Chemie . Informatik . Medizin

Forschungsbericht 2015 - Max-Planck-Innovation

Vom Labor zum Markt: Max-Planck-Innovation, die Technologietransfer-Organisation der Max-Planck-Gesellschaft

Autoren

Berninger, Markus

Abteilungen

Max-Planck-Innovation, München

Zusammenfassung
Unter dem Motto „Connecting Science and Business“ versteht sich die Max-Planck-Innovation GmbH als Partner für Wissenschaftler ebenso wie für Unternehmen. Mit unserem interdisziplinären Team beraten und unterstützen wir die Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) bei der Bewertung von Erfindungen, der Anmeldung von Patenten sowie bei der Gründung von Unternehmen. Damit erfüllen wir eine wichtige Aufgabe: Den Transfer von Ergebnissen der Grundlagenforschung in wirtschaftlich und gesellschaftlich nützliche Produkte.

Chemie Nobelpreis: Ausgezeichnete Produkte für Forschung und Wissenschaft

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Abb. 1: Leica SR GSD 3D Höchstauflösungssystem für 3D-Lokalisierungsmikroskopie

Stefan W. Hell vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen hat den Nobelpreis 2014 für Chemie erhalten. Seine Erfindungen im Bereich der hochauflösenden Mikroskopie wurden bereits in erfolgreiche Produkte umgesetzt und finden in der biologischen und medizinischen Forschung Anwendung.

Stefan Hell hat am 08. Oktober 2014 gemeinsam mit Eric Betzig und William E. Moerner die höchste wissenschaftliche Auszeichnung erhalten. Der Preis betont die Wichtigkeit der Lichtmikroskopie für die Lebenswissenschaften, insbesondere für die Virus- und Krebsforschung sowie die Neurowissenschaften. Mit seiner Erfindung der STED (Stimulated Emission Depletion)-Mikroskopie, hat Stefan Hell die Lichtmikroskopie revolutioniert. Herkömmliche Lichtmikroskope haben eine Auflösungsgrenze, die durch die Wellennatur des Lichts bedingt ist: Objekte, die weniger als 200 Nanometer (millionstel Millimeter) voneinander entfernt sind, können nicht mehr getrennt wahrgenommen werden. Auch die häufig in der Biologie und Medizin eingesetzte Fluoreszenzmikroskopie musste bisher vor dieser Grenze (Abbe-Limit) haltmachen. Dabei werden Moleküle der Zelle mit fluoreszierenden Farbstoffen markiert und mit Laserlicht einer bestimmten Wellenlänge gezielt „angeschaltet“, sodass sie leuchten. Liegen die Moleküle enger beieinander als 200 Nanometer (nm), verschwimmen sie allerdings auch hier zu einem verwaschenen Fleck. Für Biologen und Mediziner bedeutete dies eine massive Einschränkung – denn für sie sind weitaus kleinere Strukturen in lebenden Zellen interessant. Bei der von Stefan Hell erfundenen STED-Mikroskopie ist die Auflösung nicht länger durch die Lichtwellenlänge begrenzt. Dadurch ist es erstmals möglich, Strukturen in der Zelle mit einer heute bis zu zehnmal besseren Detailschärfe im Vergleich zu herkömmlichen Fluoreszenzmikroskopen zu beobachten.

STED ist inzwischen eine Schlüsseltechnologie für Forscher und Mediziner, und so erwerben immer mehr Forschungseinrichtungen und Universitäten Geräte. Der Markt für Höchstleistungs-Mikroskopie beläuft sich nach Branchen-Insidern auf bis zu eine Milliarde Euro. Bei der Vermarktung ihrer Technologien unterstützt Max-Planck-Innovation Stefan Hell und das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie seit Jahren. So wurden Lizenzvereinbarungen über Verfahren wie gated STED (gSTED), GSDIM (ground state depletion microscopy followed by individual molecule return) und RESOLFT (reversible saturable optical fluorescence transitions) zur Entwicklung hochauflösender Mikroskope mit verschiedenen Firmen abgeschlossen. Mit den beiden Mikroskopen Leica TCS SP8 STED 3X und Leica SR GSD 3D vertreibt Leica Microsystems zur Zeit als einzige Firma beide Höchstauflösungstechnologien, die mit diesem Nobelpreis verbunden sind. Stefan Hell erklärte anlässlich der Lizenzierung von GSDIM: „Leica Microsystems war mit Abstand das erste Unternehmen, das den für die Lichtmikroskopie historischen Durchbruch der Beugungsgrenze in Produkte umgesetzt hat. Wir freuen uns, dass Leica mit GSDIM ein weiteres – zur STED-Mikroskopie komplementäres – nanoskopisches Verfahren weltweit verfügbar macht“. Bernd Sägmüller, bei Leica für das Geschäftsfeld Konfokalmikroskopie zuständig, sagte in der Wirtschaftswoche: „Die Entscheidung, die exklusiven Rechte an Hells Entdeckung zu erwerben, war damals sehr risikoreich“. Seither wurden mehr als 150 Geräte mit einem Verkaufspreis von jeweils 600 000 Euro verkauft. „Die Produktion läuft auf Hochtouren“, so Sägmüller weiter. Mit dem MicroTime 200 der Firma PicoQuant ist seit 2014 ein weiteres Mikroskop, basierend auf der gSTED-Technologie, auf dem Markt.

Darüber hinaus wurden in den Jahren 2011 und 2012 mit Abberior und Abberior Instruments zwei von Max-Planck-Innovation begleitete Ausgründungen aus der Abteilung von Stefan Hell ins Leben gerufen. Die Gründer sind neben Hell diejenigen Mitarbeiter, die in den vergangenen Jahren STED und die verwandte RESOLFT-Methode in seiner Abteilung umgesetzt und bis zur Anwendungsreife entwickelt haben. Basierend auf einer modularen Plattform bietet die Abberior Instruments GmbH nun kommerzielle STED- und RESOLFT-Systeme an. Das aktuelle easy3D STED Mikroskop bietet eine Auflösung von unter 25 nm und ist damit zehnmal besser als ein konventionelles Konfokalmikroskop. Abberior Instruments wurde bereits mit dem ‚Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft 2014‘ sowie mit dem ‚STEP Award 2014‘ für das beste Produkt ausgezeichnet. Die Mikroskope wurden auf diversen Fachmessen, Workshops und einer Roadshow international einem breiten Publikum vorgestellt. Installierte Mikroskope befinden sich bereits in vielen europäischen Ländern und in China.

Wie die Vergabe des Chemie-Nobelpreises nochmals eindrucksvoll unterstreicht, sind neben perfekt auf Methode und Anwendung abgestimmten Geräten geeignete Farbstoffe ein zentraler Baustein aller bekannten Methoden der Höchstauflösung. Die Schwesterfirma, Abberior GmbH, entwickelt und vertreibt deshalb maßgeschneiderte Farbstoffe für die unterschiedlichen Methoden der optischen Nanoskopie. „Der Vertrag mit Max-Planck-Innovation deckt einen Großteil unserer Farbstoff-Neuentwicklungen mit den Schutzrechten der Max-Planck-Gesellschaft ab und sichert uns die Exklusivität dieser Farbstoffe zu“, erklärt Gerald Donnert, Geschäftsführer der Abberior GmbH.

„Wir gratulieren Herrn Professor Hell zum Erhalt der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung, die es gibt. Seine Erfindungen im Bereich der Mikroskopie sind von unschätzbarem Wert für die biologische Forschung und die medizinische Diagnostik“, so Bernd Ctortecka, Patent- und Lizenzmanager bei Max-Planck-Innovation.

Lizenzverträge

Die New Yorker Firma Body Labs hat eine neuartige Software zur Erstellung dreidimensionaler Avatare lizenziert. Die am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und der Brown University entwickelte Technologie kann unter anderem im Online-Kleidungsverkauf eingesetzt werden.

Body Labs hat die weltweit führende Technologie für eine vollautomatisierte Herstellung von virtuellen dreidimensionalen Avataren entwickelt. Die Technologie ist das Ergebnis von fast zehn Jahren intensiver Forschung der Brown University und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Tübingen. Damit lassen sich auf einfache Weise hochpräzise und realistische Avatare herstellen, die das gesamte Spektrum menschlicher Bewegungsabläufe imitieren können. Interessant sind diese neuen Möglichkeiten beispielsweise für Bereiche wie Kleidungs- und Produktdesign, 3D-Druck von Spezialausrüstung und Kleidung, Spiele, Filmanimation oder den Online-Kleidungsverkauf.

„Wir sind davon überzeugt, dass wir mit den entwickelten Algorithmen eine neue Schnittstelle zwischen Verbrauchern und Unternehmen schaffen können”, erläutert Bill O'Farrell, Geschäftsführer von Body Labs. „Verbraucher können dann Waren und Dienstleistungen auf der Grundlage ihrer individuellen Größe, Figur und Bewegungen aussuchen, vergleichen und einkaufen”, so O’Farrell. Für die Herstellung eines Avatars laden Kunden entweder einen Bodyscan in die Online-Anwendung BodyHub hoch oder geben dort bestimmte Maße ein. BodyHub bietet weitere Zusatzfunktionen für die 3D-Klone, wie Größenänderung, Haltungsänderung oder Animation. Modedesigner können solche Avatare dann in computergestützte CAD-Software laden. Dort lassen sich die virtuellen Figuren bekleiden und animieren, damit die Designer sehen, wie ihre Kleidungsentwürfe zu verschiedenen Körpertypen passen und wie sich die Kleidungsstücke bei Körperbewegungen verändern und verformen. Derzeit konzentriert sich das Unternehmen auf den Kleidungs- und Produktdesignmarkt. Zu den weiteren Anwendungsmöglichkeiten zählen die Erfassung von Körperdaten beim Sport, Videospiele, Online-Preisvergleiche und die Ergonomie.

Die italienische Firma Axxam hat auf Basis einer Lizenz zur Nutzung biologischer Fotorezeptoren für die direkte lichtaktivierte Steuerung von Ionenkanälen, die unter anderem am Max-Planck-Institut für Biophysik erforscht wurden, eine neue Technologie zum Medikamenten-Screening mit zellulären Lichtschaltern entwickelt. Damit kann die Suche nach neuen Wirkstoffen für die Medizin beschleunigt und vereinfacht werden.

<strong>Abb. 2:</strong> Mit der neuen Plattform k&ouml;nnen Forscher viele verschiedene Wirkstoffe parallel zueinander testen. Bild vergrößern
Abb. 2: Mit der neuen Plattform können Forscher viele verschiedene Wirkstoffe parallel zueinander testen.

Für viele Biologen ist in den vergangenen zehn Jahren ein Traum wahr geworden: Mithilfe der Optogenetik können sie lichtempfindliche Proteine in unterschiedliche Zellen einbauen und durch Licht an- und abschalten. Lichtempfindliche Proteine – sogenannte Rhodopsine – im Auge von Tieren wandeln Licht in elektrische Reize für Nervenzellen um und ermöglichen so das Sehen. Max-Planck Forscher haben im Jahr 2002 auch in der Grünalge Chlamydomonas reinhardtii Rhodopsin-ähnliche Proteine entdeckt, die von Licht aktiviert werden und als Ionenkanal agieren. Das von den Entdeckern Ernst Bamberg und Georg Nagel vom Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt und Peter Hegemann an der Universität Regensburg Channelrhodopsin-2 genannte Protein wird von blauem Licht aktiviert und bewirkt einen massiven Einstrom von positiven Ionen in die Zelle.

Die Firma Axxam SpA in Mailand, ein führender Dienstleister für Forschung und Entwicklung, hat nun ein Screening-Verfahren entwickelt, das mithilfe der Optogenetik eine große Zahl unterschiedlicher spannungsabhängiger Ionenkanäle parallel testet. Solche Kanäle sind interessante Ziele für die Suche nach neuen medizinischen Wirkstoffen. Dabei werden Zellen genetisch so verändert, dass sie verschiedene Varianten von Channelrhodopsin und den zu untersuchenden Ionenkanal bilden. Die Ion ChannelFLASH-Plattform verwendet LED-basierte Lichtquellen (FLIPRTETRA), die das Channelrhodopsin aktivieren und so die Spannung in den Zellen verändern. So lässt sich analysieren, ob ein Wirkstoffkandidat das Verhalten des Ionenkanals bei unterschiedlichen Zellspannungen wie gewünscht verändert. Die neue Plattform ersetzt zeitaufwändige und teure Methoden, die mit Elektroden oder unnatürlich hohen Konzentrationen von Kalium arbeiten.

Das Beispiel der Entdeckung von Channelrhodopsin zeigt, dass Grundlagenforschung in hochspezialisierten Forschungsgebieten zu Durchbrüchen auf ganz anderen Feldern und zu innovativen Anwendungen führen kann. Aus der ursprünglichen Forschung an Grünalgen, die auf den ersten Blick von einer medizinischen Anwendung weit entfernt ist, hat sich mit der Optogenetik in wenigen Jahren ein Forschungsgebiet entwickelt, aus dem neue Behandlungsmöglichkeiten hervorgehen können.

Ausgründungen

Die KonTEM GmbH, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Biophysik und des Forschungszentrums caesar, wurde von FEI Company übernommen. Damit geht die von KonTEM entwickelte Phasenkontrast-Technologie im Produktportfolio eines weltweit agierenden Marktführers für Hochleistungsmikroskopie auf.

Das von KonTEM entwickelte Phasenkontrastsystem für Transmissions-Elektronenmikroskope ermöglicht einen zwei- bis dreifach verbesserten Bildkontrast bei gleichzeitig hoher Objektauflösung und eröffnet damit neue Möglichkeiten bei der Untersuchung biologischer Proben im technologischen Grenzbereich. Die zugrunde liegende Technologie wurde am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt erforscht und bei caesar zu einem marktfähigen Produkt weiterentwickelt. Inzwischen ist sie in der Erprobungsphase bei Kunden. Technologie und Unternehmen wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem durch den 1. Preis des NUK Businessplan-Wettbewerbs im Jahr 2011 und den Innovationspreis der Volksbank Bonn Rhein-Sieg im Jahr 2012. Benjamin Kaupp, Wissenschaftlicher Direktor bei caesar: „Die Übernahme durch die Branchengröße FEI unterstreicht, dass KonTEM über eine herausragende und zukunftsorientierte Technologie verfügt.“ Das M&A-Mandat für den erfolgreichen Exit wurde von dem Gesellschafter High-Tech Gründerfonds (HTGF) übernommen.

Die Max-Planck-Gesellschaft hat sich 2014 an der Abberior GmbH beteiligt, die 2012 aus dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen ausgegründet wurde. Ihre wesentliche Technologiebasis begründet sich auf den Erfindungen im Bereich der Mikroskopie, die vom frisch gekürten Nobelpreisträger Stefan Hell und seinem Team am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie getätigt wurden.

Inkubatoren

Um Erfindungen, die unter anderem aus der Grundlagenforschung der Max-Planck-Institute stammen, industriekompatibel zu validieren und damit näher an die Industrie und den Markt heranzubringen, hat Max-Planck-Innovation in den letzten Jahren verschiedene Inkubatoren ins Leben gerufen. Auch 2014 gab es hier zahlreiche positive Entwicklungen.

Die von Max-Planck-Innovation im Jahr 2008 in Dortmund eingerichtete Lead Discovery Center GmbH (LDC) beschäftigt sich mit der pharmazeutischen Wirkstoffforschung und treibt Projekte, die aus der Forschung der Max-Planck-Gesellschaft und aus anderen Forschungseinrichtungen stammen, bis zur sogenannten Leitstruktur („Lead“) voran. 2014 hat das LDC eine Partnerschaft mit Daiichi Sankyo abgeschlossen, um neue Wirkstoffe zur Behandlung von Krankheiten zu entwickeln, für die dringend wirksame Therapien benötigt werden. Die Partner werden sich auf Krankheitsfelder und Wirkmechanismen in den therapeutischen Bereichen Onkologie, Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und Stoffwechselkrankheiten konzentrieren. Im Rahmen einer neuen Partnerschaft mit der Arctic University of Norway wird gemeinsam eine Substanzbibliothek untersucht, die aus unterschiedlichsten Organismen des Nordpolarmeers gewonnen wurde, um neue Wirkstoffe zu identifizieren und die Entwicklung neuer Therapien zu starten. Ziel der ersten Kollaboration mit der Helmholtz-Gemeinschaft ist die Identifizierung neuer Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von Neuroblastomen und weiteren Krebsformen.

<strong>Abb. 3:</strong> Wissenschaftler am LDC Bild vergrößern
Abb. 3: Wissenschaftler am LDC

Die Life Science Inkubator GmbH (LSI), die seit 2009 in Bonn und seit 2013 in Dresden operativ verschiedene Ausgründungsvorhaben im Bereich der Lebenswissenschaften vorantreibt, hat nun im Rahmen eines Ausgründungsprojekts einen neuen Lösungsansatz zur dauerhaften Reduktion chronischer Schmerzen mithilfe eines „intelligenten Rückenbands“ entwickelt. Die Ausgründung Bomedus hat nach Erhalt der CE-Zertifizierung bereits mit der Vermarktung des bomedus® Rückenbands starten können. Mithilfe dieses Rückenbands und der darin integrierten Textilelektroden ist bei einer Vielzahl von chronischen Rückenleiden eine langfristige, medikamentenfreie und dauerhafte Schmerzreduktion durch die Stimulation der Nervenenden möglich. Die Ausgründung NEUWAY Pharma GmbH hat in einer Serie A-Finanzierungsrunde 2,7 Millionen Euro von einem Investorenkonsortium mit dem Lead-Investor Wellington erhalten. NEUWAY fokussiert sich auf die Entwicklung und Vermarktung eines proprietären Drug-Delivery-Systems sowie auf die präklinische und klinische Entwicklung von innovativen Therapeutika für die Behandlung von seltenen Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS).

Die IT Inkubator GmbH ist 2014 in Saarbrücken operativ an den Start gegangen. Die Firma wurde von der Universität des Saarlands und Max-Planck-Innovation ins Leben gerufen und soll Erfolg versprechende Informationstechnologien aufnehmen, die an den Forschungseinrichtungen der saarländischen Universitäten und Fachhochschulen sowie den Max-Planck-Instituten entwickelt wurden. Die saarländische Ministerpräsidentin und Wissenschaftsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat im März 2014 der IT Inkubator GmbH und der Universität den Zuwendungsbescheid für den gemeinsamen Förderantrag überreicht. Damit werden für das Inkubator-Konzept und das verbundene Kompetenzzentrum Informatik für die nächsten beiden Jahre 1,6 Millionen Euro bereitgestellt. Im Laufe des Jahres sind bereits zahlreiche Projekte für eine Inkubation evaluiert und erste sehr Erfolg versprechende davon aufgenommen worden.

In Göttingen wurde 2014 die Photonik Inkubator GmbH operativ gestartet. Hier werden neue Erkenntnisse aus der Photonik-Forschung künftig über umfassend vorbereitete Ausgründungen in die Anwendung überführt. 2014 wurden geeignete Räumlichkeiten im Laser Laboratorium in Göttingen inmitten des Research Campus an der Universität Göttingen bezogen. Gefördert aus Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK) und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) konnte im November 2014 das erste Projekt im Photonik Inkubator aufgenommen. Zurzeit werden weitere Projekte evaluiert, die in Göttingen durch entsprechende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Technologievalidierung, Stärkung des Patentschutzes, gegebenenfalls Teamergänzung und Unterstützung bei der Businessplanung sowie beim Fundraising optimal auf die anschließende Ausgründung und Finanzierung vorbereitet werden sollen.

Veranstaltungen

Am 1. und 2. Dezember stand München für zwei Tage ganz im Zeichen der Innovation: Die führenden deutschen Forschungsorganisationen luden zum dritten Mal zu den Innovation Days ein. Das seit 2012 bestehende Veranstaltungsformat, das 2014 federführend von der Max-Planck-Gesellschaft und Max-Planck-Innovation organisiert wurde, will den Transfer von Forschungsergebnissen fördern und Wissenschaft und Wirtschaft stärker miteinander vernetzen.

<strong>Abb. 4:</strong> Die Innovation Days 2014 z&auml;hlten rund 220 Teilnehmer. Bild vergrößern
Abb. 4: Die Innovation Days 2014 zählten rund 220 Teilnehmer.

Die Innovation Days sind eine ideale Plattform, um innovative Forscher, Technologietransfer-Experten, Business Development-Spezialisten aus der Wirtschaft und Venture Capital-Führungskräfte zusammenzubringen. Darüber hinaus bietet die Partnering-Konferenz der Industrie die einzigartige Gelegenheit, mehr über Spitzentechnologien und Ausgründungsprojekte der Max-Planck-Gesellschaft, Fraunhofer-Gesellschaft sowie der Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft zu erfahren. So präsentierten Forscher und Gründer 40 ausgewählte Technologien und Spin-off-Projekte aus den Bereichen Life Sciences (Schwerpunkt Biotechnologie) und Chemical & Physical Sciences (Schwerpunkt Materialien und Leichtbau). Im Rahmen von Vorträgen und Podiumsdiskussionen stellten Experten Best-Practice Beispiele für Kooperationsmodelle vor, gaben Tipps für die Finanzierung von Unternehmensgründungen und diskutierten über Open Innovation. Über die Online-Partnering-Plattform konnten die Teilnehmer bereits vorab Termine miteinander vereinbaren. Insgesamt gab es über 100 Partnering-Meetings in den zur Verfügung stehenden Partnering-Boxen, in denen Technologien und Ausgründungsvorhaben mit potenziellen Finanzierungs- und Lizenzpartnern besprochen wurden. Aufgrund des positiven Feedbacks werden die Innovation Days weitergeführt und 2015 in Berlin stattfinden.

2014 durfte Max-Planck-Innovation zusammen mit der Ascenion bereits zum 8. Biotech NetWorkshop auf Schloss Ringberg am Tegernsee gründungsinteressierte Wissenschaftler und bereits ausgegründete Life Science-Unternehmen aus der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft sowie der Medizinischen Hochschule Hannover einladen. Dank herausragender und erfahrener Referenten der Life Science-Branche konnte ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm geboten werden. Ein weiterer Höhepunkt war die Rede von Heiner Geißler zum Thema „Bergsteigen und Management“. Gepaart mit der besonderen Atmosphäre auf Schloss Ringberg wurde auch diesmal somit wieder ein Rahmen für einen intensiven Erfahrungsaustausch zwischen jungen Gründern und erfahrenen Unternehmern geboten. Die Veranstaltung konnte sich im Verlauf der letzten Jahre sehr gut als eine intensive Networking-Veranstaltung etablieren.

Im September 2014 fanden die 2. Start-up Days in Bonn statt, zu denen Max-Planck-Innovation gemeinsam mit den Technologietransfer-Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft und der Leibniz-Gemeinschaft gründungsinteressierte Wissenschaftler dieser vier außeruniversitären Forschungseinrichtungen eingeladen hat. Den mehr als 90 Teilnehmern konnten mittels Vorträgen wie auch interaktiven Workshops praxisrelevante Informationen und branchenübergreifende Erfahrungen rund um die Gründung und Finanzierung von Unternehmen geboten werden. Zudem sind wir für die wertvolle Unterstützung von erfahrenen Unternehmern dankbar, die in Vorträgen und Podiumsdiskussionen ihre Erfahrungen an die gründungsinteressierten Wissenschaftler weitergeben.

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2014 wurden der Max-Planck-Innovation 131 Erfindungen gemeldet (2013: 127) und es wurden 80 Verwertungsverträge (inkl. Vereinbarungen zu Gemeinschaftserfindungen/TT- Vereinbarungen) abgeschlossen (2013: 93). Die Verwertungserlöse betragen voraussichtlich 23,5 Mio. Euro (2013: 22,5). Zu diesem Erlös trug 2014 ein Unternehmensverkauf sowie eine Restzahlung aus einem früheren Unternehmensverkauf mit einem Erlös von rd. 50T Euro bei (2013: 0 Euro). Die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2014 liegen aufgrund der nachgelagerten Abrechnung verschiedener Lizenznehmer erst ab Mitte 2015 vor. 2014 gingen im Gründungsbereich 3 Ausgründungen aus unterschiedlichen Max-Planck-Instituten hervor.

In 2014 konnte eine Neubeteiligung abgeschlossen werden. Erfreulich ist, dass neben einer Seed-Finanzierungsrunde 2014 vier weitere Folgefinanzierungen mit einem Gesamtvolumen von rd. 8 Mio. Euro erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Besonders erwähnenswert ist, dass darüber hinaus in den vergangenen Jahren zunehmend Fördermittel aus z.B. EXIST-Forschungstransfer, GO-Bio oder M4 für die Vorgründungsphase eingeworben wurden. Seit 2010 konnten allein 17 Gründungsvorhaben aus der Max-Planck-Gesellschaft mit Unterstützung von Max-Planck-Innovation ein Gesamtfördervolumen i.H.v. rd. 16 Mio. € aus verschiedenen Förderprogrammen zur Technologievalidierung und Gründungsvorbereitung einwerben.

 
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