Spannende Zeit mit der Jugendliebe

Mit Otto Meitinger stirbt der erste Leiter der Bauabteilung der Max-Planck-Gesellschaft

14. September 2017

Der renommierte Münchner Architekt, Professor Otto Meitinger, ist am 9. September im Alter von 90 Jahren verstorben. Der ehemalige Präsident der Technischen Universität München war von 1963 an dreizehn Jahre lang bei der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft als Leiter der neu eingerichteten Bauabteilung tätig und erlebte einen Boom an Institutsneu- und anbauten mit, für die er mit seinem Team organisatorisch verantwortlich war. 

Der Kontakt mit der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) war im Zuge von Otto Meitingers Einsatz als junger Regierungsbaurat für den Wiederaufbau der Münchner Residenz entstanden. 1953 hatte er diese Aufgabe übernommen und sich dabei enorme Meriten erworben; die Münchner Residenz mit dem Cuvilliés-Theater galt damals als beispielgebend für den Wiederaufbau kriegszerstörter Baudenkmäler in Europa. Sehr zufrieden scheint offenbar auch Max-Planck-Präsident Adolf Butenandt gewesen zu sein, dem Meitinger das Präsidialbüro eingerichtet hatte, denn die Verwaltung der Wissenschaftsorganisation war zu jener Zeit in der Residenz untergebracht. Zur Betreuung der umfangreichen Bauaufgaben gründete die MPG 1963 eine eigene Bauabteilung, um durch die Freistellung von einer Kontrolle durch die Bundesbauverwaltung möglichst schnell und unbürokratisch arbeiten zu können. Mit dem Aufbau und der Leitung betraute man den damals 36-jährigen Meitinger.  

Dreizehn Jahre lang sollte der gebürtige Münchner bei der MPG bleiben, der seine Heimatstadt nie verlassen hat – trotz etlicher Angebote; selbst die Aufgabe als Präsident der Bundesbaudirektion mit Verantwortung für Bauten in aller Welt, konnte ihn nicht locken. Zu sehr war Meitinger, der sich selbst als konservativ bezeichnete, in seiner Heimatstadt verwurzelt.

Individuelle Gebäude zur Identifikation

Meitingers Tätigkeit für die MPG war aber auch mehr als abwechslungsreich: Wegen der unterschiedlichen wissenschaftlichen Arbeitsrichtungen der Max-Planck-Institute (MPI) ergaben sich vielseitige und differenzierte Aufgaben wie Bibliotheksbauten, Laborgebäude oder astronomische Beobachtungsstationen. Dem Wandel der MPG-Struktur entsprechend musste bei der Planung der Institutsneu- und anbauten von der Philosophie der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft abgewichen werden, bei der ein Neubau „um einen herausragenden Wissenschaftler herum“ gedacht worden war. Aufgabe war nun die Errichtung flexibel nutzbarer Gebäude, die ohne gravierende Umbauten an veränderte Forschungsanforderungen angepasst werden konnten und die dem Wunsch nach interdisziplinärer Kommunikation innerhalb der Institute gerecht wurden.

Die Planung und Ausführungsüberwachung erfolgte – wie heute noch – meist in Zusammenarbeit mit einem freischaffenden Architekten. Vor der Beauftragung wurde von der Bauabteilung der MPG jedoch damals in fast allen Fällen noch ein Vorentwurf oder zumindest ein Skizzenprojekt als Grundlage für die weitere Planung erarbeitet oder aber ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Da sich die Forschungsaufgaben der Max-Planck-Institute damals noch mehr als heute auf wissenschaftlichen Grenzgebieten bewegten, musste auch bei den Bauten oft Neuland betreten werden; es entstanden charakteristisch unverwechselbare Gebäude mit denen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gerne identifizierten. So wurden in Meitingers Zeit zum Beispiel die MPI am Campus in Martinsried, das MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen, die Berliner MPI für Bildungsforschung und für molekulare Genetik, die MPI für Strafrecht (Freiburg), für Biophysik (Frankfurt), für Astronomie (Heidelberg), für Metall- und für Festkörperforschung (Stuttgart) und für Verhaltensphysiologie in Seewiesen fertiggestellt.

Meitinger bahnte den Weg zu Schloss Ringberg

Folgenreich war Meitingers Kontakt zu Herzog Luitpold in Bayern, den er mit Präsident Adolf Butenandt zusammenbrachte. Er hatte als Residenzbaumeister ein Denkmalschutz-Gutachten über Schloss Ringberg für den Herzog angefertigt, der nun eine Möglichkeit suchte, den sinnvollen Fortbestand der Immobilie zu sichern. 1967 vermachte der Herzog das Schloss und sein Barvermögen vertraglich der MPG, die es 1973 dann erbte und ab 1980 aus- und umbaute. Unter Max-Planck-Präsident Reimar Lüst wurde Ringberg als Tagungsstätte 1983 eingeweiht und avancierte nach Jahren der räumlich eingeschränkten Nutzung schnell zur beliebten Location für abgeschiedene Tagungen.

Seine Karriere setzte Otto Meitinger nach der MPG an seiner einstigen Ausbildungsstätte fort: Er übernahm 1976 den Lehrstuhl für Entwerfen und Denkmalpflege an der Technischen Universität München. Dort wurde er 1983 zum Dekan der Fakultät für Architektur und 1987 zum Präsidenten der TUM gewählt. In seiner Amtszeit bis 1995 ist es ihm vor allem gelungen, den Lehrkörper zu verjüngen, die TUM fit zu machen für den internationalen Wettbewerb und den Ausbau des Campus in Garching einschließlich des Weiterbaus der U-Bahn bis zum Forschungszentrum voranzutreiben.

Die MPG - eine Jugendliebe

Otto Meitinger hing, wie er vor vier Jahren im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte, an seinen „Jugendlieben“: dem Wiederaufbau der Residenz und der Leitung der MPG-Bauabteilung. Die Zeit bei Max Planck habe ihn sehr bereichert. Er habe durch die Bauten für ganz verschiedene wissenschaftliche Disziplinen viel gelernt und davon für die spätere Zeit an TU profitieren können. Als Förderndes Mitglied war er der MPG bis zuletzt verbunden und besuchte noch lange Jahre die Hauptversammlungen. Die MPG erinnert sich mit Freude eines großen Planers und Gestalters von Bauten für die Wissenschaft.

sb/TUM

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