Forschungsbericht 2017 - Archiv der MPG

Das Archiv der Max-Planck-Gesellschaft - ein Rückblick auf das Jahr 2016

Autoren
Starkloff, Kristina
Abteilungen
Archiv der MPG
Zusammenfassung
Im Jahr 2016 wurden einige langwierige Prozesse erfolgreich umgesetzt. Dazu gehört die Verabschiedung des Archivstatuts, das die Rechte und Pflichten des Archivs regelt und gegenüber Nutzern transparent macht. Neben vielen erfolgreichen Einwerbungen, insbesondere im Bereich Fotos und Sammlungen, konnten Unterlagen des einflussreichen Mäzens der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, Leopold Koppel, ins Archiv überführt werden, darunter die bislang ersten bekannten Fotos des Bankiers und seiner Familie. Neuland betrat das Archiv mit dem Projek zur Entwicklung eines Werkzeugs zur E-Mailarchivierung.

Benutzung der Archivbestände

Auch 2016 erhielt das Archiv zahlreiche Anfragen aus dem In- und Ausland. Die Zahlen zur Benutzung lagen im Jahr 2016 mit 107 Benutzern an 220 Benutzungstagen (611 Benutzungen) knapp unter denen des Vorjahrs. Insgesamt wurden wesentlich mehr Archivalien, also 5031 und 428 Unterlagen der AV-Abteilung (Fotografien, Mappen, Alben, Filme oder Tonbandaufnahmen) vorgelegt. Aus der Bibliothek wurden 72 Titel vorgelegt. Auch in diesem Jahr unterstützte das Archiv Filmaufnahmen, diesmal zum Thema „Gaskrieg“ und dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik sowie dessen Direktor Otmar von Verschuer.

Übernahme

Verwaltungsschriftgut

Aufgrund der oben genannten Organisationsvorgänge und massiver Verzeichnungsrückstände wurde Schriftgut aus der Generalverwaltung in diesem Jahr wiederum eher zurückhaltend angenommen. Nahezu alle Lagermöglichkeiten sind belegt und müssen zunächst umgeschichtet werden. Wichtig ist hierbei, die große Anzahl von Aktenordnern systematisch in die Regale zu räumen, um aufwendige Doppelarbeit zu vermeiden. Mit dieser Tätigkeit konnte eine große Anzahl an Unterlagen in die Regale gestellt werden, was das wertvolle Schriftgut insbesondere im Fall von Havarien (Feuer/Wasser etc.) besser schützt. Unverändert positiv ist die Zusammenarbeit mit der Registratur der Generalverwaltung zu bewerten. Beratend agierte das Archiv im Bereich des Dokumentenmanagementsystems (DMS), insbesondere bezüglich der vorgesehenen Archivierungsfunktion. Geplant ist hier das Angebot einer stärkeren Einbeziehung des Archivs, um die strukturierte und ressourcenschonende Ablage zu verbessern.

Vor- und Nachlässe

Zur Einwerbung von Unterlagen zu archivischen Vor- und Nachlässen sind stets aufwendige Aktivitäten im Vorfeld notwendig. Zunächst müssen die künftigen Bestandsgeber ausgewählt, kontaktiert und gewonnen werden. Dabei wird unter anderem das Archiv mit seinen Aufgaben und Sammlungsschwerpunkten vorgestellt. Hinzu kommt die Vermittlung des Aspekts der Archivwürdigkeit: Nicht alle Dokumente, die die Geber als zentral beschreiben, sind Teil einer aussagekräftigen Überlieferung, beziehungsweise nicht alle Dokumente, die wertlos erscheinen, sind auf lange Sicht uninteressant für die Forschung. Angesichts immer noch steigender Papiermengen und des zugleich bestehenden Auftrags, eine aussagekräftige Überlieferung zu bilden, spielt die archivfachliche Bewertung eine immer größere Rolle. Zudem ist die Notwendigkeit einer vertraglichen Grundlage zur Aufbewahrung von Vor- und Nachlassbeständen im Archiv zu vermitteln. Diese Verträge regeln so entscheidende Fragen wie Eigentumsrechte, Nachlieferungen, Zugangsbedingungen, Schutzfristen sowie Urheber- und Nutzungsrechte. In diesem Zusammenhang wurden das Informationsblatt zur Übernahme von Vor- und Nachlässen sowie die Musterverträge (Schenkung und Depositum) überarbeitet und aktualisiert.

Generell ist zur Übernahmepraxis bei Vor- und Nachlässen zu sagen, dass – mit wenigen Ausnahmen und abweichend von der vormals üblichen Akquirierung von nachträglich zu bewertendem Zwischenarchivgut – nur noch vorab archivfachlich bewertete Unterlagen ins Archiv gelangt sind. Dadurch wird nicht zuletzt auch dem Umstand der mittlerweile knappen Magazinflächen entsprochen. Diese verhältnismäßig aufwendige, aber lohnenswerte Form der Nachlasseinwerbung ist meistens mit Recherchen, Schriftverkehr, Telefonaten und persönlichen Besuchen der jeweiligen Max-Planck-Institute oder Privathaushalte verbunden.

Im vergangenen Jahr  wurden insgesamt zehn neue Vor- und Nachlässe bewertet und übernommen, hinzu kommen drei Nachlieferungen zu bereits vorhandenen Beständen (insgesamt 80 laufende Meter). Hervorzuheben sind darunter die Nachlässe des Sozialrechtlers und früheren MPG-Präsidenten Hans F. Zacher, des Chemikers Leo C. M. De Maeyer (Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Anteil am Nobelpreis für Manfred Eigen), des Kunsthistorikers Mathias Winner (Bibliotheca Hertziana) und des Physikers Wolfhart Zimmermann. Etwa 50 Prozent dieser Unterlagen wurden bereits erschlossen. Zu zwei Beständen (Hans Meinhardt, Christiane Nüsslein-Volhard) wurden auch genuin digitale Unterlagen übernommen. Drei weitere Vorlässe, darunter der des Astrophysikers Joachim E. Trümper (ROSAT-Projekt), wurden bewertet und zur Übernahme 2017 vorbereitet. Ebenso konnten 2016 zusätzlich 13 Schenkungs- und drei Depositalverträge mit Vor- und Nachlassgebern abgeschlossen werden. Der Abschluss weiterer Verträge wird angestrebt.

Weitere Übernahmen

Insgesamt wurden in diesem Jahr ca. 80 laufende Meter Akten im Vor- und Nachlassbereich, acht laufende Meter aus der Generalverwaltung, wenige Ordner aus einem Max-Planck-Institut sowie 450 Fotos, einige Farbkleinbild-Dias, zwei Alben und fünf Ordner (ca. 1000 schwarz-weiss Fotos) übernommen.

original
Original 1508158640
Abb. 1: Leopold Koppel beim Ausritt mit seiner Tochter Else, ohne Datum.

Signatur: Archiv der Max-Planck-Gesellschaft, VI. Abt., Rep. 1, Nr. II/1.
Abb. 1: Leopold Koppel beim Ausritt mit seiner Tochter Else, ohne Datum.

Signatur: Archiv der Max-Planck-Gesellschaft, VI. Abt., Rep. 1, Nr. II/1.

Die sehr geringe Übernahme aus der Generalverwaltung trotz verstärkter Bewertungstätigkeit durch Archivare in der Registratur erklärt sich wie folgt: Einerseits wurde die Praxis etabliert, dass durch das Archiv ausgesondertes Schriftgut durch das Forschungsprogramm „Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft“ auf dortige Verwendbarkeit überprüft werden soll. Erst nach Abschluss dieser Maßnahme erfolgt der Transport nach Berlin. Darüber hinaus ist der Großteil der Stellfläche des Archivs besetzt. Vorhandene Kapazitäten sollten für Unterlagen bereitstehen, die ansonsten durch die Abgebenden aus Platzmangel umgehend vernichtet werden.

Besonders hervorzuheben ist der über zwei Jahre angebahnte Ankauf der Unterlagen des wichtigen Mäzen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, Leopold Koppel (https://www.archiv-berlin.mpg.de/61451/koppel). Die bislang ersten bekannten Fotografien des einflussreichen Bankiers wurden umgehend digitalisiert. In die Bibliothek wurden 278 Monografien aufgenommen. Überwiegend als Pflichtexemplare wurden dem Archiv 70 Bücher und Aufsätze geschenkt.

Bewertung

Erklärtes Ziel des Archivs ist es, eine in sich schlüssige und aussagekräftige Überlieferung zu bilden. Eines der wichtigsten Mittel ist die Bewertung, das heißt die Entscheidung über die Archivwürdigkeit der Unterlagen. Für die Nutzung relevant ist insbesondere die Transparenz der Bewertungsentscheidungen. In der Praxis werden getroffene Grundsatzentscheidungen innerhalb eines Dokumentationsprofils schriftlich festgehalten, was der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dazu ist es jedoch notwendig, die Überlieferung genauer zu kennen. Entsprechend besuchten alle Facharchivare die Registratur der Generalverwaltung, um erste Urteile über Einzelbestände zu fällen. Dies wird in den kommenden Jahren fortgesetzt. Die Ergebnisse fließen in den Arbeitsprozess der Aktenabgabe ein, so dass die Registratur einzelne Bestände, die generell nicht archivwürdig sind, umgehend nach Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfristen lagerkapazitätenschonend vernichten kann.

Erschließung

Neben kleineren Beständen oder Ergänzungen wurden aus der II. Abteilung (Überlieferung der Max-Planck-Gesellschaft) ca. 60 laufende Meter Akten der Institutsbetreuung (Repositur 66) verzeichnet. Abgeschlossen werden konnte in diesem Jahr die 2014 begonnene Erschließung sämtlicher archivreifer Akten des Wissenschaftlichen Rats und seiner Sektionen (Gesamtbestand 75 laufende Meter). Hinzukommend wurde der gesamte Handaktenbestand (Handakten der Referats- und Abteilungsleiter sowie der Generalsekretäre) erschlossen (insgesamt 41 laufende Meter). Die Akten des sogenannten Alten Aktenplans (Zeitraum 1945-1973) wurden sortiert und als gesonderte Repositur (Nr. 102) vollständig erschlossen. Aus dem Bereich Vor- und Nachlässe wurden insgesamt 48 laufende Meter verzeichnet.

Digitalisierung

Die von Forschern aus dem In- und Ausland viel genutzten Unterlagen des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, Eugenik und Erblehre wurden bereits im Jahr 2015 zusammen mit relevanten Fotografien für eine Digitalisierung vorbereitet. Dem lag nicht zuletzt das Ziel zugrunde, dieses Vorhaben mit Drittmitteln durchzuführen. Das Projekt wurde von den Geldgebern (Landesstiftung) als sehr förderungswürdig bewertet. Allerdings werden Landesbetriebe prioritär gefördert, weshalb das Archiv der Max-Planck-Gesellschaft nicht berücksichtigt werden konnte. Da diese Unterlagen weiterhin stark von Forschern aus dem In-, vor allem jedoch Ausland nachgefragt werden, wurden die administrativen Vorgänge eingeleitet, um das Projekt aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Erstmalig wird das Archiv der Max-Planck-Gesellschaft nach Abschluss des Vorgangs einen vergleichsweise großen Umfang an Digitalisaten online zur Verfügung stellen. Nach Abschluss der Arbeiten werden den Nutzern die Vervielfältigungen zusammen mit ihrer eindeutigen Signatur bereitgestellt, was die wertvollen Papiere gleichzeitig nachhaltig vor häufigem Zugriff und somit mechanischen Schäden schützt.

Mit der letzten Datenübergabe wurde die Digitalisierung des Nachlasses von Ernst Rabel, eine Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, erfolgreich abgeschlossen.

Für eine nachhaltige Digitalisierung ist eine Reihe von Vorarbeiten notwendig. Aufgrund der relativ hohen Kosten für qualitativ hochwertigen Scans führt das Archiv der Max-Planck-Gesellschaft derartige Projekte nur an vollständig erschlossenen und archivfachlich korrekt verpackten Beständen durch:
Ausschließlich das erschlossene Material kann anhand der zugewiesenen eindeutigen Signaturen nachprüfbar zitiert werden. Erst die Erschließungsinformationen ermöglichen das Auffinden und Verwalten größerer Mengen von Archivgut. Entmetallisiertes (Entfernen von Büroklammern, Tackern etc.) Schriftgut ist mit deutlich geringerem Aufwand und wesentlich schonender zu scannen. Zudem schützt die Verpackung die sensiblen Bestände vor mechanischen Schäden.

Bibliothek

Die im Vorjahr begonnene Migration der Daten in ein verbundfähiges System (Südwestdeutscher Bibliotheksverbund (SWB) erforderte auch in diesem Jahr Überarbeitungsschritte. Von gut 6000 Datensätzen wurde gut ein Drittel berichtigt. Zu ergänzen ist, dass nun nach dem international anerkannten Regelwerk Resource Description and Access (RDA) katalogisiert wird.


Bevor Unterlagen über das Internet zugänglich gemacht werden, sind eine Reihe von rechtlichen Bestimmungen zu beachten. Nicht publizierte, urheberrechtlich geschützte Werke dürfen bis 70 Jahre nach dem Tod der Urheber nicht veröffentlicht werden. So kann beispielsweise der Nachlass Ernst Rabels ausschließlich zugangsbeschränkt, also etwa über einen virtuellen Lesesaal eingesehen werden, eine Onlinestellung würde derzeit einen Verstoß gegen das geltende Recht darstellen. Eine weitere Einschränkung betrifft enthaltene personenbezogene Daten. Somit kann nach geltendem Archivstatut allein Schriftgut öffentlich zugänglich gemacht werden, das entweder keine personenbezogenen Daten enthält oder bei dem die genannten Personen bereits seit zehn Jahren verstorben sind. Entsprechend müssen die Archivare eine Onlinestellung sorgfältig vorbereiten und die Unterlagen stets auf potenziell enthaltene Daten überprüfen.

Bestandserhaltung

Verpackung

Eines der wichtigsten Mittel zur Erhaltung der wertvollen Unterlagen ist die archivfachlich korrekte Lagerung und Verpackung. Dies ist auch der wirksamste Schutz, um Archivgut vor potenziell eintretenden Havarien zu schützen. Gerade die Entgrätung und Umverpackung ist sehr aufwendig und kann nicht durch das Stammpersonal geleistet werden. Als Folge würde die Erschließung und damit die Zugänglichkeit weiterer Unterlagen stark verlangsamt. Trotz belegbarer Dringlichkeit stehen dem Archiv keine festen Mitarbeiter für diese Tätigkeit zur Verfügung. Im Rahmen der sehr produktiven Kooperation mit Goldnetz gGmbH konnten zwei Kräfte gewonnen werden, die die Archivare tatkräftig unterstützten. Eine weitere Projektkraft erschliesst und verpackt darüber hinaus serielle Akten. Insgesamt konnten auf diese Weise doppelt so viele Unterlagen wie im vorherigen Jahr, also etwa 450 laufende Meter umverpackt werden. Auch wenn sehr gute Ergebnisse erzielt werden, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die hauptamtlichen Archivare viel Zeit in die Anwerbung, Einarbeitung und Betreuung investieren müssen. Gut eingearbeitete und motivierte Kräfte müssen nach Ende des Förderungszeitraums den Arbeitsplatz verlassen, ohne ihre beträchtlichen Kenntnisse weiterhin für das Archiv einsetzen zu können.

Rechtliche Grundlage (Verabschiedung des Statuts)

Im Zuge der Neuausrichtung des Archivs wurde die Notwendigkeit einer gültigen Rechtsgrundlage immer greifbarer. Das am 12.09.2016 in Kraft getretene Archivstatut (https://www.archiv-berlin.mpg.de/61105/Statut_Archiv-MPG.pdf) regelt nicht nur die Rechte und Pflichten des Archivs, sondern bildet die rechtsgültige Grundlage für eine transparente Archivnutzung durch die Forschung.

Öffentlichkeitsarbeit

Veranstaltungen

Rechtliche Belange spielen nicht nur im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft eine gleichbleibend wichtige Rolle. Aus verschiedenen Gründen wurde die Reihe Dahlemer Archivgespräche eingestellt. Einerseits war die Nachfrage stark rückläufig, andererseits konzentriert sich die als Serviceinstitution zu verstehende Einrichtung nun ausschließlich auf den archivfachlichen Bereich. Historische Themen werden den dafür fachlich ausgewiesenen Forschungsinstitutionen überlassen.

Im Jahr 2015 wurde eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die sich einer wachsender Nachfrage erfreut. Im Frühjahr fand die Fortsetzung des Workshops „Offene rechtliche Fragen bei der Nutzung und Bearbeitung von Nachlässen“ unter dem Titel „Juristische Kollisionen bei der Archivnutzung? Urheberrecht und Nutzerverhalten im Wissenschaftsarchiv“ statt, diesmal in Kooperation mit der Universität Bayreuth (https://www.archiv-berlin.mpg.de/48221/14-04-2016).

Im Rahmen des Arbeitskreises Wissenschaftliche Archive in Berlin lud das Archiv der Max-Planck-Gesellschaft zum fünften Treffen zu dem Thema „Bildarchiv“ nach Dahlem ein (https://www.archiv-berlin.mpg.de/59197/22-06-2016). Neben Fragen zur Aufbewahrung und Digitalisierung von Audiovisuellen Materialien wurden Fragen zu Urheberrechten in Bildarchiven geklärt. Die Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (bpk) stellte ihr Bildportal als mögliche Publikationsplattform für Gedächtniseinrichtungen vor. Wie im Jahr zuvor konnten namhafte Wissenschaftler, wie Michael Grünberger und Experten aus der Praxis, darunter der Rechtsanwalt Paul Klimpel sowie Hanns-Peter Frentz (Leiter der Bildagentur bpk) gewonnen werden. Die Verbindung zur alltäglichen Archivpraxis wusste erneut der Jurist und Archivrat, Andreas Nestl (Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns) herzustellen.

Führungen

Unverändert zahlreicher Nachfragen erfreuten sich auch in diesem Jahr die Führungen durch Archiv und historisches Gebäude „Otto-Warburg-Haus“/„Turm der Blitze“ (Magazin) von Seiten MPG-interner und externer Besucher aus dem In- und Ausland. Thematisch konzentriert sich das Angebot auf den Archivbereich mit historischem Hintergrund des Archivgebäudes. Führungen zum Campus Dahlem werden nun ausschließlich durch die Kollegen des Büro Berlin übernommen.

Projekte

DFG-Projekt „Retrokonversion von Findmitteln“

Im Rahmen des DFG-geförderten Projekts wurden 164 maschinengeschriebene, analoge Findbücher in die Archivverwaltungssoftware importiert. Ziel ist die Onlinestellung der rechtlich zugänglichen Findmittel. Neben einer besseren Durchsuchbarkeit können so auch Bestell- und Organisationsprozesse elektronisch verwaltet werden. Eng verbunden waren damit aufwendige Qualitätskontrollen und Korrekturen, die als Eigenleistungen des Archivs verlangt wurden. Der Vorgang umfasste ca. 11.700 Datensätze. Gut die Hälfte davon umfassen die bislang ausschließlich über analoge Karteikarten katalogisierten Karten und Pläne. In den kommenden Wochen müssen die noch verbleibenden Daten in die Datenbank eingepflegt und mit den bereits vorhandenen datenbankgestützt erschlossenen Findmitteln zusammengeführt werden.

Nicht im Förderungsrahmen enthalten war die Überführung der bereits elektronisch erfassten Findmittel (Textdateien) in die Datenbank. Je nach Verzeichnungszustand des Bestands handelt es sich dabei mitunter um sehr aufwendige Vorgänge. Vielfach müssen die vorhandenen Listen mit den physisch magazinierten Unterlagen abgeglichen werden. Vollständige Übereinstimmungen bildeten leider die Ausnahme. Trotz zeitintensiver Nacharbeiten konnten 30 umfangreiche Findmittel überführt werden. Es ist zu erwarten, dass die Prozesse noch bis weit in das Jahr 2017 andauern werden und zunächst nicht alle der der insgesamt neun vorhandenen Abteilungen online zur Verfügung gestellt werden können.

Zeitgleich wurde die Lagerortverwaltung in die Archivverwaltungssoftware integriert. Dazu müssen alle Magazinräume bis zum Einzelregal angelegt und virtuell befüllt werden. Insgesamt konnten auf diese Weise bereits 220 Bestände zugeordnet werden. Dieser Prozess ist nicht nur für die Onlinestellung der Bestände eine notwendige Voraussetzung. Darüber hinaus gilt es, sämtliche archivrelevanten Vorgänge (Einwerbung, Verzeichnung, Bestellung, Nutzung und Magazinverwaltung) über ein einheitliches und in sich stimmiges System zu verwalten anstatt, wie bisher, über verschiedene. Auch wenn die Zusammenführung sehr arbeitsintensiv ist überwiegt, über einen längeren Zeitraum betrachtet der Gewinn. Erstmalig wird es so möglich sein, die genannten Prozesse adäquat zu dokumentieren und sämtliche eingegangenen Unterlagen für alle Mitarbeiter, aber auch im rechtlichen Rahmen für Benutzer, auffindbar zu halten.

Langzeitarchivierung elektronischer Daten

Im Bereich der Langzeitarchivierung elektronischer Daten waren die zuständigen Mitarbeiter erfolgreich tätig. Auch wenn die Übergabe der notwendigen Software zur Übernahme, Magazinierung und Nutzung digitaler Objekte durch die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns noch aussteht, konnte die für diesen Bereich neu bewilligte Stelle erfolgreich besetzt werden.

Projekt E-Mailarchivierung

Bislang ist kein deutsches Archiv in der Lage, E-Mails nachhaltig zu archivieren. Nach ersten Gesprächen im Jahr 2015 wurde das Projekt zur „Erstellung eines entsprechenden Tools zur strukturierten Übernahme von E-Mailpostfächern“ mit unterschiedlichen Kooperationspartnern vorangetrieben. Ziel ist es, ein Produkt zu erstellen, das von möglichst vielen Gedächtnisinstitutionen, insbesondere auch von den kleineren, nachgenutzt werden kann. Die Funktionalität sollte in den gängigen technischen Systemen gewährleistet sein. Letztendlich können allein auf diese Weise auch Kleinstarchive elektronische Korrespondenzen vorhalten und ihren Beitrag zum „Sammeln im Verbund“ leisten.

In Kooperation mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg wurde zunächst ein Lastenheft erstellt und Überlegungen für eine sinnvolle Vergabe getätigt. Da es sich um ein völlig neues Vorgehen handelt, fiel die Entscheidung auf die Umsetzung im Rahmen eines Scrum-Projekts, da so der Entwicklungsprozess durch die Archivare am engsten begleitet werden kann. Verschiedene Berliner Hochschulen wurden auf mögliche Kooperationspartner überprüft. Nachdem eine Professorin der Freien Universität Berlin als Betreuerin gewonnen werden konnte, nahm eine Studentengruppe im Rahmen eines Studienprojekts im November ihre Arbeit auf. Erste Programmierleistungen liegen derzeit vor und werden im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft getestet. Aus dem Projekt ging eine Studentische Hilfskraft hervor, die die Programmierung des Werkzeugs anteilig übernehmen wird. Ein Fortsetzungsseminar unter gleicher Betreuung ist in Planung.

Dass die Entwicklung eines Tools auf einen steigenden Bedarf trifft, zeigte sich im Rahmen verschiedener Fachveranstaltungen (unter anderem der Fortbildungsveranstaltung beim Deutschen Archivtag, der Fachgruppentagung und im Rahmen verschiedener Arbeitskreise). Unterstützung erhielt das Archiv von Seiten des Max-Planck-Institut für Informatik (Saarbrücken), was sich insbesondere bezüglich der Formulierung des Lastenhefts als sehr hilfreich erwies. Erste Überlegungen tätigte das Archiv im Verbund mit Fachkollegen bezüglich der Themenkomplexe „Forschungsdaten“ und „Laborbücher“. Aufgrund der Zuständigkeit und erfolgter Initiativen fand dies unter anderem im Austausch mit der Max Planck Digital Library (MPDL) statt.

Personelle Veränderungen

Nachdem zuvor vornehmlich die traditionell archivfachlichen Stellen neu besetzt werden konnten, gab es nun eine Aufstockung im Bereich der digitalen Langzeitarchivierung durch die Besetzung mit einer Kraft, die in beiden relevanten Bereichen, der Informationstechnologie und dem Archivfach, über eine Ausbildung verfügt. Zusätzlich konnten Neubesetzungen innerhalb der Verwaltung des Archivinformationssystems sowie der Administration erfolgen. Auch die Stelle eines Ansprechpartners für das Programm „Geschichte der MPG“ wurde besetzt. Insbesondere letzteres erleichtert die ohnehin personell eng bemessene Bewältigung des Alltagsgeschäfts.

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