Aus der Geschichte lernen

Vom Chemiker zum hochrangigen Botschafter – es war eine erstaunliche Karriere, die Heinz Ludwig Krekeler in aufregenden Zeiten durchlief. Zeit seines Lebens strebte er eine Gesellschaftsordnung an, die auf dem Konsens frei entscheidender Bürger beruht.

Dieses Ziel ließ er nie aus den Augen und gründete eine Stiftung unter dem Dach der Max-Planck-Gesellschaft. Damit unterstützte er zielstrebig interdisziplinäre Forschungsprojekte, in denen Wissenschaftler die Grundlagen für freiheitliche Gesellschaftsordnungen untersuchen und die Frage klären können, wie sie auf Dauer überleben können.

Die Generation Heinz Krekelers war geprägt von den historischen Erfahrungen zweier unheilvoller Kriege, die sich nie wiederholen sollten. Daran arbeitete er als erster deutscher Botschafter in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg und später als Europa-Politiker aktiv mit. Dabei war ihm die politische Karriere nicht vorherbestimmt. Krekeler hatte ursprünglich Chemie studiert, 1930 zum Dr. phil. promoviert und unter anderem erfolgreich bei der IG-Farbenindustrie in Ludwigshafen gearbeitet. Schon 1931 beantragte er mit Erfolg ein US-Patent zur Herstellung von Fluor durch das Fluor-Elektrolyse-Verfahren.

Doch nach den verhängnisvollen Erfahrungen des Krieges zog es Krekeler in die Politik. Er war zunächst ehrenamtlicher Beauftragter der Wirtschaftsverwaltungen der französischen Besatzungszone, wurde in den Landtag von Lippe und in den Provinzialrat Westfalen gewählt und war Abgeordneter des ersten Landtags von Nordrhein-Westfalen. 1950 wurde er von der Bundesregierung zum deutschen Generalkonsul in New York ernannt, ein Jahr später zum Geschäftsträger der Deutschen Vertretung in den USA, und 1953 schließlich zum ersten Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in den USA. Diesem Amt folgte die Mitgliedschaft in der EURATOM-Kommission der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel. Zum Ende seiner beruflichen Laufbahn erhielt Krekeler einen Lehrauftrag für diplomatische und internationale Beziehungen an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und an der Hochschule für Politische Wissenschaften in München.

"Nur diejenigen Gesellschaftsordnungen sind langfristig ohne Zwang stabil, die von den 'anthropologischen Konstanten' ausgehen, wie der große Schweizer Staatsmann Willy Bretscher vor vielen Jahren feststellte", schrieb Krekeler an den damaligen Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Hans Zacher. Es überschreite aber die Möglichkeiten des Einzelnen, eine Antwort darauf zu finden, welches die Konstanten sind: "Dafür bedarf es einer breit-interdisziplinär angelegten Forschung."

Die materiellen Voraussetzungen für sein Anliegen schuf Heinz Krekeler mit seiner Stiftung, die er vertrauensvoll in die Max-Planck-Gesellschaft einbrachte. Zwei ihrer Forscherpersönlichkeiten verbanden ihn jahrzehntelang dorthin: Adolf Butenandt, dem er in Göttingen als Chemie-Student im Rahmen eines Praktikums begegnete, und Fritz Haber, der Zweitgutachter seiner Doktorarbeit war. Diese Eindrücke und die späteren persönlichen Begegnungen mit den Wissenschaftlern festigten das Vertrauen in die Max-Planck-Gesellschaft.

Heinz L. Krekeler starb 2003 mit 97 Jahren in München. Wie testamentarisch von ihm bestimmt, können mit Hilfe seiner Stiftung in der größten außeruniversitären deutschen Forschungsorganisation so die Bedingungen untersucht werden, unter denen ein friedliches Zusammenleben der Völker gewährleistet werden kann.

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