Thrun hat damit wissenschaftlich äußerst bedeutsame Erkenntnisse zur Orientierungsfähigkeit mobiler Systeme erbracht.

Sebastian Thrun

Auch selbständig navigierende Fahrzeuge nutzen die die Forschungsergebnisse von Sebastian Thrun. Diese Arbeit soll die Zahl der Verkehrsopfer durch intelligente Fahrerassistenz-Systeme verringern und Verkehrsflüsse effizienter steuern. Der von Sebastian Thruns Team entwickelte Geländewagen „Stanley“  legte 2005 ohne Besatzung eine Strecke von über 200 Kilometern im unwegsamen Gelände der Mojave-Wüste zurück. Als leitender Fachmann hat Sebastian Thrun zudem maßgeblich die technischen Grundlagen für Google StreetView geschaffen. Zurzeit sind sieben Test-Autos im kalifornischen Straßenverkehr unterwegs, die bereits über 200.000 Kilometer zurück gelegt haben. Diese Fahrzeuge können ihre Umgebung mit Laser-Scannern und Kameras erfassen und situationsbezogen entsprechend der Verkehrsregeln agieren.

Bernhard Schölkopf forscht am Max-Planck-Institut für íntelligente Systeme in Tübingen. Der 43-jährige Mathematiker und Physiker ist einer der führenden Forscher in Europa auf dem Gebiet des maschinellen Lernens. Er erforscht Rechenverfahren, sogenannte Algorithmen, mit denen Computerprogramme so programmiert werden können, dass sie flexibel auf neue Situationen reagieren können.

Bernhard Schölkopf

Bernhard Schölkopfs Forschungsergebnisse haben die Algorithmen für maschinelles Lernen effizienter gemacht. Damit können statistische Schätzprobleme so weit generalisiert werden, dass sie genauso auf biologisch-medizinische Fragestellungen angewendet werden können wie auf sozialwissenschaftliche und philosophische Probleme.

Der Max-Planck-Forschungspreis, der internationale Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Max-Planck-Gesellschaft, wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert. Er fördert deutsche und ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus besonders zukunftsträchtigen Fachdisziplinen. Ausgezeichnet werden jeweils ein in Deutschland und ein im Ausland tätiger Forscher, die bereits international anerkannt sind und von denen im Rahmen internationaler Kooperationen weitere wissenschaftliche Spitzenleistungen erwartet werden. Der Preis wird im jährlichen Wechsel jeweils in einem Teilgebiet der Natur- und Ingenieurwissenschaften, der Lebenswissenschaften oder der Geisteswissenschaften ausgeschrieben.

Die Preisverleihung fand am 19. Oktober in Berlin statt.

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