Ein neuer Umgang mit der Geschichte. Beisetzung von Hirnpräparaten auf dem Münchner Waldfriedhof

1990

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Foto: Gedenkstein auf dem Münchner Waldfriedhof, Peter Blachian/MPG.
Foto: Gedenkstein auf dem Münchner Waldfriedhof, Peter Blachian/MPG.

Auf dem Münchner Waldfriedhof erinnert seit 1990 ein Gedenkstein an die Opfer des Nationalsozialismus und ihren Missbrauch durch die medizinische Forschung. Hier wurden Präparate aus den wissenschaftlichen Sammlungen der Max-Planck-Institute für Hirnforschung und für Psychiatrie beigesetzt. Denn man musste annehmen, dass die für wissenschaftliche Zwecke angefertigten Schnitte von Opfern der NS-„Euthanasie“-Morde stammten. Ab 1940 waren in der sogenannten Aktion T4 geistig Behinderte aus mehreren deutschen Heil- und Pflegeanstalten gezielt getötet worden. Im KWI für Hirnforschung bestand durch den Leiter der Neuropathologischen Abteilung Julius Hallervorden ein direkter Kontakt zu den Tötungskliniken, da er zugleich Prosektor der Brandenburgischen Psychiatrischen Landesanstalten in Görden/Brandenburg war und in dieser Funktion an der Entscheidung über die Ermordung mitwirkte. Die Sammlung von Hirnschnitten, die als Erbe des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Hirnforschung ins Max-Planck-Institut nach Frankfurt kam, wurde auf Betreiben der Direktoren Wolf Singer und Heinz Wässle 1990 nach damaligem Kenntnisstand komplett beigesetzt. Im MPI für Psychiatrie wurden die aus der Zeit des „Dritten Reichs“ stammenden Präparate ausgesondert und beigesetzt. Heinz Staab mahnte als Präsident der MPG anlässlich der Beisetzung eine „verantwortliche Selbstbegrenzung bei der Forschung“ an.

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