Seltenes Spektakel: Wie Wissenschaftler den Venus-Transit nutzen

6. Juni 2012

Am 6. Juni konnte man ein seltenes Ereignis beobachten: einen Venus-Transit. Dabei wanderte die Venus von der Erde aus betrachtet vor den hellen Sonnenball und lieferte – bei klarer Sicht – Hobbyastronomen und Wissenschaftlern spektakuläre Bilder.

Ein besonders schöner Anblick bot sich, wenn die Venus während ihrer Wanderung an Sonnenflecken, dunklen Stellen auf der hellen Sonnenoberfläche, vorbei kam. Ebenso eindrucksvoll war der Moment kurz vor dem Austritt der Venusscheibe aus der Sonne. Dann war eine dunkle Brücke zu sehen, die Venus wurde kurz auseinandergezogen. Dieses „Tropfenphänomen“ machte es den Astronomen im 19. Jahrhundert unmöglich, die genaue Zeit des zweiten und dritten Kontaktes von Venus und Sonne zu bestimmen. Dies erschwerte die genaue Bestimmung der Sonnenentfernung.  

Die Venus zieht vor die Sonne. (Aufnahme vom 6. Juni 2012)

Der Transit ist eher aus historischer Sicht bedeutsam. "Heute können wir mit der Raumsonde Venus Express Messungen der Atmosphäre vor Ort machen und sind nicht mehr auf den Transit angewiesen“, sagt Markus Fränz aus der Planetenforschungsgruppe des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau bei Göttingen.

Dennoch beobachtete die Sonnengruppe des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung um Werner Curdt den Venustransit vom Sonnenobservatiorium SOHO aus mit dem SUMER-Instrument. „SUMER ist ein hochauflösendes Spektrometer und beobachtet Licht im Spektralbereich von 60 bis 160 Nanometern. In diesem sehr speziellen Bereich entstehen in der Sonnenatmosphäre viele Emissionslinien“, erläutert Curdt.  

Vom SOHO-Observatorium im Weltraum aus war es möglich, die Atmosphäre der Venus zu untersuchen, die von der Sonne angeleuchtet wird. „Als die Venus nicht mehr vor der Sonnenscheibe stand, konnten wir die von hinten beschienene Venus-Atmosphäre sehen und das Streulicht der Sonne sowie Emissionen von den Bestandteilen der Planetenatmosphäre - etwa Wasserstoff, Helium oder Kohlenstoff - beobachten. Solche Messungen sind wegen des besonderen Spektralbereichs einzigartig“, erklärt der Sonnensystemforscher. „Darüber hinaus ermöglichte uns der Transit, Einiges über das Streulichtverhalten des Instruments selbst zu erfahren und dieses zu eichen“, ergänzt sein Kollege Udo Schühle.

Das seltene Ereignis bietet also immer noch einzigartige Erkenntnisse, auch wenn die Wissenschaft von heute nicht mehr viel mit den Forschungen von einst gemein hat. Während Astronomen ungefähr alle 18 Monate eine totale Sonnenfinsternis bestaunen können, ist der Venus-Transit wesentlich seltener und findet nur in Abständen von acht, 105,5, acht und 121,5 Jahren statt. Der Grund dafür ist die Neigung der Venusbahn um 3,4 Grad gegen die Erdbahnebene. Der Umlauf der Venus um die Sonne dauert 224 Tage. Da auch die Erde um die Sonne kreist, zieht die Venus nur alle 584 Tage zwischen Erde und Sonne hindurch („untere Konjunktion“).  Zu diesem Zeitpunkt steht die Venus von der Erde aus gesehen zumeist unter- oder oberhalb der Sonne. Zu einem Transit kommt es aber nur, wenn sich die Venus genau auf einem der beiden Schnittpunkte ihrer Bahn mit der Erdbahn befindet.

Besonders gut sichtbar war der Transit auf Grund der Mitternachtssonne in Spitzbergen, wo zurzeit des Durchlaufs eine Zusammenkunft der Wissenschaftler, die an der europäischen Venus Express Mission beteiligt sind, stattfand. Auch der Max-Planck-Forscher Wojiciech Markiewicz nahm daran teil. In Westeuropa war das Beobachtungsfenster deutlich kürzer. Denn nach dem Sonnenaufgang am 6. Juni blieben nur wenige Stunden, bereits um 6.55 Uhr war das Spektakel vorbei. Und in Deutschland versperrten vielerorts Wolken den Blick auf das himmlische Schattenspiel. Schade, denn von uns aus lässt sich der nächste Transit erst wieder am Nachmittag des 8. Dezember 2125 beobachten.

RWI / BA

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