Auf der Suche nach dem Erdzwilling

Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung etabliert Datenzentrum für die europäische Mission PLATO, die nach Exoplaneten suchen soll

21. Februar 2014

Wie verbreitet sind Planeten wie die Erde in unserer Galaxis? Und bieten diese Himmelskörper Bedingungen für die Evolution von Leben? Zur Beantwortung dieser Fragen wird PLATO (PLAnetary Transits and Oscillations of stars) entscheidend beitragen. Die Europäische Weltraumagentur hat jetzt offiziell den Startschuss für diese Mission gegeben, die 2024 ins All aufbrechen soll. Sechs Jahre lang wird die Raumsonde eine Millionen Sterne nach Planeten absuchen. Die Eigenschaften von 85.000 dieser Systeme sollen genau bestimmt werden. In enger Zusammenarbeit mit europäischen Partnern übernimmt Deutschland dabei eine Führungsrolle: Das Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt leitet die Gesamtmission, das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen die Auswertung der Daten.

Unter fremder Sonne: Im Universum gibt es offenbar eine große Anzahl extrasolarer Planeten. PLATO wird eine Millionen Sterne ins Visier nehmen und dabei nach solchen suchen, die von erdähnlichen Himmelskörpern begleitet werden.

„PLATO wird Planeten wie die Erde entdecken, welche die notwendigen Voraussetzungen für Leben bieten“, sagt Laurent Gizon, Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut. Dank der Weltraummissionen CoRoT und Kepler hat es bei der Suche nach Exoplaneten in den vergangenen Jahren gewaltige Fortschritte gegeben. Allerdings waren diese Missionen nicht darauf angelegt, neue Welten zu finden, die Sterne in unserer Nähe umkreisen.

Erst PLATO wird in der Lage sein, diese Sterne und ihre Planeten zu untersuchen. Das wichtigste Ziel der Mission ist es, einen Zwilling der Erde zu entdecken. „PLATO wird es uns ermöglichen, Planeten zu finden, die ihren Stern innerhalb der habitablen Zone umkreisen – Planeten, auf denen wir flüssiges Wasser erwarten und auf denen Leben, so wie wir es kennen, möglich ist“, sagt die Missionsleiterin Heike Rauer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, ist PLATO nicht mit einem, sondern gleich mit 34 Teleskopen ausgerüstet. Sechs Jahre lang werden diese einen großen Teil des Himmels absuchen und so die gesamte Vielfalt der Sterne und Planetensysteme in unserer Galaxis erfassen.

Späher im All: So könnte das Observatorium PLATO aussehen. Das Bild zeigt einen Vorschlag für die Umsetzung der Firma Thales Alenia Space.

Wenn ein Exoplanet auf seiner Umlaufbahn von der Erde aus betrachtet vor seinem Stern vorüberzieht, dämpft er dessen Licht leicht. Diesen Zusammenhang wird PLATO nutzen, um Exoplaneten aufzuspüren. Um ihre Radien, ihre Massen und ihr Alter zu bestimmen, müssen zunächst dieselben Eigenschaften des dazugehörigen Sterns bekannt sein. Nur die Asteroseismologie – die Wissenschaft stellarer Schwingungen – kann diese Daten mit der notwendigen Genauigkeit liefern.

In den Jahren bis zum Start der Sonde wird das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung an seinem neuen Standort am Nordcampus der Universität in Göttingen das PLATO-Datenzentrum aufbauen. Es wird eng mit weiteren Rechenzentren in Europa zusammenarbeiten. Ziel ist es, eine Millionen Lichtkurven von Sternen auszuwerten und aus ihnen Radius, Masse und Alter der Sterne zu generieren. „Dieser PLATO-Katalog wird von unschätzbarem Wert für viele kommende Generationen von Astronomen sein“, sagt Gizon. „Besonders, weil er auch die Planeten enthalten wird, bei denen eine weitergehende Suche nach Leben sinnvoll erscheint.“

BK/HOR

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