Verursachter CO2-Ausstoß sinkt im Alter

Alterung könnte Klimawandel beeinflussen

7. November 2011

Die CO2-Emissionen pro US-Amerikaner nehmen bis etwa Mitte 60 mit dem Alter zu, danach wieder ab. Dies ergaben neue Analysen des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock. Für die USA bedeutet das: In den nächsten vier Jahrzehnten erhöht die Alterung der Bevölkerung den CO2-Ausstoß zwar insgesamt leicht. Doch langfristig könnte die steigende Lebenserwartung die Emissionen drücken.

Abb.2: Altersabhängige Ausgaben für energieintensive Güter (Durchschnittswerte für US-Einwohner pro Kopf und Jahr in US-Dollar).

Die Pro-Kopf- Ausgaben in den neun Bereichen ändern sich im Lauf des Lebens deutlich (siehe Abb. 2). Zunächst nehmen sie mit dem Alter zu, zusammen mit dem Einkommen: Erwachsene fliegen häufiger als Jugendliche, fahren mehr Auto und verbrauchen mehr Strom. Steigt das Alter weiter, ändert sich oft der Trend. Ältere geben zwar im Durchschnitt mehr aus als jüngere Erwachsene, einen zunehmenden Teil davon jedoch für ihre Gesundheit. Mit doppelten Effekt: Zum einen verursachen Gesundheitsdienstleistungen generell wenig Ausstoß von Treibhausgasen. Zusätzlich bleibt für energieintensive Güter weniger Geld übrig. Besonders früh sinken die Ausgaben mit 58 für Kleidung, der Benzin-Verbrauch ist ab 60 Jahren rückläufig. Auch weil sie deswegen mehr zuhause bleiben, steigt ihr Bedarf an Strom und Gas jedoch weiter, bis sie 80 Jahre alt sind. Erst dann scheint er zu stagnieren.

Auf die gesamte Pro-Kopf-Emissions-Kurve haben Strom und Gas einen besonders starken Einfluss, denn für sie ist der CO2-Ausstoß pro investiertem US-Dollar am größten: Strom verursacht 8,7 Kilogramm Kohlendioxid pro Dollar (kg CO2/$) und ist damit Spitzenreiter in Zaghenis Liste der Klimakiller. Danach folgen Gas mit 7,5 kg CO2/$ und Benzin mit 6 kg CO2/$. Die anderen Güter haben vergleichsweise wenig Einfluss. Ein Flug bringt es auf etwa 2,3 kg CO2/$, und ein Dollar für Tabakwaren verursacht nur ein halbes Kilogramm CO2.

Hat die individuelle CO2-Ersparnis im Alter auch einen klimarelevanten Effekt für ganze Bevölkerungen? Zagheni prognostizierte den künftigen Kohlendioxid-Ausstoß für die USA, indem er die Bevölkerung von etwa 300 Millionen Einwohnern zwar altern, aber nicht wachsen ließ. Das Ergebnis ist ein durchschnittliches CO2-Plus von einer Million MT in jedem der Jahre 2007 bis 2050 (siehe Abb. 3). Damit ist der Alterseffekt klein, verglichen mit dem gesamten CO2-Ausstoß der USA von derzeit ungefähr 5 900 Millionen MT pro Jahr. Und die steigende Lebenserwartung lässt den Klimagasausstoß mittelfristig steigen – anders als es die im Alter sinkende Pro-Kopf-Kurve nahe legen würden. Warum?

Abb.3: Jährliche Veränderungen von Konsum und CO2-Ausstoß der US-Bevölkerung im Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2050, wenn sich nur die Altersstruktur verändert, nicht aber die Bevölkerungsgröße.

Wahrscheinlich drückt die Bevölkerungsalterung den Ausstoß an CO2 im Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2050 noch nicht nach unten, weil sie bis dahin noch nicht weit genug fortgeschritten sein wird. Zwar zeichnet sich bereits ab, dass die Einwohner der USA einige energieintensive Güter weniger stark verbrauchen werden: Der Kohlendioxidanfall durch Benzin reduziert sich (gut 400.000 MT weniger, siehe Abb. 3) ebenso wie der durch den Verschleiß von Autos (gut 150.000 MT weniger), weil sie weniger genutzt werden (durchschnittlich minus 0,05 bzw. minus 0,07 Prozent).

Doch diese Reduktionen werden mehr als ausgeglichen, weil andere Güter wie Strom- und Gas stärker konsumiert werden (plus 0,09 bzw. 0,1 Prozent pro Jahr), und für zusätzliche Emissionen sorgen (knapp 900.000 MT bzw. gut 500.000 MT mehr).

Insgesamt bleibt der Saldo des Altersstruktureffekts mittelfristig ein Plus an CO2. Ein Grund dafür sind die starken Jahrgänge der Babyboomer, die in den kommenden Jahren im Alter um 65 sein werden, und somit in den Altersstufen mit den höchsten Emissionswerten. Erst nach 2030, wenn die Babyboomer die Altersklassen um 80 Jahre belegen, könnten die CO2-Einsparungen überwiegen. Aus Zaghenis Ergebnissen ist eine solche Entwicklung zwar nicht ablesbar. Das liegt aber an seiner Methodik: Sie liefert nur einen einzigen Durchschnittswert für jedes der Jahre von 2007 bis 2050. Die Durchschnittsbildung verbirgt, dass die Emissionen zum Ende des Simulationszeitraums durchaus sinken können.

Auch geht die Studie davon aus, dass die Technologie sich nicht weiter entwickelt. Wird sie aber künftig klimaschonender, könnte dies den CO2 senkenden Alterseffekt noch verstärken. Zum Beispiel, wenn Strom, von dem Alte besonders viel verbrauchen, mit weniger Emissionen erzeugt und verbreitet wird. Ökonomische Modellrechnungen anderer Forscher zeigen: Reduktionen des Klimagases durch Altersstruktureffekte wirken erst langfristig nach 2050. Dann allerdings könnten sie Einsparungen von bis zu 20 Prozent bedeuten.

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