Meer bewirkt!

Am 21. Juni hat weltweit der Ocean Sampling Day stattgefunden

22. Juni 2014

Egal ob Meerwasser durchsichtig, blau, grün oder braun erscheint; darin wimmelt es nur so vor Leben. Ungefähr eine Million Mikroorganismen teilen sich einen Milliliter– und ihre Bedeutung für Klima und Umwelt sind bisher nur zum Teil erklärt. Das Bremer Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie beschäftigt sich seit seiner Gründung im Jahr 1992 mit diesen kleinsten Bewohnern unserer Meere. Am 21. Juni organisierte man dort zusammen mit einem Team aus internationalen Wissenschaftlern den Ocean Sampling Day.

Am 21. Juni nahmen Forscher weltweit Proben aus dem Meer.

Der Ocean Sampling Day war ein einzigartiger Tag, denn erstmals nahmen Wissenschaftler gleichzeitig an über 180 Meeresstationen der Welt Wasserproben. Diese werden nun in Bremen filtriert und analysiert. Der riesige Datensatz aus Temperaturen, Windgeschwindigkeiten, Salzgehalten, und vor allem molekularbiologischen Analysen, soll nun untereinander verglichen, sortiert und verknüpft werden. Alle Daten werden zudem gespeichert und in den kommenden Monaten und Jahren mit Hilfe verschiedener Methoden ausgewertet.

Das Datum des 21. Juni war keineswegs zufällig ausgewählt: Die Sommersonnenwende markiert auf der Nordhalbkugel den längsten Tag des Jahres und somit haben die Organismen im Meer zumindest in den oberen Schichten die längste Sonnenbestrahlung genossen und waren sehr aktiv.

Ob am Meer oder Fluss − auch private Hobbyforscher haben Messungen beigetragen.

Doch man musste kein offizieller Meeresforscher sein, um beim Ocean Sampling Day mitzumachen. Im Gegenteil: Das OSD-Team hat alle interessierten Hobbyforscher dazu eingeladen, Wasserproben aus Flüssen, Seen oder von der Meeresküste zu nehmen. Wie das geht, wurde in einem kleinen Videotutorial erklärt. Die Messdaten, wie Temperatur und Salzgehalt, konnten dann gleich vor Ort in die OSD Citizen App für Android eingegeben werden. Sogar ein Foto der eigenen Hobbyforschergruppe konnte man hinzufügen. Was man dazu brauchte? Lediglich handelsübliche Aquariumzubehör. „Jeder konnte so viel oder wenig messen, wie er wollte. Wir haben uns über jeden Beitrag gefreut. Selbst als jemand Proben aus einer Regentonne nahm“, sagt Anna Klindworth aus dem OSD Kernteam schmunzelnd. So sehr es nach Spaß klingt – letztlich werden alle Daten mit denen der Forscher verglichen und verknüpft. „Natürlich wird da die Regentonne nicht ganz ins Bild passen, aber sie dient uns immerhin noch als Ausreißer.“

Forscher unterschiedlichster Disziplinen werten zukünftig die Daten aus und stellen sie zur Verfügung.

Beim Ocean Sampling Day ging es also nicht nur darum, dass internationale Molekularbiologen, Informatiker und Ingenieure zusammenarbeiten, sondern auch, dass die Bevölkerung aktiv an der Forschung teilnimmt und sich für Umweltthemen begeistert. Denn der OSD war auch von politischem Interesse: Besonders im Mittelmeerraum soll die internationale Zusammenarbeit der Meeresforscher weiter ausgebaut werden. Der Koordinator, Frank Oliver Glöckner, hat deshalb am 21. Juni in Monaco eine Charta zum fairen Austausch und der nachhaltigen Nutzung von marinen genetischen Ressourcen mit Wissenschaftsvertretern unterschrieben.  

bia

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