Nobelpreisträger*innen in der Max-Planck-Gesellschaft

Der Nobelpreis gilt weltweit als höchste Auszeichnung in der Wissenschaft. Er wird jährlich in den Kategorien Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Friedensbemühungen verliehen. Die Max-Planck-Gesellschaft zählt 29 Nobelpreisträger*innen, die im Jahr der Preiszuerkennung Wissenschaftliche Mitglieder der Max-Planck-Gesellschaft oder ihrer Vorläuferin, der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft waren. 

Die im Folgenden aufgeführten Forscher*innen waren zum Zeitpunkt der Preisvergabe nicht mehr oder noch nicht Wissenschaftliche Mitglieder, leisteten aber den wichtigsten Teil ihrer Forschung in der Max-Planck-Gesellschaft oder prägten diese durch ihr Engagement in Forschung und Administration nachhaltig.

 

2009 – Nobelpreis für Chemie

Ada Yonath

Ada Yonath

Weizmann Institute of Science, Rehovot, Israel
(*1939)

Ada Yonath erhielt den Preis zusammen mit Venkatraman Ramakrishnan und Thomas A. Steitz „für die Studien zur Struktur und Funktion des Ribosoms“, das zuvor wegen seiner Größe auf atomarer Ebene nicht erforschbar war. Sie entwickelte dabei ein neues Verfahren, Ribosomen so zu präparieren, dass sie mithilfe von Röntgenstrukturanalyse untersuchbar wurden. Die neuen Erkenntnisse über Ribosomen war die Grundlage, um Wirkungsweisen von Antiobiotika auf atomarer Ebene zu verstehen und neue Antibiotika zu entwickeln. Ribosomen sind Zellorganellen, die Proteine für viele Lebensvorgänge herstellen, indem sie genetische Informationen von der mRNA ablesen. Sie führte ihre Arbeiten am Weizmann Institute Israel durch und zeitgleich am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin sowie von 1986 bis 2004 als Leiterin einer Max-Planck-Arbeitsgruppe am DESY in Hamburg.

 

1984 – Nobelpreis für Physiologie oder Medizin

Georges Köhler

Georges Köhler

Institut für Immunologie Basel
(1946-1995)

Georges Köhler und César Milstein entwickelten eine Technik mit der sie monoklonale Antikörper herstellen können. Die Hybridoma-Technik findet bis heute viele, bedeutende Anwendungen in Medizin und Wissenschaft: Monoklonale Antikörper werden zum Beispiel für Schutzimpfungen und für Standarttests, wie Blutgruppenbestimmungen eingesetzt. Köhler und Milstein erhielten die Auszeichnung gemeinsam mit Niels K. Jerne, der für seine Theorien über den spezifischen Aufbau und die Steuerung des Immunsystems geehrt wurde. Köhler folgte im Jahr der Preisverleihung dem Ruf an das Max-Planck-Institut für Immunbiologie.
 


1935 - Nobelpreis für Physiologie oder Medizin

Hans Spemann

Hans Spemann

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
(1869-1941)
 

Hans Spemann war ein Pionier der Entwicklungsbiologie und erhielt den Nobelpreis „für die Entdeckung des Organisator-Effekts im embryonalen Entwicklungsstadium“. Er wies zusammen mit Hilde Mangold nach, dass Zellen im frühen Stadium der Keimesentwicklung in der Gastrula für ihre spätere Entwicklung noch nicht definiert sind. Spemann erkannte, dass der Ort, an dem sie sich in der Gastrula befinden, der entscheidende Faktor für deren Ausdifferenzierung ist. Hans Spemann wurde bei Gründung des Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie in Berlin als Abteilungsleiter berufen und führt dort die Transplantationsversuche mit Gewebe der Gastrula von Amphibien durch, die ihn später zur Erkenntnis des Organisator-Effekts brachten. 1919 folgte er dem Ruf der Universität Freiburg, blieb aber Auswärtiges Wissenschaftliches Mitglied des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biologie.
 


1932 - Nobelpreis für Physik

Werner Heisenberg

Werner Heisenberg

Universität Leipzig
(1901-1976)

Der Nobelpreis ging an Heisenberg „für die Begründung der Quantenmechanik, deren Anwendung unter anderem zur Entdeckung der allotropen Formen des Wasserstoffs geführt hat.“ Seine Forschung dazu hatte Heisenberg bei Max Born an der Universität Göttingen geleistet sowie bei Niels Bohr in Kopenhagen und an der Universität Leipzig. Seit 1942 leitete Heisenberg das Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin und war dort auch Leiter des deutschen Uranprojekts zur Nutzbarmachung der Atomenergie. Er  konstituierte sein Institut nach dem Zweiten Weltkrieg neu als Max-Planck-Institut für Physik in München und macht es zur Keimzelle neuer Forschungslinien in der Max-Planck-Gesellschaft, wie die Astrophysik und die Plasmaphysik. Damit prägte Heisenberg auch die westdeutsche Wissenschaftslandschaft.
 


1925 - Nobelpreis für Physik

James Franck

James Franck

Universität Göttingen
(1882-1964)

Franck erhielt den Physik-Nobelpreis gemeinsam mit Gustav Ludwig Hertz „für die Entdeckung der Gesetze, die bei dem Zusammenstoß eines Elektrons mit einem Atom herrschen.“ Versuche dazu hatten beide von 1912 bis 1914 an der Berliner Universität gemacht. 1918 wechselte Franck als Abteilungsleiter an das Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie. 1920 ging er als Professor für Experimentalphysik an der Universität Göttingen und floh 1933 vor rassistischer Verfolgung aus Deutschland in die USA. Dort arbeitete er im Manhattan Project mit am Bau der Atombombe, deren Abwurf er dann aber mit dem sogenannten Franck-Report zu verhindert versuchte.
 


1922 - Nobelpreis für Physiologie oder Medizin

Otto Meyerhof

Otto Meyerhof

Universität Kiel
(1884-1951)

Gemeinsam mit Archibald Vivian Hill erhielt er den Nobelpreis „für seine Entdeckung des Verhältnisses zwischen Sauerstoffverbrauch und Milchsäureproduktion im Muskel.“ Die Arbeit steht im größeren Kontext von Forschungen über den Energie-Stoffwechsel von Zellen durch Meyerhof und andere, mit der die molekulare Zellbiologie begann. Mit der Identifizierung des ATP und der Beschreibung des ATP-Zyklus hatte Meyerhof das Grundprinzip für energieliefernde Reaktionen von Organismen aufgeklärt, was weitreichende Folgen für die medizinische Praxis bis heute zeitigte. Trotz seines Nobelpreises berief ihn seine Heimatuniversität – wohl aufgrund antisemitischer Ressentiments – nicht auf einen Lehrstuhl. 1924 folgte er dem Ruf der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft an ihr Institut für Biologie in Berlin, 1929 wechselte er an das Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg, wo er seine wissenschaftlich produktivsten Jahre verbrachte. 1938 floh Meyerhof unter dramatischen Umständen aus Deutschland in die USA.
 


1918 - Nobelpreis für Physik

Max Planck

Max Planck

(1858-1947)
Universität Berlin

Der Preis ging an Max Planck „als Anerkennung des Verdienstes, das er sich durch das seine Entdeckung der Energiequanten um die Entwicklung der Physik erworben hat.“ Im Rahmen seiner Beschäftigung mit der Wärmestrahlung definierte Planck im Jahr 1900 das Wirkungsquantums „h“ und formulierte damit die revolutionäre Erkenntnis, dass Energie gequantelt abgegeben wird:  Ein Bruch mit der seit Jahrhunderten geltenden Lehrmeinung, was die Tür zu einer neuen Physik aufstieß und zur Quantenmechanik führte. Ab 1912 übernahm Planck wichtige Ämter und gestaltete so die dynamische Entwicklung der Wissenschaft seiner Zeit mit. Von 1930 bis 1937 war er Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und bemühte sich in der NS-Zeit, die Autonomie der Wissenschaft zu wahren, was ihm nur zum Teil gelang.  1945 übernahm Max Planck in hohem Alter noch einmal das Präsidentenamt der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Ihre Auflösung wurde von den West-Alliierten erwogen, aber dann verworfen. Ein wichtiges Argument war Plancks persönliche Integrität und sein renommierter Name, unter dem die Forschung weitergeführt und unter demokratischen Vorzeichen als Max-Planck-Gesellschaft neu aufgebaut werden konnte.
 


1914 - Nobelpreis für Physik

Max von Laue

Max von Laue

(1879-1960)
Universität Frankfurt am Main

Er wurde „für seine Entdeckung der Beugung von Röntgenstrahlen beim Durchgang durch Kristalle“ ausgezeichnet, womit er die Natur der Röntgenstrahlen als elektromagnetische Wellen nachweisen konnte. Die Forschung dazu hatte er an der Universität München geleistet. Bereits zuvor hatte er als Assistent Max Plancks an der Berliner Universität über die Entropie von interferierenden Strahlenbündeln sowie über Einsteins Relativitätstheorie gearbeitet. Laue prägte die Weiterentwicklung der modernen Physik in Deutschland, unter anderem durch die Unterstützung Albert Einsteins. Er verteidigte ihn und seine Forschung auch gegen antisemitische Anfeindungen. 1921 wurde Laue in Vertretung Einsteins Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik. Dem NS-System gegenüber verhielt Laue sich kritisch. 1951 wurde er Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin, das zwei Jahre später zum Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft wurde. Laue hatte in dieser Zeit auch Anteil am Ausbau Göttingens zu einem wichtigen Standort der Max-Planck-Gesellschaft und dem Wiederaufbau zentraler physikalischer Forschungseinrichtungen in Deutschland, wie der Physikalisch-Technischen-Bundesanstalt.
 

 

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